UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V.

 

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Referate und Materialien

   

 

Julia Buzdugan, Julia Mostova, Natalja Lutsenko

Ungarn unter der Herrschaft des Osmanischen Reiches

Europäische Machtpolitik im XVI.–XVII. Jahrhundert

 

 

 

Einführung: Die Schlacht von Mohács

Der Anfang der türkischen Herrschaft

Weitere Eroberungen der Türken

Das Scheitern der Wiedervereinigungsversuche

Siebenbürgen

Die Expansion des Türkenreichs

Städte und Handel

Wirtschaftliche und Gesellschaftliche Entwicklung

Ein spezifisches "Kondominium"

Die politische Entwicklung

Die Rückeroberung von Buda

Das demographische Defizit

Epilog

Quellen

Zeittafel

Einführung: Die Schlacht von Mohács

Nach dem Tod von Vladislav II kam sein 10 Jahre alter Sohn Ludwig II auf den Tschechischen und Ungarischen Thron. Unter vielen Umständen hatte er bis zu seiner Volljährigkeit im Jahr 1521 nicht viel zu sagen. Im Gegensatz zu seinem Vater unternahm er einige Schritte, um aus der finanziellen Misere herauszukommen, und die Südgrenzen zu verteidigen. Er hatte keinen Erfolg: 1521 fielen zwei strategisch wichtige Festungsstädte, Szabacs an der Save und Nandorfehervar. Der junge König stellte fest, dass Ungarn auf dem Land- wie auf dem Flussweg dem Eindringling offen stand. Die Verteidigung wurde angesichts des 1526 drohenden Angriffes der Armee von Süleyman dem Prächtigen dennoch vorbereitet. Die Ungarische Armee bestand aus 25 000 Mann, die Türkische Armee dagegen war doppelt so groß. Nach mehreren vorangehenden Scharmützeln fand die entscheidende Schlacht bei Mohács, unweit der Donau und den Grenzen des heutigen, verkleinerten Ungarns, statt.

Es war der 29 August 1526. Trotz anfänglichen Erfolgs der Ungarischen Armee begünstigte das Kriegsglück die Türkische Armee. Die Schlacht war nach wenigen Stunden zu Ende, mit Verlusten von über 10 000 Männer auf der Ungarischen Seite. Auch König Ludwig II starb, er ertrank in einem Flüsschen.

Die Schlacht von Mohács geht in die nationale Geschichte als die größte Tragödie Ungarns ein. Dies war die größte Katastrophe in der Geschichte Ungarns nicht so sehr wegen der militärischen Niederlage als vielmehr wegen des Heraufbeschwörens und schlagartigen Auslösens verschiedener Faktoren, die ohne den entscheidenden Sieg der Türken vielleicht erst später und einzeln aufgetreten wären. In ihrer Folge wurde Ungarn für 150 Jahre in drei Teile geteilt. In der Mitte, in der großen Tiefebene, in einem Teil Transdanubiens und in der Hauptstadt Buda richtete sich das Türkenreich ein.

Der Anfang der türkischen Herrschaft

Von Mohács begab sich Süleyman nach Buda, verließ dann die Hauptstadt und im Oktober Ungarn, halt jedoch die strategisch bedeutsamen Festungen im Süden fest im Griff. Buda - eine leere, verlassene, tote Stadt - ergab sich ihm ohne Widersand. Außerdem nahmen sie den südlichen und mittleren Teil des Landes in Besitz, im Osten entstand das Fürstentum Siebenbürgen, während die nördlichen und westlichen Gebiete sowie Kroatien und Slawonien zum unter Habsburger Vorherrschaft stehenden "königlichen Ungarn" gehörten. Der Sieger von Mohács, Süleyman I, der Prächtige (1520-1566), nutzte seinen Sieg nicht sofort aus. Während seiner langen Herrschaftszeit weitete er sein Imperium im Orient, in Algerien, und Tripolitanien aus. Auch als Gesetzgeber war er bedeutsam. Seine herrschaftlichen Ambitionen richteten sich nicht nur gegen Ungarn, sondern auch gegen Polen und Österreich mit dem Ziel, Europa zu erobern. Er führte seine Kriege jedoch zeitlich und räumlich verteilt, nach flexiblen politischen Plänen. Seine Nachfolger Selim II. (1566-1574) und Murat III. (1574-1595) verfolgten den gleichen Weg.

Weitere Eroberungen der Türken

Der mittlere Teil Ungarns gehörte zum Osmanischen Reich. Buda wurde zum Zentrum der türkischen Verwaltung. Die Türken belegten die christlichen Untertanen in diesem Gebiet mit einer Kopfsteuer. In diesen Steuereinnahmen ist auch der Grund dafür zu sehen, dass die Türken keine gewaltsame Konversion betrieben. Die Eroberer bildeten eine dünne Oberschicht, die weder selbst in Ungarn heimisch wurde noch Versuche unternahm, die gesellschaftlichen Strukturen des besetzten Gebietes grundlegend umzugestalten. Diese Tatsache und die Beibehaltung des juristischen Anspruches des königlichen Ungarn auf das Gebiet haben zu der auch in vielen zeitgenössischen Quellen belegten Auffassung geführt, dass Ungarn weiterhin als eine politische Einheit angesehen wurde, auch wenn ein wesentlicher Teil von den Osmanen militärisch besetzt war.

Trotz des Rückzuges des Sultans von Buda im Jahre 1526 war die Hoffnung auf eine Vereinigung unter dem Zepter der rivalisierenden zwei Könige jedenfalls illusorisch. Zwar verließ Süleyman 9das Land, halt jedoch die Zugangswege, die Festungen an den Flüssen Save, Drau und der untere Donau, besetzt. Bereits die Einnahme Nandorfehervar (Belgrad) 1521 hatte ihm den strategischen Schlüssel zu Ungern geliefert. Daher konnte Süleyman auch Mohács, 1529 und 1532, verheerende Feldzüge durch Ungaren führen, in seinem vergeblichen Versuch Wien einzunehmen. Damit gelangte Süleymans Traum, Europa zu erobern, an einen toten Punkt. Der Kampf der beiden Kaiserreiche auf dem Rücken der Ungarn dauerte jedoch 150 Jahre.

Doppelte Königswahl

Nach dem Tod Ludwig II war der ungarisch-böhmische Zweig der Jagiellonen-Dynastie ausgestorben, womit sowohl der Beschluss des Landtags, keinen landfremden König mehr zu wählen, als auch der diesem Beschluss wiedersprechende Erbvertrag zwischen den Jagiellonen und den Habsburgern in Kraft trat (laut dieses Vertrags hätten die Habsburger die Königsmacht übernehmen sollen) . Nicht nur der mächtigste Baron des Landes, Johann Zapolya, der die Mehrheit des ungarischen Adels hinter sich wusste, sondern auch die nach der politischen Hegemonie über ganz Mitteleuropa strebenden Habsburger glaubten nun, dass der Weg zum ungarischen Königsthron frei sei. Eine einheitliche Stellungsnahme der Herrschenden Klassen Ungarns für den einen oder anderen Thronanwärter hätte das Zusammenfassen aller Kräfte gegen die Türken ermöglicht. Stattdessen suchten beide Parteien aus der augenblicklichen Lage für sich Nutzen zu ziehen und die Thronvakanz zu Festigung ihrer Macht zu nutzen.

Kaum waren die Türken wieder aus dem verwüsteten Lande abgezogen, ließ sich Johann Zapolya (1526-1540) von seinen Anhängern zum König krönen, worauf ein vom Palatin Istvan Bathory, dem Führer der Hofpartei, im Einvernehmen mit der Königinwitwe Maria von Habsburg ein Berufener gegen Landtag unter verhältnismäßig spärlicher Beteiligung Ferdinand von Habsburg (1526-1564) auf den Thron setzte. Daraufhin wandte sich Zapolya an den König von Frankreich, der jedoch selber mit den Habsburgern auf Tod und Leben kämpfte und daher keine wirksame Hilfe zu bieten vormochte. Ferdinands mit Fugger Geldern angewobenes Söldnerheer verdrängte Zapolya aus Ungarn. Von seinen Anhängern im Stich gelassenen, musste Zapolya schließlich zu seinem Schwager, dem König von Polen, fliehen. Dieser hütete sich, selber etwas gegen die Habsburger zu unternehmen. Hingegen fand Zapolya einen eifrigen Sachwalter in der Person des polnischen Aristokraten Hieronymus Laski, der ihm im        Einverständnis mit dem Französischen Gesandten am polnischen Hof riet, sich dem Schutze des Sultans anzuvertrauen. Süleyman II nahm sich auf Laskis Vermittlung der Sache Zapolyas an und zog 1529 mit einem Heer gegen Wien. Zwar gelang es ihm nicht die Residenzstadt Ferdinands zu erobern, doch konnte Zapolya unter dem Schntz der türkischen Armee wieder nach Ungarn heimkehren, dessen eingeschüchterte Bevölkerung ihm keinerlei Wiederstand entgegensetzte. Vom größten Teil seiner Anhänger verlassen, musste sich Ferdinand einstweilen mit der Herrschaft über die westlichen Komitate Ungarns begnügen.

Da sich die Kräfte der beiden um den Besitz Ungarns ringenden Großmächte lange Zeit hindurch die Waage hielten, wurde das Land zum dauerndem Kriegsschauplatz, zum ständigen Aufmarschgebiet der türkischen Truppen und der habsburgerischen Söldnerheere, die abwechselnd plündernd und brandschatzen kreuz und quer durch das schwer heimgesuchte Land zogen. Aus dem magnetischen Feld zwischen den beiden entgegensetzten Polen Wien und Konstantinopel vermochte sich Ungarn nicht mehr zu befreien, und seine Spaltung war damit auf lange Zeit besiegelt. Vom Gesichtspunkt Ungarns hieß dies nichts anderes, als dass das Land von Österreich als eine Pufferzone verwendet wurde. In Ungarn selbst wurde die Bestrebung nach der Vertreibung der Türken mit dem Freiheitskampf gegen die Habsburger verflochten.

Das Scheitern der Wiedervereinigungsversuche

Als die Anhänger Johann Zapolyas nach dessen Tode im Jahre 1540 seinen noch im Säuglingsalter stehenden Sohn Johann Sigismund (1540-1571 ) auf den Thron erhoben, sandte Ferdinand von Habsburg ein Söldnerheer zu Belagerung von Buda, worauf Süleyman 1541 dem Erben und Nachfolger seines Schützlings persönlich zur Hilfe eilte. Er vertrieb die Belagerung und besetzte Buda, das er mitsamt dem mittleren Teil Ungarns für sich behielt. Johann Sigismund überließ er gegen einen dem Sultan als Schutzherrn jährlich zurichtenden Tribut die östlich der Theiss gelegenen Teile des Landes. Die Aufteilung Ungarns in drei verschieden Machtbereiche war damit für anderthalb Jahrhunderte vollzogen. Das östliche Königreich der Zapolyas erstreckte sich zunächst immerhin noch auf nahezu die Hälfte des ursprünglichen Reichsgebietes. Dass Buda besetzt blieb, ließ jedoch selbst bei den größten Optimisten keinen Zweifel mehr darüber aufkommen, dass Süleyman entgegen seinem Versprechen einer Wiedervereinigung des Landes unter dem Zepter Johann Sigismund Zapolyas nicht nur keinen Vorschub leisten, sondern diese um jeden Preis verhindern wollte. Damit verlor Zapolya-Partei ihre moralische und politische Existenzberechtigung, und ihren Führern blieb nichts anderes übrig, als ihre Vergangenheit zu liquidieren und künftig gemeinsame Sache mit den Habsburgern zu machen.

Nunmehr unternahm es der Bischof von Nagyvarad, Georg Martinuzzi, die von der großen Mehrheit der herrschenden Klasse gebilligte und geforderte Wiedervereinigung Ungarns in die Tat umzusetzen. Als bedeutendster ungarischer Politiker seiner Zeit war er dazu wie kein zweiter geeignet. Am Hofe Johann Zapolyas war in dessen letzten Jahren Martinuzzi die einflussreichste Persönlichkeit gewesen. Zapolya hatte ihm auf seinem Sterbebett das Schicksal seiner Verwandten angetraut. Der ihm aufgetragenen Verpflichtung suchte Martiauzzi nach bestem Wissen und Gewissen nachzukommen, wobei er allerdings den Fehler beging, gegen die Buda belagernden habsburgischen Söldner Süleyman II zur Hilfe zu rufen, womit er ungewollt den Türken half, im Donaubecken Fuß zu fassen. Sein Lebensziel war fortan, diesen Fehler wieder gut zu machen. 1543 gelang es dem in eigener Person abermals vorrückenden Süleyman, eine Reihe ungarischer Festungen zu erobern und damit das türkische Hoheitsgebiet in Ungern zu erweitern.

Erst im Frühjahr 1551 traf die Vorhut die der vor fast 10 Jahren erwarteten Hilfsarmee Ferdinands in Siebenbürgen ein, die für eine Gesandtschaft zu groß und zum Kriegführen zu gering war. Jetzt zwang Martinuzzi Isabella (Königinwitwe), aller Rechte auf die Ungarische Königskrone im Namen ihres Sohnes zu entsagen und sich mit einer Entschädigung zufriedenzugeben. In der Hoffnung die von Ferdinand immer wieder in Aussicht gestellte wirksame Hilfe ließ sich Martinuzzi, um Zeit zu gewinnen, mit den Türken in Verhandlungen ein. Die versprochene Hilfe blieb jedoch aus. Durch die ihm hinterbrachten Gerüchte von verräterischen Absichten Martinuzzis und dessen geheimen Einverständnis mit den Türken beunruhigt, ließ Castaldo (Ferdinands Armeegeneral) im Glauben, man wollte ihm eine Falle stellen, den Martinuzzi ermorden.

Damit war den Türken ein Vorwand zur Beschleunigung ihres Rachefeldzuges gegeben. 1552 fielen zwei gewaltige Türkenheere zur Eroberung der ungarischen Burgen und Festungen ins Land ein. Im Verein mit den ungarischen Adelsaufgeboten stellten sich die habsburgischen Söldner den Türken nur ein einziges Mal in offener Schlacht entgegen, ohne nach ihrer Niederlage noch einen Versuch zum Entsatz der belagerten Festungen zu unternehmen, die der        Reihe nach kapitulierten. Nur vor der Burg Dregely stieß der Pascha von Buda auf Wiederstand. Anstatt sich zu ergeben kämpfte hier die Besatzung unter dem Der Burgkapitän György Szondy bis zum letzten Mann auf den Trümmern. Der Pascha von Buda traf sich mit seinen Verbündeten zur gemeinsamen Belagerung der Festung Eger, mit deren Fall auch Nordost Ungarn unter türkischer Herrschaft gelangt wäre. Die heroisch verteidigte Festung wies 38 Tage lang die türkischen Belagerer zurück, bis diese durch die Herbstwitterung zum Abzug gezwungen wurden. Aber auch dies vermochte nichts daran zu ändern, dass der Plan, Ungarn unter der Herrschaft der Habsburger wieder zu vereinen. für lange Zeit illusorisch geworden war.

Siebenbürgen

Wegen seiner relativen innenpolitischen Unabhängigkeit wurde Siebenbürgen während der langen Periode der türkischen Herrschaft zu einem wichtigen, jedoch nicht dem einzigen Zufluchtsort der Ungarischen Kultur.

Die politische Struktur Siebenbürgens war durch die Besonderheit der drei Stände der Szekler, der Siebenbürgener Sachsen und des ungarischen Adels sowie durch die Sonderstellung der von Siebenbürgener Sachsen und Ungarn bewohnten Städten gekennzeichnet. Die von Zeit zur Zeit einberufene Städteversammlung erwies sich, obgleich die Rechte der Stände von König Johann Sigismund bzw. Der Königsmutter Isabella, die anstelle ihres minderjährigen Sohnes regierte, nicht angetastet wurden, als williges Werkzeug der Herrschenden. Nach dem Tode der Königsmutter 1559 ergriff Istvan Báthory (siehe Ahnhang, Bild) der reichste Magnat der Gegend, anstatt des unerfahrenen Johann Sigismund die Regierungsgewalt. Sein politisches Ziel war es, die verbliebenen Reste der politischen Selbstständigkeit Ungarns durch Festigung der Stellung des Tributpflichtigen Ostungarn gegen die Expansionsbestrebungen der Habsburger und der Türken zu retten. Hierzu bedurfte es eines friedlichen Ausgleichs mit den Habsburgern - unter Anerkennung der Spaltung Ungarns. Seine Verhandlungen mit den Habsburgern zogen sich in die Länge, erst 1570 kam es zum Vertrag von Speyer. In diesem Vertrag verzichtete Johann

Sigismund auf den ungarischen Königstitel und begnügte sich mit der Würde eines Fürsten von Siebenbürgen. Zugleich erhielt er von den Habsburgern einige Teile Ungarns als Lehen. Das neue politische Gebilde Fürstentum Siebenbürgen vermocht seine ihm zugedachte politische, vor allem aber auch kulturelle Rolle in der Tat zu spielen, insbesondere auch, als nach dem Tod von Johann Sigismund 1571 Istvan Bathory 1571 - 1586 das Amt des Fürsten von Siebenbürgen übernahm.

Die Expansion des Türkenreichs

Der Sultan setzte seinen politischen Willen in Siebenbürgen seit etwa 1550 mit Waffengewalt durch. Er trat hier als Schiedsrichter zwischen dieser Provinz und König Ferdinand und zugleich als Beschützer des sich heranbildenden Fürstentums und seines jungen Fürsten Johann Sigismund auf. Inzwischen dauerte der Krieg um die Ausweitung der Eroberungen an: Städte, Dörfer und Bürgen fielen an die Türken.1566 unternahm Süleyman einen neuen, großangelegten Feldzug, den siebten und letzten seiner Herrschaft. Nach zwei Jahrzehnten Vergleichungsweise Ruhe als Folge der zwischen Maximilian und Selim II.1568 geschlossenen Friedensvertrages brach der Krieg 1593 wieder aus und dauerte 15 Jahre. Er wurde von Sultan Murat m (1574-1595) ausgelöst, jedoch ergriff der Kaiser und König Rudolf II. Die Gelegenheit der Kriegserklärung zu einem großangelegten Gegenangriff. Papst Clemens VIII. (1592-1605) gewehrte ihm finanzielle Unterstützung sowie Truppen; auch gelang es ihm, einen Heiligen Christlichen Liga aufzustellen. Der ungarische Rechtstaggenehmigte Sondersteuern um die Aushebung von Truppen. Es war ein bedeutendes Faktum, dass das bisher vorsichtige, aber immer mehr um die Befreiung von seinem Halb-Vasallentum bemühte. Siebenbürgen unter dem Fürsten Sigismund Bathory, sich der Heiligen Liga anschloss, des gleichen Aron und Stefan von Moldawien sowie der berühmte Mihail Viteazul aus der Walachei. Die Erfolge der christlichen Truppen geben neues Vertrauen. Sie gewannen mehrere Schlachten im Norden, schlugen den mächtigen Pascha von Buda, eroberten die erzbischöfliche Stadt Esztergom (Gran) sowie mehrere bedeutende Festungen an der Ostfront. Die Zurückeroberung von Györ (Raab) 1598 wurde wie ein großer Sieg gefeiert: Die "Pforte" Wien war für die Türken wieder geschlossen. Allerdings war die kaiserliche Armee nicht in der Lage, eine Reihe strategisch bedeutsamer Städte, wie Temesvar (Temeschwar) im Südosten, zurückzuerobern, andere wiederum wurden von den Türken zurückgewonnen. Zu dem Zeitpunkt war es noch unvorstellbar dass man die türken besiegen kann, obwohl Türken hatten schon 1571 die große Seeschlacht Lepanto verloren und neue Seereisen in Persien durchgemacht, wo es von Schah Abbas I.1603 bekriegt wurde. Der langsame türkische Niedergang hatte ohne Zweifel begonnen. Ungarn, seine Herzöge und große Heeren gingen also in das XVII. Jahrhundert nicht ohne günstige Aussichten. Dennoch setzten sich die Misshelligkeiten und Prüfungen fort.

Städte und Handel

Ein Grossteil der bedeutenderen Ungarischen Städte lag in den von den Türken besetzten Gebieten. Sie wandelten sich zu Militärstandorten und verloren ihre städtischen Funktionen. Die wenigen verbliebenen Kleinhandwerker und Gewerbetreibenden deckten lediglich die lokalen Bedürfnisse. Auch die Städte in dem habsburgischen Gebiet und in Siebenbürgen vermochten ihren Entwicklungsstand, den sie zu Ende XV. Jahrhunderts erreicht hatten, nicht mehr zu halten.

In dem Masse, wie sich die Gesellschaft in die Klasse der Adeligen und die der leibeigenen Bauern polarisierte und die Beziehungen erstarrten, verlangsamte sich der Vorgang der Verbürgerlichung. Die Verstädterung litt darunter sehr. Es gab zwar Bergwerksstädte im Norden und Nordosten, Städte des Handels und des Gewebes wie Pest und Buda sowie bischöfliche Städte, aber in geringerer Zahl und weniger urbanisiert als in Westeuropa. Insbesondere die von den Türken besetzte Grosse Tiefebene erlitt einen Rückschritt. Um 1700 gab es etwa zehn Städte mit 5000 Einwohnern, während man in Europa deren 800 zählte. Nur die noch nicht vereinten Städte Pest und Buda übertrafen zusammen 20 000, demgegenüber gab es im Westen 130 Städte dieser Größenordnung, und es gab keine einzige Metropole mit 200.000 Einwohnern und mehr.

Die Gründe hierfür waren die Türkenkriege, die veralteten Sozialstrukturen und die Verlagerung des Handels in Richtung des Atlantik. Außerdem hatte der Fluss der Industriegüter in den westlichen Ländern eine ungewöhnliche Wirkung auf die Wirtschaft der Agrarländer. In anderer Hinsicht profitierten diese armen Verwandten des neuen Wohlstandes als Lieferanten von begehrten Bergwerkprodukten und Lebensmitteln von der guten Konjunktur. Importierte Industrieprodukte wie zum Beispiel Textilien und Eisenwaren kosteten weniger, demgegenüber konnten im Osten die exportfähigen Eigentümer, insbesondere Agrarbauern und Viehhändler, auf den europäischen Märkte gute Preise erzielen. Das war einer der Gründe für die Entwicklung von blühenden Marktflecken. So war Ungarn im XVI. Jahrhundert, mitten im Krieg, der bedeutendste Exporteur von Fleisch, nämlich von 200 000 Rindern im Jahr. Auch Felle, Kupfer, wein und Korn wurde ausgeführt. Die Verschlechterung der Lage im folgenden Jahrhundert beendete diesen relativen Wohlstand, der den Abstand zwischen Ungarn und dem Handel und Gewerbe treibendem Europa ohnehin vergrößert hatte. Jedoch ermöglichte der Markt die Beibehaltung der wirtschaftlichen Einheit des unter drei Regierungen aufgeteilten Landes.

Wirtschaftliche und Gesellschaftliche Entwicklung

Es kann konstatiert werden, dass die Lasten und Folgen der Türkenkriege die wirtschaftliche Situation Ungarns erheblich verschlechterten. Es vergrößerte sich der Abstand zu Westeuropa, dessen Entwicklung sich durch die Entdeckung neuer Erdteile und die Ausbeutung der gewonnenen Kolonien dramatisch beschleunigt hatte. In Ungarn herrschte eine große Kapitalarmut; der Grundbesitzende Adel intensivierte die Eigenbewirtschaftung seiner Güter, was zu einer erheblichen Ausdehnung und Verstärkung der Leibeigenschaft für die Masse der ländlichen Bevölkerung führte.

Die einst blühenden Bergbaugebiete verloren an Bedeutung. Die Förderung und der Export von Buntmetallen war wegen der politisch-militärischen Unsicherheit in Ungarn und der starken ausländischen Konkurrenz stark rückläufig.

Das städtische Gewerbe erwies sich in Folge seiner Zunftorganisation und seiner rückständigen Technik als nicht konkurrenzfähig gegenüber den modernen ausländischen Manufakturen, was zu einem weiteren wirtschaftlichen Niedergang der Städte Ungarns führte. Damit verloren auch die Märkte in den freien Städten ihre Anziehungskraft.

In der Landwirtschaft kam es im XVI. Jahrhundert zu drei wichtigen Entwicklungen. Zum einen wurde der Ackerbau, vor allem in der von den Türken besetzten Großen Tiefebene weitgehend von einer extensiven Viehzucht abgelöst, weil der westeuropäische Markt nahezu unbeschränkte Absatzmöglichkeiten für Schlachtvieh bot und weil die Viehzucht angesichts der unsicheren Lage ein geringeres Risiko barg. Weiter wurde in einigen Landesteilen, so z. B. In der Gegend um Tokaj, ein hochintensiver Weinanbau betrieben, dessen Erzeugnisse ebenfalls zu einem großen Teil in den Export gingen. Und schließlich traten die Großgrundbesitzer in verstärktem Maße durch Umstellung auf Eigenbewirtschaftung ihrer Güter als Konkurrenten der Bauern auf und zwangen sie zugleich zu verstärkter Fronarbeit auf ihren Gütern. Besonders letzteres ist für den habsburgischen Teil Ungarns und Siebenbürgen typisch; hier blieben lediglich die freien Szekler und die sächsischen Bauern verschont. Im zentralen Teil Ungarns dagegen verlief die Entwicklung anders. Hier waren die adligen Grundherren und auch die Mehrzahl der städtischen Bürger von den Türken geflohen; auch viele Dörfer wurden von ihren Einwohnern verlassen. Sie ließen sich in den Marktflecken nieder und betrieben von dort aus ihre Landwirtschaft, meistenteils Viehzucht. Die Bauern wurden steuerpflichtige Untertanen des Sultans. Sie mussten ihre Steuern unmittelbar an das Schatzamt des Sultans abliefern oder aber adlige türkische Reiter, die Spahis, sofern sie in Dörfern lebten, die diese als befristete Lehen vom Sultan erhalten hatten. Die Abgabenlast hatte etwa die gleiche Höhe wie die früher an die Grundherren gezahlte; die Bauern mussten aber keine Fronarbeit leisten. Allerdings versuchte das habsburgische Ungarn bzw. Die dorthin geflüchteten Grundherren, auch von dort aus von den im türkischen Teil gelegenen Dörfern Abgaben zu erzwingen. Im Frieden von Adrianopel 1568 wurde sogar festgelegt, dass die von den Bauern erhobenen Steuern zu gleichen Teilen an den König von Ungarn und den türkischen Sultan zu verteilen seien.

Ein spezifisches "Kondominion"

Das Wort "Kondominium" wird oft im Zusammenhang mit der türkischen Okkupation benutzt, als die Leibeigenen der Besteuerung zweier Herren, des türkischen und des ungarischen, unterworfen waren. Über die eroberten, nicht mehr unter staatlicher ungarischer Autorität stehenden Länder regierten die Türken. Das Okkupationsregime ließ jedoch Raum für so manche Gutsherren und beseitigte nicht alle Sitten und Gewohnheiten. Der Steuerzahler- Bauer, Handwerker, Händler, Gutsbesitzer - sollte seinen Beruf fortsetzen und das Leben sollte weitergehen, -- und zwar bis zu dem Maß, dass die Städte und Marktorte ihre Gemeindeautonomie behielten. Die Rechtspflege lag bei den ungarischen Richtern, die in der ersten Zeit zusammen mit dem türkischen Kadi Recht sprachen, später waren die letzten nur im Rahmen der türkischen Verwaltung tätig. Die Priester übten ihren Dienst ohne Diskriminierung aus. Das erklärt, warum sich die Reformation unter der türkischen Herrschaft von den christlichen konfessionellen Spaltungen unabhängig ausbreitete, freier war als im katholischen Reich der Habsburger. Die türkische Regierung betrieb keine Bekehrung zum Islam, so dass es nur wenige Renegaten ungarischer Abstammung gab. Im Gegensatz zu einigen Balkanländern, wie z. B. Bosnien, gab es auch nur wenige bekehrte Bauern. Schließlich betrieb die Pforte auch keine Kolonisierungspolitik. Die ungarischen Gutsherren behielten die Rechte über ihre Leibeigenen, manchmal sogar in den von den Türken beherrschten Gemeinden, herauf bezieht sich der Begriff "Kondominium". Das Opfer die dieses Zustandes war natürlich die misera plebs contribuens, die den Türken, den Ungarn und manchmal auch dem Siebenbürgischen Gutsherren zahlte. Die türkische Staatssteuer war im Prinzip auf einen Gulden pro Heim festgelegt, jedoch waren die den Gutsherren geschuldeten Abgaben viel höher; auch wurden auf beiden Seiten der Grenze Razzien durchgeführt, um zusätzliche Steuern oder einfach Lösegeld einzutreiben und um zu plündern. Auf der ungarischen Seite erhoben außerdem Gutsbesitzer auch der Staat und die Kirche Abgaben, und zwar um die Soldaten der Militärbezirke zu bezahlen. Das besetzte Gebiet scheint in das Türkenreich nur sehr wenig integriert gewesen zu sein. Für Istanbul diente es als Terrain für militärische Operationen und als Land für Plünderungen.

Die politische Entwicklung

Die politische Entwicklung in dem dreigeteilten Ungarn wurde in den letzten Jahren des XVI. und über weite Perioden des XVII. Jahrhunderts bestimmt durch die von verschiedenen Seiten ausgehenden Versuche, unter Ausnutzung politisch-militärischer Schwächen der jeweils anderen Seite Ungarn wiederzuvereinigen. Diese Versuche trugen zudem den Charakter religiöser Auseinandersetzungen zwischen Reformation und Gegenreformation. In Siebenbürgen war es Istvan Báthory in den 1 570er Jahren gelungen, die Verhältnisse zu konsolidieren. Er konnte, obwohl tributpflichtig, eine türkische Einmischung in die inneren Angelegenheiten Siebenbürgens verhindern, und ihm - und nicht seinem habsburgischen Rivalen Maximilian wurde nach dem Aussterben der Jagiellonen die polnische Königskrone zugesprochen. Im habsburgischen Königreich selbst hatte sich die innere Krise zwischenzeitlich verschärft. Unter Rudolf I (1576-1608) trat der Machtkampf der mehrheitlich protestantischen österreichischen, böhmischen und ungarischen Stände gegen die katholische Dynastie als Glaubenskampf in Erscheinung. Gleichzeitig allerdings standen immer Aristokraten, die durch den Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu Reichtum gekommen waren, auf der Seite der habsburgischen Zentralregierung. Die erneuten türkischen Angriffe zwangen den Habsburger in 1591 den fünfzehnjährigen Krieg auf, zu dem sie die ungarischen Stände schon lange gedrängt hatten. Allerdings verfügten die hochverschuldeten Habsburger nicht mehr über ausreichende Ressourcen, um den Türken mit einer schlagkräftigen Streitkraft entgegenzutreten. Statt diese wurden von Jahr zu Jahr neue Söldnerheere aufgestellt. Die anfänglich erzielten Erfolge resultierten allein aus dem Umstand, dass auch das türkische Heer viel von seiner früheren Schlagkraft verloren hatte. Eine wesentliche Unterstützung bedeutete für die Habsburger der Anschluss Siebenbürgens. Istvan Bocskai, der Ratgeber des siebenbürgischen Fürsten, erhoffte von dem Bündnis mit den Habsburgern, dass Siebenbürgen im Falle eines Sieges ein Mitbestimmungsrecht bei der künftigen Gestaltung des von den Türken befreiten Ungarns erhalten würde. In den kriegerischen Auseinandersetzungen vermochte aber keine Partei die Oberhand zu gewinnen. Im Jahre 1598 übergab der siebenbürgische Fürst Sigismund Bathory gegen den Wiederstand des siebenbürgischen Adels Siebenbürgen an Rudolf I., um sich der Verantwortung für den Krieg, der einen ungünstigen Verlauf nahm, zu entledigen. Es kam in Siebenbürgen zu blutigen inneren Kämpfen und einer jahrelangen Schreckensherrschaft der habsburgischen Söldnertruppen. Zugleich erfuhr der grundbesitzende Adel in ungarischen Königreich der Habsburger wegen der Zerstörung des Landes, der Aussichtlosigkeit des Türkenkrieges und der Nichtberücksichtigung bei den Aufträgen für die Lieferung von Kriegsmaterialien eine tief Enttäuschung. Die Führung der ungarischen Wiederstandsbewegung gegen die Habsburger übernahm Istvan Bocskai, der früher zwar das Bündnis mit Habsburgern in die Wege geleitet, sich aber inzwischen enttäuscht zurückgezogen hatte. In den Kämpfen gegen die Habsburger stützte sich Bocskai vor allem auf die Hajducken. Es gelang Bocskai, die habsburgischen Truppen aus Siebenbürgen und anderen Teilen Ungarns zu vertreiben. 1605 wurde er zum Fürsten von Siebenbürgen gewählt. Auf dem Höhepunkt des Erfolges sollten sich aber die Gegensätze zwischen dem siebenbürgischen und ungarischen Adel wieder zu spitzen. Während der Siebenbürgische Adel ein ungarischen Königreich unter türkischem Patronat anstrebte, wollten die adligen Großgrundbesitzer des habsburgischen ungarischen Königreiches einen Vergleich mit den Habsburgern, der ihnen die freie Ausübung des protestantischen Glaubens und die ständische Selbstverwaltung gewährleisten sollte. Einig war man sich nur dass man die Hajducken und die Bauern, die sich ihnen angeschlossen hatten, so schnell wie möglich entwaffnen müsse, damit sich der Aufstand nicht zu einem antifeudalen Bauerkrieg weiterentwickle.

In den Friedensverhandlungen mit den Habsburgern wurde 1606 im Wiener Frieden eine Kompromisslösung gefunden. Diese beließ dem Fürstentum Siebenbürgen seine Selbstständigkeit, verbürgte der Bevölkerung in den unter Habsburger Herrschaft zurückgekehrten Gebieten Glaubensfreiheit und sicherte den Ständen ihre Selbstverwaltungsrechte zu. Das Hajducken-Problem wurde dadurch gelöst, dass diesen als freien Bauernsoldaten land zugeteilt wurde und sie für ihre geleisteten militärischen Dienste von Leibeigenenabgaben befreit wurden. In gleichen Jahr schloss Habsburg auch den Frieden von Zsitvatorok mit den Türken ab, der dem verwüsteten Ungarn für längere Zeit eine Atempause verschaffte. Man fragt sich an dieser Stelle, welche Interessen die ungarischen Stände eigentlich vertreten haben. Es waren eindeutig und immer wieder nur die eigenen Partikularinteressen konkret ausgedrückt: selbst keine Steuern zu zahlen-, die von ihnen auf Kosten des Landes und seiner übrigen Bewohner durchgesetzt wurden. Sie haben sich damit zugleich mit aller Macht gegen die Gewehrleistung der Sicherheit Ungarns und auch der Modernisierung des Landes durch den Staatsverband mit den westlich von Ungarn gelegenen Ländern des Habsburgerreichs gestellt. Erst in einer längerfristigen Entwicklung wurde dieser Machtdualismus zwischen den Standen und der Krone zugunsten der Krone und im Sinne des Absolutismus entschieden, der als eine notwendige Voraussetzung für die daran anschließende Bildung eines Nationalstaats betrachtet werden kann.

Nur kurze Zeit später, nach der Krönung des Habsburgers Matthias IL zum deutschen Kaiser 1612, versuchte dieser erneut, die Interessen der Krone durchzusetzen Hierzu machte er sogar den Versuch, Siebenbürgen;, das sich als die Basis des ständischen Widerstandes gegen die Modernisierungsversuche Habsburgs erwiesen hatte, von sich abhängig zu machen. Allerdings scheiterte der Versuch, eine Verschwörung gegen den siebenbürgischen Fürsten anzuzetteln. Siebenburgen hatte sich unter der Herrschaft seines Fürsten Gabor Bethlen (1613-1629) wirtschaftlich und politisch konsolidiert. Er hatte sich eine unter den freien Bauern rekrutierte, von den Ständen unabhängige Streitmacht geschaffen und verfolgte insbesondere im Partium eine Politik zum Schutze der Bauern vor den Übergriffen der dortigen Großgrundbesitzer. Im Dreißigjährigen Krieg mit seinem vielseitigen Geflecht an Konflikten spitzte sieh auch derjenige zwischen den Habsburgern und Siebenbürgen weiter zu. Bethlen ergriff die Chance, die Situation durch Solidarisierung mit den böhmischen Standen und dem deutschen Protestantismus zur Verfolgung seines eigenen politischen Zieles auszunutzen, in der Auseinandersetzung zwischen den Ständen und der Krone eine größere Selbständigkeit gegenüber Wien zu erringen. Er unternahm 1619 einen Feldzug zur Unterstützung der böhmischen Aufständischen und stand im Herbst des Jahres bereits vor Wien. Er musste aber die Belagerung aufgeben, weil die ungarischen Anhänger der Habsburger ihm in den Rücken fielen.

Der Sieg der Habsburger über die böhmischen Aufständischen in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag 1620 und die Einführung eines absolutistischen Regimes brachen den Widerstand der böhmischen und österreichischen Stände.

Dem ungarischen Königreich blieb dieses Schicksal zwar erspart, es zeigten sich aber doch gravierende Folgen: Der ungarische Adel wurde aus dem Kreis der am Wiener Hof tonangebenden Aristokratie weitgehend ausgeschlossen, und eine Wiedervereinigung Ungarns unter siebenbürgischer Führung erwies sich als Illusion. Das siebenbürgische Fürstentum war zwar noch stark genug, die ständische Opposition im ungarischen Königreich wach zuhalten, es konnte aber nicht mehr das ehemalige Königreich des König Matyas mit der in seiner Person vereinigten Machthülle zu neuem Leben erwecken.

Da sich auch der Sultan gegen eine Vereinigung der beiden Teile Ungarns stellte, war es für Bethlen aussichtslos, sein ursprüngliches politisches Ziel zu erreichen. Er wies die ihm angetragene ungarische Königskrone zurück und erneuerte statt dessen 1622 den Wiener Frieden, wobei ihm noch weitere sieben Komitate Ungarns übertragen wurden. Seine politischen Hoffnungen setzte Bethlen auf eine Koalition der antihabsburgischen Kräfte m Westeuropa. Deren Erstarken veranlasste Bethlen zweimal, einen Kriegszug gegen die Habsburger zu starten. Beide Kriegszüge (1623, 1626) endeten im wesentlichen aber ergebnislos und führten lediglich zur Bestätigung der Bestimmungen des früheren Wiener Friedens.

Dennoch war es Bethlen gelungen, ein starkes und entwickeltes autonomes Fürstentum Siebenbürgen zu schaffen, das europaweite Anerkennung fand. Bethlens Nachfolger als Fürst von Siebenbürgen, György I. Rakoczi (16301648), einer der reichsten protestantischen Magnaten Ungarns, setzte zwar, was die Unabhängigkeit Siebenbürgens gegenüber Habsburg betraf, die frühere Politik fort und verteidigte das Land gegen die habsburgischen Angriffe. In der Bauernpolitik aber verstand er sich als Feudalherr, der bestrebt war, seine Machtposition gegenüber der Bauernschaft durch weitere Ausdehnung seines Großgrundbesitzes zu stützen. Im Vordergrund seines politischen und militärischen Aktivitäten stand daher das Bemühen, seine vor allem im Königreich Ungarn gelegenen Familiengüter zu sichern und zu vergrößern.

Sein Sohn, Fürst György II Rakoczi (1648-1660) beabsichtigte, seine antihabsburgische Politik auf eine breitere, die Stärke und Bedeutung Siebenbürgens maßlos überschätzende außenpolitische Basis zu stellen, indem er versuchte, die polnische Königskrone zu erlangen. Sein militärischer Eroberungsversuch aber endete 1657 mit einer Niederlage, die Siebenbürgen derart schwächte, dass es dem türkischen Angriff 1660 nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Damit war das Fürstentum Siebenbürgen zusammengebrochen, es verkam zu einem türkischen Vasallenstaat.

Die Rückeroberung von Buda

Die Internationale Lage und der Niedergang der Macht des osmanischen Reiches begünstigte die Vertreibung der Türken aus Ungarn. "Die Heilige Liga" gegen die Türken nahm die Kriegsaktionen au£ Als deren Ergebnis wurde im Jahre 1686 Buda, dann gegen Ende des Jahrhunderts ganz Ungarn befreit, und im Land ging der anderthalb Jahrhunderte andauernde Türkenherrschaft zu Ende.

Im Jahre 1683 warf sich der Sultan, über Ungarn kommend auf Wien. Der türkische Angriff war vorausgesehen, alle Meldungen von Diplomaten und Spionen hatten die Vorbereitungen angekündigt. Kaiser Leopold musste sich dem Angriff stellen. Die berühmteste Entscheidungsschlacht am Kahlenberg fand am 12 September 1683 statt. Die Entlastungsarmee und die schwere Kavallerie ging in den Angriff über. Die Belagerten brachen ihrerseits aus und nahmen die Türken in die Zange.

Das war ein großer Sieg, gefolgt von de Rückeroberung Zahlreicher Städte und Burgen Ungarns, doch der Pascha von Buda hielt die Stadt noch drei Jahre lang. Angeregt vom Papst Innozenz XI. Entstand eine neue Heilige Liga zu Finanzierung des Krieges, der jährlich zehn Millionen Gulden kostete. 1686 brach eine alliierte Armee nach Buda auf.

Die Belagerung begann im Juni. Der alte Pascha von Buda, Abdi Abdurrahman, war mit 10 000 Mann, 400 Kanonen, Munition und Versorgung gut vorbereitet. Die Belagerung dauerte 78 Tage und nahm ein apokalyptisches Ende. Durch die Explosion von 800 Tonnen Schießpulver unter den Wellen neigte sich die Waagschale zugunsten der Christen, doch der Pascha stopfte die Löcher und Leistete Wiederstand bis zu seinem Tod in der Schlacht. Die Kaiserlichen siegten, Buda war am 2. September frei. Unter den Türken gab es 4 000 Tote und 6 000 Gefangene. Dei Grausamkeit der siegreichen Soldaten stand der Türken und Tataren um nichts nach: Außer den üblichen Plünderungen kam es auch zu einem schrecklichen Gemetzel, wie zuvor während dieses ganzen Krieges. Etwa 500 Juden, die Hälfte der Gemeinde, wurden massakriert. Die türkischen Gefangenen wurden gefoltert und getötet, ihre Haut getrocknet und Apothekern in Deutschland verkauft: Das so gewonnene Pulver war ein gefragtes Medikament. Das Christentum feierte die symbolhafte Befreiung Budas, der Krieg war aber noch nicht zu Ende. Zwei Jahrzehnte Land musste jede Stadt und jede Burg einzeln zurückerobert werden, bis die Türken das Land verließen und 1699 den Frieden von Karloca ( Karlowitz/Sremski Karlovci ) unterzeichneten.

Das demographische Defizit

Ungarns Landkarte war nach seiner Wiedereroberung durch die Habsburger nahezu dieselbe wie vor der Türkeninvasion. Die demographische Bilanz dieser zweier Jahrhunderte von Verwüstungen ist jedoch umstritten. Der Mehrheit der Historiker zufolge soll die Entvölkerung nach gerade katastrophal gewesen sein und einen reinen Verlust von einer Million Menschen betragen haben. Dennoch gelangen einige Schätzungen auf einen ausgeglichenen Saldo: Am Ende des XV. Jahrhunderts soll es 3,5 bis 4 Millionen Einwohner gegeben haben und genauso viel am Ende des XVII. Der Verlust soll durch Einwanderungen ausgeglichen worden sein. Das ist zwar weit von einer Bestätigung entfernt, jedoch bleibt das Defizit trotz dieser enorm, zumal wenn wir bedenken, dass es sich um eine Periode sehr starken demographischen Wachstums handelte. Übrigens war eine ständig drangsalierte und notleidende Bevölkerung, außer durch Krieg, Epidemien und Pest, wahrscheinlich auch durch die Folgen der im XVI. Jahrhundert beginnenden "kleinen Eiszeit" mehr betroffen als andere Länder. Wie dem auch sei, Ungarn verließ die lange Zeit von Schicksalsschlägen geschwächt. Mindestens ein Teil der Verluste wurde zwar kompensiert, jedoch durch eine weitgehende Veränderung der ethnischen Zusammensetzung des Landes. Die Türken haben in den von ihnen besetzten Gebieten Serben angesiedelt. Was die zwei anderen Teile des betrifft, so ist es mangels brauchbarer demographischer Daten schwer, die Effekte spontaner Einwanderung während der Kriege von der späteren Kolonisierungen zu unterscheiden, die von Wien zu Auffüllung entvölkerter Gebiete vorgenommen wurden. Auf jeden Fall sind zahlreiche Einwanderer verschiedener Ethnien, Slawen, Rumänen und andere auf der suche nach sichereren und günstigeren Gebieten, wie Siebenbürgen und Transdanubien, gekommen. Ungarn war schon immer ein Land der Immigration und nahm mehrere Wellen von Migranten und Flüchtlingen auf, jedoch verursachte ihre Assimilation keine oder kaum Probleme.

Epilog

Die internationale Lage und der Niedergang der Macht des Osmanischen Reiches begünstigte die Vertreibung der Türken aus Ungarn. "Die heilige Liga" gegen die Türken nahm die Kriegesaktionen auf. Als deren Ergebnis wurde im 1686 Buda, dann gegen Ende des Jahrhunderts ganz Ungarn befreit, und im Land ging die anderthalb Jahrhunderte andauernde Türkenherrschaft zu Ende.

Was waren nun die entscheidenden, auch die spätere Entwicklung Ungarns stark beeinflussenden Folgen der über anderthalb Jahrhunderte dauernden Türkenzeit? Zunächst bleibt festzuhalten, dass Ungarn in weiten Teilen verwüstet wurde, allerdings nicht sosehr durch die türkische Besetzung als solche, sondern vielmehr durch die dauernden, mit wechselnden Erfolgen endenden Kampfhandlungen, die auf seinem Territorium ausgefochten wurden. Besonders der Befreiungskrieg richtete umfangreiche Verwüstungen an. Die Türken selbst haben in dem von ihnen besetzten zentrale Teil Ungarns nur wenige Spuren, wie einige Minarette und Bäder, hinterlassen. Es war auch nicht ihre Absicht, die politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Strukturen entscheidend zu verändern. Sie begnügten sich mit den Steuereinnahmen und betrieben hierzu einen Raubbau an den wirtschaftlichen Ressourcen, ließen aber im übrigen das Land in Ruhe. Die Kampfhandlungen führten ebenso wie häufig grassierende Seuchen zu einer Stagnation, wenn nicht gar zu einem Rückgang der Bevölkerungszahl. Im Gegensatz zu den anderen europäischen Ländern, in denen in dieser Periode die Bevölkerungszahl erheblich angestiegen ist, hatte Ungarn am Anfang des 18. Jahrhunderts mit ca. 4 Millionen Einwohnern lediglich die Zahl des Spätmittelalters wieder erreicht. Die Bevölkerung war wegen der im besetzten Gebiet herrschenden Unsicherheit zu einem großen Teil aus den Dörfern entweder in den habsburgischen Teil Ungarns oder in wenige größere Marktflecken, in denen eine größere Sicherheit herrschte, geflüchtet. Dadurch wurden vor allem im Alföld, der Großen Ungarischen Tiefebene, viele Dörfer aufgelassen. Das dichte mittelalterliche Dorfnetz war völlig zerstört, landwirtschaftlich genutzte Flächen wurden zu Sümpfen und Öden. Als Folge der Bevölkerungsbewegungen wurde ein Prozess der Umgestaltung des Siedlungsnetzes in Gang gesetzt, der sich in der Folgezeit noch intensivierte. Die nach dem Ende der Türkenzeit einsetzenden Migrationen innerhalb Ungarns und die Ansiedlung aus Deutschland stammender Siedler schufen eine völlig neue ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung Ungarns.

Quellen:

Holger Fischer unter Mitarbeit von Konrad Gündisch, 1999 : „Eine kleine Geschichte Ungarns“

Balazs Varkoyi, Katalin Liebmann, 1993: „Ungarn. Eine kleine politische Landeskunde“

I. Barata, I. T. Berend, P. Hanak, M. Lacko, L. Makki, Zs. L. Nagy und Gy. Ranki, 1971: „Die Geschichte Ungarns“

Beatrix Hanak, Lazlo Szilas, 1980: „Begegnung mit Ungarn“

Miklos Molnar, 1996: „Geschichte Ungarns“

 

  Zeittafel:

 

1526

Süleyman I. Der Prächtige, vernichtet die ungarische Armee bei Mohács. Zwei rivalisierende Könige teilen sich Ungarn, János (Johann) Zapolya und Ferdinand I. von Habsburg

1541

Der Sultan besetzt Buda, die Türken richten sich in der Mitte des Landes ein. Die Teilung Ungarns in drei Teile, in den türkischen, in den Siebenbürgen und den westlichen Teil unter den Habsburgern dauert bis zum Ende des XVII. Jahrhunderts. Die Reformation erfasst Ungarn und trägt zum Aufschwung der Literatur genauso bei wie die Gegenreformation. Siebenbürgen unter türkischer Kotrolle wird ein halbunabhängiges Fürstentum

1568

Der Landtag von Torda verkündet die Religionsfreiheit

1571

Istvan (Stephan) Bathori, zukünftiger König von Polen wird zum Fürst von Siebenbürgen gewählt

1604 - 1606

Aufstand von Istvan Bocskai gegen die Habsburger

1613 - 1629

Das goldene Zeitalter in Siebenbürgen unter Fürst Gabor Bethlen. Krieg gegen die Habsburger

1657 - 1705

Leopold I., König von Ungarn und Kaiser, führt den habsburgischen Absolutismus in Ungarn ein

1686

Befreiung von Buda, Rückzug der Türken

1687

Siebenbürgen fällt unter die Herrschaft von Wien.

1689

Beginn der Massenansiedlung von Deutschen in Ungarns entvölkerten Regionen

1699

Friedensvertrag mit dem Türkenreich, Ende von Okkupation.

 

IX /02/Voigt

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Bearbeitungsstand: 01.05.2008