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Einführung: Die
Schlacht von Mohács
Der Anfang der türkischen
Herrschaft
Weitere Eroberungen
der Türken
Das Scheitern der
Wiedervereinigungsversuche
Siebenbürgen
Die Expansion des
Türkenreichs
Städte und Handel
Wirtschaftliche und
Gesellschaftliche Entwicklung
Ein spezifisches
"Kondominium"
Die politische
Entwicklung
Die Rückeroberung
von Buda
Das demographische
Defizit
Epilog
Quellen
Zeittafel
Einführung: Die Schlacht von Mohács
Nach
dem Tod von Vladislav II kam sein 10 Jahre alter Sohn Ludwig II auf den
Tschechischen und Ungarischen Thron. Unter vielen Umständen hatte er bis zu
seiner Volljährigkeit im Jahr 1521 nicht viel zu sagen. Im Gegensatz zu seinem
Vater unternahm er einige Schritte, um aus der finanziellen Misere
herauszukommen, und die Südgrenzen zu verteidigen. Er hatte keinen Erfolg: 1521
fielen zwei strategisch wichtige Festungsstädte, Szabacs an der Save und
Nandorfehervar. Der junge König stellte fest, dass Ungarn auf dem Land- wie auf
dem Flussweg dem Eindringling offen stand. Die Verteidigung wurde angesichts
des 1526 drohenden Angriffes der Armee von Süleyman dem Prächtigen dennoch
vorbereitet. Die Ungarische Armee bestand aus 25 000 Mann, die Türkische Armee
dagegen war doppelt so groß. Nach mehreren vorangehenden Scharmützeln fand die
entscheidende Schlacht bei Mohács, unweit der Donau und den Grenzen des
heutigen, verkleinerten Ungarns, statt.
Es war
der 29 August 1526. Trotz anfänglichen Erfolgs der Ungarischen Armee
begünstigte das Kriegsglück die Türkische Armee. Die Schlacht war nach wenigen
Stunden zu Ende, mit Verlusten von über 10 000 Männer auf der Ungarischen
Seite. Auch König Ludwig II starb, er ertrank in einem Flüsschen.
Die
Schlacht von Mohács geht in die nationale Geschichte als die größte Tragödie
Ungarns ein. Dies war die größte Katastrophe in der Geschichte Ungarns nicht so
sehr wegen der militärischen Niederlage als vielmehr wegen des
Heraufbeschwörens und schlagartigen Auslösens verschiedener Faktoren, die ohne
den entscheidenden Sieg der Türken vielleicht erst später und einzeln
aufgetreten wären. In ihrer Folge wurde Ungarn für 150 Jahre in drei Teile
geteilt. In der Mitte, in der großen Tiefebene, in einem Teil Transdanubiens
und in der Hauptstadt Buda richtete sich das Türkenreich ein.
Der
Anfang der türkischen Herrschaft
Von
Mohács begab sich Süleyman nach Buda, verließ dann die Hauptstadt und im
Oktober Ungarn, halt jedoch die strategisch bedeutsamen Festungen im Süden fest
im Griff. Buda - eine leere, verlassene, tote Stadt
- ergab sich ihm ohne Widersand.
Außerdem nahmen sie den südlichen und mittleren Teil des Landes in Besitz, im
Osten entstand das Fürstentum Siebenbürgen, während die nördlichen und
westlichen Gebiete sowie Kroatien und Slawonien zum unter Habsburger
Vorherrschaft stehenden "königlichen Ungarn" gehörten. Der Sieger von
Mohács, Süleyman I, der Prächtige (1520-1566), nutzte seinen Sieg nicht sofort
aus. Während seiner langen Herrschaftszeit weitete er sein Imperium im Orient,
in Algerien, und Tripolitanien aus. Auch als Gesetzgeber war er bedeutsam.
Seine herrschaftlichen Ambitionen richteten sich nicht nur gegen Ungarn,
sondern auch gegen Polen und Österreich mit dem Ziel, Europa zu erobern. Er
führte seine Kriege jedoch zeitlich und räumlich verteilt, nach flexiblen
politischen Plänen. Seine Nachfolger Selim II. (1566-1574) und Murat III.
(1574-1595)
verfolgten den gleichen Weg.
Der
mittlere Teil Ungarns gehörte zum Osmanischen Reich. Buda wurde zum Zentrum der
türkischen Verwaltung. Die Türken belegten die christlichen Untertanen in
diesem Gebiet mit einer Kopfsteuer. In diesen Steuereinnahmen ist auch der
Grund dafür zu sehen, dass die Türken keine gewaltsame Konversion betrieben.
Die Eroberer bildeten eine dünne Oberschicht, die weder selbst in Ungarn
heimisch wurde noch Versuche unternahm, die gesellschaftlichen Strukturen des
besetzten Gebietes grundlegend umzugestalten. Diese Tatsache und die
Beibehaltung des juristischen Anspruches des königlichen Ungarn auf das Gebiet
haben zu der auch in vielen zeitgenössischen Quellen belegten Auffassung
geführt, dass Ungarn weiterhin als eine politische Einheit angesehen wurde,
auch wenn ein wesentlicher Teil von den Osmanen militärisch besetzt war.
Trotz
des Rückzuges des Sultans von Buda im Jahre 1526 war die Hoffnung auf eine
Vereinigung unter dem Zepter der rivalisierenden zwei Könige jedenfalls
illusorisch. Zwar verließ Süleyman 9das Land, halt jedoch die Zugangswege, die
Festungen an den Flüssen Save, Drau und der untere Donau, besetzt. Bereits die
Einnahme Nandorfehervar (Belgrad) 1521 hatte ihm den strategischen Schlüssel zu
Ungern geliefert. Daher konnte Süleyman auch Mohács, 1529 und 1532, verheerende
Feldzüge durch Ungaren führen, in seinem vergeblichen Versuch Wien einzunehmen.
Damit gelangte Süleymans Traum, Europa zu erobern, an einen toten Punkt. Der
Kampf der beiden Kaiserreiche auf dem Rücken der Ungarn dauerte jedoch 150
Jahre.
Doppelte Königswahl
Nach
dem Tod Ludwig II war der ungarisch-böhmische Zweig der Jagiellonen-Dynastie
ausgestorben, womit sowohl der Beschluss des Landtags, keinen landfremden König
mehr zu wählen, als auch der diesem Beschluss wiedersprechende Erbvertrag
zwischen den Jagiellonen und den Habsburgern in Kraft trat (laut dieses
Vertrags hätten die Habsburger die Königsmacht übernehmen sollen) . Nicht nur
der mächtigste Baron des Landes, Johann Zapolya, der die Mehrheit des
ungarischen Adels hinter sich wusste, sondern auch die nach der politischen
Hegemonie über ganz Mitteleuropa strebenden Habsburger glaubten nun, dass der
Weg zum ungarischen Königsthron frei sei. Eine einheitliche Stellungsnahme der
Herrschenden Klassen Ungarns für den einen oder anderen Thronanwärter hätte das
Zusammenfassen aller Kräfte gegen die Türken ermöglicht. Stattdessen suchten
beide Parteien aus der augenblicklichen Lage für sich Nutzen zu ziehen und die
Thronvakanz zu Festigung ihrer Macht zu nutzen.
Kaum
waren die Türken wieder aus dem verwüsteten Lande abgezogen, ließ sich Johann
Zapolya (1526-1540) von seinen Anhängern zum König krönen, worauf ein vom
Palatin Istvan Bathory, dem Führer der Hofpartei, im Einvernehmen mit der
Königinwitwe Maria von Habsburg ein Berufener gegen Landtag unter
verhältnismäßig spärlicher Beteiligung Ferdinand von Habsburg (1526-1564) auf
den Thron setzte. Daraufhin wandte sich Zapolya an den König von Frankreich,
der jedoch selber mit den Habsburgern auf Tod und Leben kämpfte und daher keine
wirksame Hilfe zu bieten vormochte. Ferdinands mit Fugger Geldern angewobenes
Söldnerheer verdrängte Zapolya aus Ungarn. Von seinen Anhängern im Stich
gelassenen, musste Zapolya schließlich zu seinem Schwager, dem König von Polen,
fliehen. Dieser hütete sich, selber etwas gegen die Habsburger zu unternehmen.
Hingegen fand Zapolya einen eifrigen Sachwalter in der Person des polnischen
Aristokraten Hieronymus Laski, der ihm im Einverständnis mit dem Französischen Gesandten am
polnischen Hof riet, sich dem Schutze des Sultans anzuvertrauen. Süleyman II
nahm sich auf Laskis Vermittlung der Sache Zapolyas an und zog 1529 mit einem
Heer gegen Wien. Zwar gelang es ihm nicht die Residenzstadt Ferdinands zu
erobern, doch konnte Zapolya unter dem Schntz der türkischen Armee wieder nach
Ungarn heimkehren, dessen eingeschüchterte Bevölkerung ihm keinerlei
Wiederstand entgegensetzte. Vom größten Teil seiner Anhänger verlassen, musste
sich Ferdinand einstweilen mit der Herrschaft über die westlichen Komitate
Ungarns begnügen.
Da
sich die Kräfte der beiden um den Besitz Ungarns ringenden Großmächte lange
Zeit hindurch die Waage hielten, wurde das Land zum dauerndem Kriegsschauplatz,
zum ständigen Aufmarschgebiet der türkischen Truppen und der habsburgerischen
Söldnerheere, die abwechselnd plündernd und brandschatzen kreuz und quer durch
das schwer heimgesuchte Land zogen. Aus dem magnetischen Feld zwischen den
beiden entgegensetzten Polen Wien und Konstantinopel vermochte sich Ungarn
nicht mehr zu befreien, und seine Spaltung war damit auf lange Zeit besiegelt.
Vom Gesichtspunkt Ungarns hieß dies nichts anderes, als dass das Land von Österreich
als eine Pufferzone verwendet wurde. In Ungarn selbst wurde die Bestrebung nach
der Vertreibung der Türken mit dem Freiheitskampf gegen die Habsburger
verflochten.
Als
die Anhänger Johann Zapolyas nach dessen Tode im Jahre 1540 seinen noch im
Säuglingsalter stehenden Sohn Johann Sigismund (1540-1571 ) auf den Thron
erhoben, sandte Ferdinand von Habsburg ein Söldnerheer zu Belagerung von Buda,
worauf Süleyman 1541 dem Erben und Nachfolger seines Schützlings persönlich zur
Hilfe eilte. Er vertrieb die Belagerung und besetzte Buda, das er mitsamt dem
mittleren Teil Ungarns für sich behielt. Johann Sigismund überließ er gegen
einen dem Sultan als Schutzherrn jährlich zurichtenden Tribut die östlich der Theiss
gelegenen Teile des Landes. Die Aufteilung Ungarns in drei verschieden
Machtbereiche war damit für anderthalb Jahrhunderte vollzogen. Das östliche
Königreich der Zapolyas erstreckte sich zunächst immerhin noch auf nahezu die
Hälfte des ursprünglichen Reichsgebietes. Dass Buda besetzt blieb, ließ jedoch
selbst bei den größten Optimisten keinen Zweifel mehr darüber aufkommen, dass
Süleyman entgegen seinem Versprechen einer Wiedervereinigung des Landes unter
dem Zepter Johann Sigismund Zapolyas nicht nur keinen Vorschub leisten, sondern
diese um jeden Preis verhindern wollte. Damit verlor Zapolya-Partei ihre
moralische und politische Existenzberechtigung, und ihren Führern blieb nichts
anderes übrig, als ihre Vergangenheit zu liquidieren und künftig gemeinsame
Sache mit den Habsburgern zu machen.
Nunmehr
unternahm es der Bischof von Nagyvarad, Georg Martinuzzi, die von der großen
Mehrheit der herrschenden Klasse gebilligte und geforderte Wiedervereinigung
Ungarns in die Tat umzusetzen. Als bedeutendster ungarischer Politiker seiner
Zeit war er dazu wie kein zweiter geeignet. Am Hofe Johann Zapolyas war in
dessen letzten Jahren Martinuzzi die einflussreichste Persönlichkeit gewesen.
Zapolya hatte ihm auf seinem Sterbebett das Schicksal seiner Verwandten angetraut.
Der ihm aufgetragenen Verpflichtung suchte Martiauzzi nach bestem Wissen und
Gewissen nachzukommen, wobei er allerdings den Fehler beging, gegen die Buda
belagernden habsburgischen Söldner Süleyman II zur Hilfe zu rufen, womit er
ungewollt den Türken half, im Donaubecken Fuß zu fassen. Sein Lebensziel war
fortan, diesen Fehler wieder gut zu machen. 1543 gelang es dem in eigener
Person abermals vorrückenden Süleyman, eine Reihe ungarischer Festungen zu
erobern und damit das türkische Hoheitsgebiet in Ungern zu erweitern.
Erst
im Frühjahr 1551 traf die Vorhut die der vor fast 10 Jahren erwarteten
Hilfsarmee Ferdinands in Siebenbürgen ein, die für eine Gesandtschaft zu groß
und zum Kriegführen zu gering war. Jetzt zwang Martinuzzi Isabella (Königinwitwe),
aller Rechte auf die Ungarische Königskrone im Namen ihres Sohnes zu entsagen
und sich mit einer Entschädigung zufriedenzugeben. In der Hoffnung die von
Ferdinand immer wieder in Aussicht gestellte wirksame Hilfe ließ sich
Martinuzzi, um Zeit zu gewinnen, mit den Türken in Verhandlungen ein. Die
versprochene Hilfe blieb jedoch aus. Durch die ihm hinterbrachten Gerüchte von
verräterischen Absichten Martinuzzis und dessen geheimen Einverständnis mit den
Türken beunruhigt, ließ Castaldo (Ferdinands Armeegeneral) im Glauben, man
wollte ihm eine Falle stellen, den Martinuzzi ermorden.
Damit
war den Türken ein Vorwand zur Beschleunigung ihres Rachefeldzuges gegeben.
1552 fielen zwei gewaltige Türkenheere zur Eroberung der ungarischen Burgen und
Festungen ins Land ein. Im Verein mit den ungarischen Adelsaufgeboten stellten
sich die habsburgischen Söldner den Türken nur ein einziges Mal in offener
Schlacht entgegen, ohne nach ihrer Niederlage noch einen Versuch zum Entsatz
der belagerten Festungen zu unternehmen, die der Reihe nach kapitulierten. Nur vor der Burg Dregely stieß
der Pascha von Buda auf Wiederstand. Anstatt sich zu ergeben kämpfte hier die
Besatzung unter dem Der Burgkapitän György Szondy bis zum letzten Mann auf den
Trümmern. Der Pascha von Buda traf sich mit seinen Verbündeten zur gemeinsamen
Belagerung der Festung Eger, mit deren Fall auch Nordost Ungarn unter
türkischer Herrschaft gelangt wäre. Die heroisch verteidigte Festung wies 38
Tage lang die türkischen Belagerer zurück, bis diese durch die Herbstwitterung
zum Abzug gezwungen wurden. Aber auch dies vermochte nichts daran zu ändern,
dass der Plan, Ungarn unter der Herrschaft der Habsburger wieder zu vereinen.
für lange Zeit illusorisch geworden war.
Wegen
seiner relativen innenpolitischen Unabhängigkeit wurde Siebenbürgen während der
langen Periode der türkischen Herrschaft zu einem wichtigen, jedoch nicht dem
einzigen Zufluchtsort der Ungarischen Kultur.
Die
politische Struktur Siebenbürgens war durch die Besonderheit der drei Stände
der Szekler, der Siebenbürgener Sachsen und des ungarischen Adels sowie durch
die Sonderstellung der von Siebenbürgener Sachsen und Ungarn bewohnten Städten
gekennzeichnet. Die von Zeit zur Zeit einberufene Städteversammlung erwies
sich, obgleich die Rechte der Stände von König Johann Sigismund bzw. Der
Königsmutter Isabella, die anstelle ihres minderjährigen Sohnes regierte, nicht
angetastet wurden, als williges Werkzeug der Herrschenden. Nach dem Tode der
Königsmutter 1559 ergriff Istvan Báthory (siehe Ahnhang, Bild) der reichste
Magnat der Gegend, anstatt des unerfahrenen Johann Sigismund die
Regierungsgewalt. Sein politisches Ziel war es, die verbliebenen Reste der
politischen Selbstständigkeit Ungarns durch Festigung der Stellung des Tributpflichtigen
Ostungarn gegen die Expansionsbestrebungen der Habsburger und der Türken zu
retten. Hierzu bedurfte es eines friedlichen Ausgleichs mit den Habsburgern -
unter Anerkennung der Spaltung Ungarns. Seine Verhandlungen mit den Habsburgern
zogen sich in die Länge, erst 1570 kam es zum Vertrag von Speyer. In diesem
Vertrag verzichtete Johann
Sigismund
auf den ungarischen Königstitel und begnügte sich mit der Würde eines Fürsten
von Siebenbürgen. Zugleich erhielt er von den Habsburgern einige Teile Ungarns
als Lehen. Das neue politische Gebilde Fürstentum Siebenbürgen vermocht seine
ihm zugedachte politische, vor allem aber auch kulturelle Rolle in der Tat zu
spielen, insbesondere auch, als nach dem Tod von Johann Sigismund 1571 Istvan
Bathory 1571 - 1586 das Amt des Fürsten von Siebenbürgen übernahm.
Der
Sultan setzte seinen politischen Willen in Siebenbürgen seit etwa 1550 mit
Waffengewalt durch. Er trat hier als Schiedsrichter zwischen dieser Provinz und
König Ferdinand und zugleich als Beschützer des sich heranbildenden Fürstentums
und seines jungen Fürsten Johann Sigismund auf. Inzwischen dauerte der Krieg um
die Ausweitung der Eroberungen an: Städte, Dörfer und Bürgen fielen an die
Türken.1566 unternahm Süleyman einen neuen, großangelegten Feldzug, den siebten
und letzten seiner Herrschaft. Nach zwei Jahrzehnten Vergleichungsweise Ruhe
als Folge der zwischen Maximilian und Selim II.1568 geschlossenen
Friedensvertrages brach der Krieg 1593 wieder aus und dauerte 15 Jahre. Er
wurde von Sultan Murat m (1574-1595) ausgelöst, jedoch ergriff der Kaiser und
König Rudolf II. Die Gelegenheit der Kriegserklärung zu einem großangelegten
Gegenangriff.
Papst Clemens VIII.
(1592-1605) gewehrte
ihm finanzielle Unterstützung sowie Truppen; auch gelang es ihm, einen Heiligen
Christlichen Liga aufzustellen. Der ungarische Rechtstaggenehmigte
Sondersteuern um die Aushebung von Truppen. Es war ein bedeutendes Faktum, dass
das bisher vorsichtige, aber immer mehr um die Befreiung von seinem
Halb-Vasallentum bemühte. Siebenbürgen unter dem Fürsten Sigismund Bathory,
sich der Heiligen Liga anschloss, des gleichen Aron und Stefan von Moldawien
sowie der berühmte Mihail Viteazul aus der Walachei. Die Erfolge der
christlichen Truppen geben neues Vertrauen. Sie gewannen mehrere Schlachten im
Norden, schlugen den mächtigen Pascha von Buda, eroberten die erzbischöfliche
Stadt Esztergom (Gran) sowie mehrere bedeutende Festungen an der Ostfront. Die
Zurückeroberung von Györ (Raab) 1598 wurde wie ein großer Sieg gefeiert: Die
"Pforte" Wien war für die Türken wieder geschlossen. Allerdings war
die kaiserliche Armee nicht in der Lage, eine Reihe strategisch bedeutsamer
Städte, wie Temesvar (Temeschwar) im Südosten, zurückzuerobern, andere wiederum
wurden von den Türken zurückgewonnen. Zu dem Zeitpunkt war es noch
unvorstellbar dass man die türken besiegen kann, obwohl Türken hatten schon
1571 die große Seeschlacht Lepanto verloren und neue Seereisen in Persien
durchgemacht, wo es von Schah Abbas I.1603 bekriegt wurde. Der langsame
türkische Niedergang hatte ohne Zweifel begonnen. Ungarn, seine Herzöge und
große Heeren gingen also in das XVII. Jahrhundert nicht ohne günstige
Aussichten. Dennoch setzten sich die Misshelligkeiten und Prüfungen fort.
Ein
Grossteil der bedeutenderen Ungarischen Städte lag in den von den Türken
besetzten Gebieten. Sie wandelten sich zu Militärstandorten und verloren ihre
städtischen Funktionen. Die wenigen verbliebenen Kleinhandwerker und
Gewerbetreibenden deckten lediglich die lokalen Bedürfnisse. Auch die Städte in
dem habsburgischen Gebiet und in Siebenbürgen vermochten ihren
Entwicklungsstand, den sie zu Ende XV. Jahrhunderts erreicht hatten, nicht mehr
zu halten.
In dem
Masse, wie sich die Gesellschaft in die Klasse der Adeligen und die der
leibeigenen Bauern polarisierte und die Beziehungen erstarrten, verlangsamte
sich der Vorgang der Verbürgerlichung. Die Verstädterung litt darunter sehr. Es
gab zwar Bergwerksstädte im Norden und Nordosten, Städte des Handels und des
Gewebes wie Pest und Buda sowie bischöfliche Städte, aber in geringerer Zahl
und weniger urbanisiert als in Westeuropa. Insbesondere die von den Türken
besetzte Grosse Tiefebene erlitt einen Rückschritt. Um 1700 gab es etwa zehn
Städte mit 5000 Einwohnern, während man in Europa deren 800 zählte. Nur die
noch nicht vereinten Städte Pest und Buda übertrafen zusammen 20 000,
demgegenüber gab es im Westen 130 Städte dieser Größenordnung, und es gab keine
einzige Metropole mit 200.000 Einwohnern und mehr.
Die
Gründe hierfür waren die Türkenkriege, die veralteten Sozialstrukturen und die
Verlagerung des Handels in Richtung des Atlantik. Außerdem hatte der Fluss der
Industriegüter in den westlichen Ländern eine ungewöhnliche Wirkung auf die Wirtschaft
der Agrarländer. In anderer Hinsicht profitierten diese armen Verwandten des
neuen Wohlstandes als Lieferanten von begehrten Bergwerkprodukten und
Lebensmitteln von der guten Konjunktur. Importierte Industrieprodukte wie zum
Beispiel Textilien und Eisenwaren kosteten weniger, demgegenüber konnten im
Osten die exportfähigen Eigentümer, insbesondere Agrarbauern und Viehhändler,
auf den europäischen Märkte gute Preise erzielen. Das war einer der Gründe für
die Entwicklung von blühenden Marktflecken. So war Ungarn im XVI. Jahrhundert,
mitten im Krieg, der bedeutendste Exporteur von Fleisch, nämlich von 200 000
Rindern im Jahr. Auch Felle, Kupfer, wein und Korn wurde ausgeführt. Die
Verschlechterung der Lage im folgenden Jahrhundert beendete diesen relativen
Wohlstand, der den Abstand zwischen Ungarn und dem Handel und Gewerbe
treibendem Europa ohnehin vergrößert hatte. Jedoch ermöglichte der Markt die
Beibehaltung der wirtschaftlichen Einheit des unter drei Regierungen
aufgeteilten Landes.
Es
kann konstatiert werden, dass die Lasten und Folgen der Türkenkriege die
wirtschaftliche Situation Ungarns erheblich verschlechterten. Es vergrößerte
sich der Abstand zu Westeuropa, dessen Entwicklung sich durch die Entdeckung
neuer Erdteile und die Ausbeutung der gewonnenen Kolonien dramatisch
beschleunigt hatte. In Ungarn herrschte eine große Kapitalarmut; der
Grundbesitzende Adel intensivierte die Eigenbewirtschaftung seiner Güter, was
zu einer erheblichen Ausdehnung und Verstärkung der Leibeigenschaft für die
Masse der ländlichen Bevölkerung führte.
Die
einst blühenden Bergbaugebiete verloren an Bedeutung. Die Förderung und der
Export von Buntmetallen war wegen der politisch-militärischen Unsicherheit in
Ungarn und der starken ausländischen Konkurrenz stark rückläufig.
Das
städtische Gewerbe erwies sich in Folge seiner Zunftorganisation und seiner
rückständigen Technik als nicht konkurrenzfähig gegenüber den modernen
ausländischen Manufakturen, was zu einem weiteren wirtschaftlichen Niedergang
der Städte Ungarns führte. Damit verloren auch die Märkte in den freien Städten
ihre Anziehungskraft.
In der
Landwirtschaft kam es im XVI. Jahrhundert zu drei wichtigen Entwicklungen. Zum
einen wurde der Ackerbau, vor allem in der von den Türken besetzten Großen
Tiefebene weitgehend von einer extensiven Viehzucht abgelöst, weil der
westeuropäische Markt nahezu unbeschränkte Absatzmöglichkeiten für Schlachtvieh
bot und weil die Viehzucht angesichts der unsicheren Lage ein geringeres Risiko
barg. Weiter wurde in einigen Landesteilen, so z. B. In der Gegend um Tokaj,
ein hochintensiver Weinanbau betrieben, dessen Erzeugnisse ebenfalls zu einem
großen Teil in den Export gingen. Und schließlich traten die Großgrundbesitzer
in verstärktem Maße durch Umstellung auf Eigenbewirtschaftung ihrer Güter als
Konkurrenten der Bauern auf und zwangen sie zugleich zu verstärkter Fronarbeit
auf ihren Gütern. Besonders letzteres ist für den habsburgischen Teil Ungarns
und Siebenbürgen typisch; hier blieben lediglich die freien Szekler und die
sächsischen Bauern verschont. Im zentralen Teil Ungarns dagegen verlief die
Entwicklung anders. Hier waren die adligen Grundherren und auch die Mehrzahl
der städtischen Bürger von den Türken geflohen; auch viele Dörfer wurden von
ihren Einwohnern verlassen. Sie ließen sich in den Marktflecken nieder und
betrieben von dort aus ihre Landwirtschaft, meistenteils Viehzucht. Die Bauern
wurden steuerpflichtige Untertanen des Sultans. Sie mussten ihre Steuern unmittelbar
an das Schatzamt des Sultans abliefern oder aber adlige türkische Reiter, die
Spahis, sofern sie in Dörfern lebten, die diese als befristete Lehen vom Sultan
erhalten hatten. Die Abgabenlast hatte etwa die gleiche Höhe wie die früher an
die Grundherren gezahlte; die Bauern mussten aber keine Fronarbeit leisten.
Allerdings versuchte das habsburgische Ungarn bzw. Die dorthin geflüchteten
Grundherren, auch von dort aus von den im türkischen Teil gelegenen Dörfern
Abgaben zu erzwingen. Im Frieden von Adrianopel 1568 wurde sogar festgelegt,
dass die von den Bauern erhobenen Steuern zu gleichen Teilen an den König von
Ungarn und den türkischen Sultan zu verteilen seien.
Das
Wort "Kondominium" wird oft im Zusammenhang mit der türkischen
Okkupation benutzt, als die Leibeigenen der Besteuerung zweier Herren, des
türkischen und des ungarischen, unterworfen waren. Über die eroberten, nicht
mehr unter staatlicher ungarischer Autorität stehenden Länder regierten die
Türken. Das Okkupationsregime ließ jedoch Raum für so manche Gutsherren und
beseitigte nicht alle Sitten und Gewohnheiten. Der Steuerzahler- Bauer,
Handwerker, Händler, Gutsbesitzer - sollte seinen Beruf fortsetzen und das
Leben sollte weitergehen, -- und zwar bis zu dem Maß, dass die Städte und
Marktorte ihre Gemeindeautonomie behielten. Die Rechtspflege lag bei den
ungarischen Richtern, die in der ersten Zeit zusammen mit dem türkischen Kadi
Recht sprachen, später waren die letzten nur im Rahmen der türkischen Verwaltung
tätig. Die Priester übten ihren Dienst ohne Diskriminierung aus. Das erklärt,
warum sich die Reformation unter der türkischen Herrschaft von den christlichen
konfessionellen Spaltungen unabhängig ausbreitete, freier war als im
katholischen Reich der Habsburger. Die türkische Regierung betrieb keine
Bekehrung zum Islam, so dass es nur wenige Renegaten ungarischer Abstammung
gab. Im Gegensatz zu einigen Balkanländern, wie z. B. Bosnien, gab es auch nur
wenige bekehrte Bauern. Schließlich betrieb die Pforte auch keine
Kolonisierungspolitik. Die ungarischen Gutsherren behielten die Rechte über
ihre Leibeigenen, manchmal sogar in den von den Türken beherrschten Gemeinden,
herauf bezieht sich der Begriff "Kondominium". Das Opfer die dieses
Zustandes war natürlich die misera plebs contribuens, die den Türken, den
Ungarn und manchmal auch dem Siebenbürgischen Gutsherren zahlte. Die türkische
Staatssteuer war im Prinzip auf einen Gulden pro Heim festgelegt, jedoch waren
die den Gutsherren geschuldeten Abgaben viel höher; auch wurden auf beiden
Seiten der Grenze Razzien durchgeführt, um zusätzliche Steuern oder einfach
Lösegeld einzutreiben und um zu plündern. Auf der ungarischen Seite erhoben
außerdem Gutsbesitzer auch der Staat und die Kirche Abgaben, und zwar um die
Soldaten der Militärbezirke zu bezahlen. Das besetzte Gebiet scheint in das
Türkenreich nur sehr wenig integriert gewesen zu sein. Für Istanbul diente es
als Terrain für militärische Operationen und als Land für Plünderungen.
Die
politische Entwicklung in dem dreigeteilten Ungarn wurde in den letzten Jahren
des XVI. und über weite Perioden des XVII. Jahrhunderts bestimmt durch die von
verschiedenen Seiten ausgehenden Versuche, unter Ausnutzung
politisch-militärischer Schwächen der jeweils anderen Seite Ungarn
wiederzuvereinigen. Diese Versuche trugen zudem den Charakter religiöser
Auseinandersetzungen zwischen Reformation und Gegenreformation. In Siebenbürgen
war es Istvan Báthory in den 1 570er Jahren gelungen, die Verhältnisse zu
konsolidieren. Er konnte, obwohl tributpflichtig, eine türkische Einmischung in
die inneren Angelegenheiten Siebenbürgens verhindern, und ihm - und nicht
seinem habsburgischen Rivalen Maximilian wurde nach dem Aussterben der
Jagiellonen die polnische Königskrone zugesprochen. Im habsburgischen
Königreich selbst hatte sich die innere Krise zwischenzeitlich verschärft.
Unter Rudolf I (1576-1608) trat der Machtkampf der mehrheitlich
protestantischen österreichischen, böhmischen und ungarischen Stände gegen die
katholische Dynastie als Glaubenskampf in Erscheinung. Gleichzeitig allerdings
standen immer Aristokraten, die durch den Handel mit landwirtschaftlichen
Erzeugnissen zu Reichtum gekommen waren, auf der Seite der habsburgischen
Zentralregierung. Die erneuten türkischen Angriffe zwangen den Habsburger in
1591 den fünfzehnjährigen Krieg auf, zu dem sie die ungarischen Stände schon
lange gedrängt hatten. Allerdings verfügten die hochverschuldeten Habsburger
nicht mehr über ausreichende Ressourcen, um den Türken mit einer
schlagkräftigen Streitkraft entgegenzutreten. Statt diese wurden von Jahr zu
Jahr neue Söldnerheere aufgestellt. Die anfänglich erzielten Erfolge
resultierten allein aus dem Umstand, dass auch das türkische Heer viel von
seiner früheren Schlagkraft verloren hatte. Eine wesentliche Unterstützung
bedeutete für die Habsburger der Anschluss Siebenbürgens. Istvan Bocskai, der
Ratgeber des siebenbürgischen Fürsten, erhoffte von dem Bündnis mit den
Habsburgern, dass Siebenbürgen im Falle eines Sieges ein Mitbestimmungsrecht
bei der künftigen Gestaltung des von den Türken befreiten Ungarns erhalten
würde. In den kriegerischen Auseinandersetzungen vermochte aber keine Partei
die Oberhand zu gewinnen. Im Jahre 1598 übergab der siebenbürgische Fürst Sigismund
Bathory gegen den Wiederstand des siebenbürgischen Adels Siebenbürgen an Rudolf
I., um sich der Verantwortung für den Krieg, der einen ungünstigen Verlauf
nahm, zu entledigen. Es kam in Siebenbürgen zu blutigen inneren Kämpfen und
einer jahrelangen Schreckensherrschaft der habsburgischen Söldnertruppen.
Zugleich erfuhr der grundbesitzende Adel in ungarischen Königreich der
Habsburger wegen der Zerstörung des Landes, der Aussichtlosigkeit des
Türkenkrieges und der Nichtberücksichtigung bei den Aufträgen für die Lieferung
von Kriegsmaterialien eine tief Enttäuschung. Die Führung der ungarischen
Wiederstandsbewegung gegen die Habsburger übernahm Istvan Bocskai, der früher
zwar das Bündnis mit Habsburgern in die Wege geleitet, sich aber inzwischen enttäuscht
zurückgezogen hatte. In den Kämpfen gegen die Habsburger stützte sich Bocskai
vor allem auf die Hajducken. Es gelang Bocskai, die habsburgischen Truppen aus
Siebenbürgen und anderen Teilen Ungarns zu vertreiben. 1605 wurde er zum
Fürsten von Siebenbürgen gewählt. Auf dem Höhepunkt des Erfolges sollten sich
aber die Gegensätze zwischen dem siebenbürgischen und ungarischen Adel wieder
zu spitzen. Während der Siebenbürgische Adel ein ungarischen Königreich unter
türkischem Patronat anstrebte, wollten die adligen Großgrundbesitzer des
habsburgischen ungarischen Königreiches einen Vergleich mit den Habsburgern,
der ihnen die freie Ausübung des protestantischen Glaubens und die ständische
Selbstverwaltung gewährleisten sollte. Einig war man sich nur dass man die
Hajducken und die Bauern, die sich ihnen angeschlossen hatten, so schnell wie
möglich entwaffnen müsse, damit sich der Aufstand nicht zu einem antifeudalen
Bauerkrieg weiterentwickle.
In den
Friedensverhandlungen mit den Habsburgern wurde 1606 im Wiener Frieden eine
Kompromisslösung gefunden. Diese beließ dem Fürstentum Siebenbürgen seine
Selbstständigkeit, verbürgte der Bevölkerung in den unter Habsburger Herrschaft
zurückgekehrten Gebieten Glaubensfreiheit und sicherte den Ständen ihre
Selbstverwaltungsrechte zu. Das Hajducken-Problem wurde dadurch gelöst, dass
diesen als freien Bauernsoldaten land zugeteilt wurde und sie für ihre
geleisteten militärischen Dienste von Leibeigenenabgaben befreit wurden. In
gleichen Jahr schloss Habsburg auch den Frieden von Zsitvatorok mit den Türken
ab, der dem verwüsteten Ungarn für längere Zeit eine Atempause verschaffte. Man
fragt sich an dieser Stelle, welche Interessen die ungarischen Stände
eigentlich vertreten haben. Es waren eindeutig und immer wieder nur die eigenen
Partikularinteressen konkret ausgedrückt: selbst keine Steuern zu zahlen-, die
von ihnen auf Kosten des Landes und seiner übrigen Bewohner durchgesetzt
wurden. Sie haben sich damit zugleich mit aller Macht gegen die Gewehrleistung
der Sicherheit Ungarns und auch der Modernisierung des Landes durch den
Staatsverband mit den westlich von Ungarn gelegenen Ländern des
Habsburgerreichs gestellt. Erst in einer längerfristigen Entwicklung wurde
dieser Machtdualismus zwischen den Standen und der Krone zugunsten der Krone
und im Sinne des Absolutismus entschieden, der als eine notwendige
Voraussetzung für die daran anschließende Bildung eines Nationalstaats
betrachtet werden kann.
Nur
kurze Zeit später, nach der Krönung des Habsburgers Matthias IL zum deutschen
Kaiser 1612, versuchte dieser erneut, die Interessen der Krone durchzusetzen
Hierzu machte er sogar den Versuch, Siebenbürgen;, das sich als die Basis des
ständischen Widerstandes gegen die Modernisierungsversuche Habsburgs erwiesen
hatte, von sich abhängig zu machen. Allerdings scheiterte der Versuch, eine
Verschwörung gegen den siebenbürgischen Fürsten anzuzetteln. Siebenburgen hatte
sich unter der Herrschaft seines Fürsten Gabor Bethlen (1613-1629)
wirtschaftlich und politisch konsolidiert. Er hatte sich eine unter den freien
Bauern rekrutierte, von den Ständen unabhängige Streitmacht geschaffen und
verfolgte insbesondere im Partium eine Politik zum Schutze der Bauern vor den
Übergriffen der dortigen Großgrundbesitzer. Im Dreißigjährigen Krieg mit seinem
vielseitigen Geflecht an Konflikten spitzte sieh auch derjenige zwischen den
Habsburgern und Siebenbürgen weiter zu. Bethlen ergriff die Chance, die
Situation durch Solidarisierung mit den böhmischen Standen und dem deutschen
Protestantismus zur Verfolgung seines eigenen politischen Zieles auszunutzen,
in der Auseinandersetzung zwischen den Ständen und der Krone eine größere
Selbständigkeit gegenüber Wien zu erringen. Er unternahm 1619 einen Feldzug zur
Unterstützung der böhmischen Aufständischen und stand im Herbst des Jahres
bereits vor Wien. Er musste aber die Belagerung aufgeben, weil die ungarischen
Anhänger der Habsburger ihm in den Rücken fielen.
Der
Sieg der Habsburger über die böhmischen Aufständischen in der Schlacht am
Weißen Berg bei Prag 1620 und die Einführung eines absolutistischen Regimes
brachen den Widerstand der böhmischen und österreichischen Stände.
Dem
ungarischen Königreich blieb dieses Schicksal zwar erspart, es zeigten sich
aber doch gravierende Folgen: Der ungarische Adel wurde aus dem Kreis der am
Wiener Hof tonangebenden Aristokratie weitgehend ausgeschlossen, und eine
Wiedervereinigung Ungarns unter siebenbürgischer Führung erwies sich als
Illusion. Das siebenbürgische Fürstentum war zwar noch stark genug, die
ständische Opposition im ungarischen Königreich wach zuhalten, es konnte aber
nicht mehr das ehemalige Königreich des König Matyas mit der in seiner Person
vereinigten Machthülle zu neuem Leben erwecken.
Da
sich auch der Sultan gegen eine Vereinigung der beiden Teile Ungarns stellte,
war es für Bethlen aussichtslos, sein ursprüngliches politisches Ziel zu
erreichen. Er wies die ihm angetragene ungarische Königskrone zurück und
erneuerte statt dessen 1622 den Wiener Frieden, wobei ihm noch weitere sieben
Komitate Ungarns übertragen wurden. Seine politischen Hoffnungen setzte Bethlen
auf eine Koalition der antihabsburgischen Kräfte m Westeuropa. Deren Erstarken
veranlasste Bethlen zweimal, einen Kriegszug gegen die Habsburger zu starten.
Beide Kriegszüge (1623, 1626) endeten im wesentlichen aber ergebnislos und
führten lediglich zur Bestätigung der Bestimmungen des früheren Wiener
Friedens.
Dennoch
war es Bethlen gelungen, ein starkes und entwickeltes autonomes Fürstentum
Siebenbürgen zu schaffen, das europaweite Anerkennung fand. Bethlens Nachfolger
als Fürst von Siebenbürgen, György I. Rakoczi (16301648), einer der reichsten
protestantischen Magnaten Ungarns, setzte zwar, was die Unabhängigkeit
Siebenbürgens gegenüber Habsburg betraf, die frühere Politik fort und verteidigte
das Land gegen die habsburgischen Angriffe. In der Bauernpolitik aber verstand
er sich als Feudalherr, der bestrebt war, seine Machtposition gegenüber der
Bauernschaft durch weitere Ausdehnung seines Großgrundbesitzes zu stützen. Im
Vordergrund seines politischen und militärischen Aktivitäten stand daher das
Bemühen, seine vor allem im Königreich Ungarn gelegenen Familiengüter zu
sichern und zu vergrößern.
Sein
Sohn, Fürst György II Rakoczi (1648-1660) beabsichtigte, seine
antihabsburgische Politik auf eine breitere, die Stärke und Bedeutung
Siebenbürgens maßlos überschätzende außenpolitische Basis zu stellen, indem er
versuchte, die polnische Königskrone zu erlangen. Sein militärischer
Eroberungsversuch aber endete 1657 mit einer Niederlage, die Siebenbürgen
derart schwächte, dass es dem türkischen Angriff 1660 nichts mehr
entgegenzusetzen hatte. Damit war das Fürstentum Siebenbürgen
zusammengebrochen, es verkam zu einem türkischen Vasallenstaat.
Die
Internationale Lage und der Niedergang der Macht des osmanischen Reiches
begünstigte die Vertreibung der Türken aus Ungarn. "Die Heilige Liga"
gegen die Türken nahm die Kriegsaktionen au£ Als deren Ergebnis wurde im Jahre
1686 Buda, dann gegen Ende des Jahrhunderts ganz Ungarn befreit, und im Land
ging der anderthalb Jahrhunderte andauernde Türkenherrschaft zu Ende.
Im
Jahre 1683 warf sich der Sultan, über Ungarn kommend auf Wien. Der türkische
Angriff war vorausgesehen, alle Meldungen von Diplomaten und Spionen hatten die
Vorbereitungen angekündigt. Kaiser Leopold musste sich dem Angriff stellen. Die
berühmteste Entscheidungsschlacht am Kahlenberg fand am 12 September 1683
statt. Die Entlastungsarmee und die schwere Kavallerie ging in den Angriff
über. Die Belagerten brachen ihrerseits aus und nahmen die Türken in die Zange.
Das
war ein großer Sieg, gefolgt von de Rückeroberung Zahlreicher Städte und Burgen
Ungarns, doch der Pascha von Buda hielt die Stadt noch drei Jahre lang.
Angeregt vom Papst Innozenz XI. Entstand eine neue Heilige Liga zu Finanzierung
des Krieges, der jährlich zehn Millionen Gulden kostete. 1686 brach eine
alliierte Armee nach Buda auf.
Die
Belagerung begann im Juni. Der alte Pascha von Buda, Abdi Abdurrahman, war mit
10 000 Mann, 400 Kanonen, Munition und Versorgung gut vorbereitet. Die
Belagerung dauerte 78 Tage und nahm ein apokalyptisches Ende. Durch die
Explosion von 800 Tonnen Schießpulver unter den Wellen neigte sich die
Waagschale zugunsten der Christen, doch der Pascha stopfte die Löcher und
Leistete Wiederstand bis zu seinem Tod in der Schlacht. Die Kaiserlichen
siegten, Buda war am 2. September frei. Unter den Türken gab es 4 000 Tote und
6 000 Gefangene. Dei Grausamkeit der siegreichen Soldaten stand der Türken und
Tataren um nichts nach: Außer den üblichen Plünderungen kam es auch zu einem
schrecklichen Gemetzel, wie zuvor während dieses ganzen Krieges. Etwa 500
Juden, die Hälfte der Gemeinde, wurden massakriert. Die türkischen Gefangenen
wurden gefoltert und getötet, ihre Haut getrocknet und Apothekern in
Deutschland verkauft: Das so gewonnene Pulver war ein gefragtes Medikament. Das
Christentum feierte die symbolhafte Befreiung Budas, der Krieg war aber noch
nicht zu Ende. Zwei Jahrzehnte Land musste jede Stadt und jede Burg einzeln zurückerobert
werden, bis die Türken das Land verließen und 1699 den Frieden von Karloca (
Karlowitz/Sremski Karlovci ) unterzeichneten.
Ungarns
Landkarte war nach seiner Wiedereroberung durch die Habsburger nahezu dieselbe
wie vor der Türkeninvasion. Die demographische Bilanz dieser zweier
Jahrhunderte von Verwüstungen ist jedoch umstritten. Der Mehrheit der
Historiker zufolge soll die Entvölkerung nach gerade katastrophal gewesen sein
und einen reinen Verlust von einer Million Menschen betragen haben. Dennoch
gelangen einige Schätzungen auf einen ausgeglichenen Saldo: Am Ende des XV.
Jahrhunderts soll es 3,5 bis 4 Millionen Einwohner gegeben haben und genauso
viel am Ende des XVII. Der Verlust soll durch Einwanderungen ausgeglichen
worden sein. Das ist zwar weit von einer Bestätigung entfernt, jedoch bleibt
das Defizit trotz dieser enorm, zumal wenn wir bedenken, dass es sich um eine
Periode sehr starken demographischen Wachstums handelte. Übrigens war eine
ständig drangsalierte und notleidende Bevölkerung, außer durch Krieg, Epidemien
und Pest, wahrscheinlich auch durch die Folgen der im XVI. Jahrhundert
beginnenden "kleinen Eiszeit" mehr betroffen als andere Länder. Wie
dem auch sei, Ungarn verließ die lange Zeit von Schicksalsschlägen geschwächt.
Mindestens ein Teil der Verluste wurde zwar kompensiert, jedoch durch eine
weitgehende Veränderung der ethnischen Zusammensetzung des Landes. Die Türken
haben in den von ihnen besetzten Gebieten Serben angesiedelt. Was die zwei
anderen Teile des betrifft, so ist es mangels brauchbarer demographischer Daten
schwer, die Effekte spontaner Einwanderung während der Kriege von der späteren
Kolonisierungen zu unterscheiden, die von Wien zu Auffüllung entvölkerter
Gebiete vorgenommen wurden. Auf jeden Fall sind zahlreiche Einwanderer
verschiedener Ethnien, Slawen, Rumänen und andere auf der suche nach sichereren
und günstigeren Gebieten, wie Siebenbürgen und Transdanubien, gekommen. Ungarn
war schon immer ein Land der Immigration und nahm mehrere Wellen von Migranten
und Flüchtlingen auf, jedoch verursachte ihre Assimilation keine oder kaum
Probleme.
Die
internationale Lage und der Niedergang der Macht des Osmanischen Reiches
begünstigte die Vertreibung der Türken aus Ungarn. "Die heilige Liga"
gegen die Türken nahm die Kriegesaktionen auf. Als deren Ergebnis wurde im 1686
Buda, dann gegen Ende des Jahrhunderts ganz Ungarn befreit, und im Land ging
die anderthalb Jahrhunderte andauernde Türkenherrschaft zu Ende.
Was
waren nun die entscheidenden, auch die spätere Entwicklung Ungarns stark
beeinflussenden Folgen der über anderthalb Jahrhunderte dauernden Türkenzeit?
Zunächst bleibt festzuhalten, dass Ungarn in weiten Teilen verwüstet wurde,
allerdings nicht sosehr durch die türkische Besetzung als solche, sondern
vielmehr durch die dauernden, mit wechselnden Erfolgen endenden
Kampfhandlungen, die auf seinem Territorium ausgefochten wurden. Besonders der
Befreiungskrieg richtete umfangreiche Verwüstungen an. Die Türken selbst haben
in dem von ihnen besetzten zentrale Teil Ungarns nur wenige Spuren, wie einige
Minarette und Bäder, hinterlassen. Es war auch nicht ihre Absicht, die
politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Strukturen entscheidend zu
verändern. Sie begnügten sich mit den Steuereinnahmen und betrieben hierzu
einen Raubbau an den wirtschaftlichen Ressourcen, ließen aber im übrigen das
Land in Ruhe. Die Kampfhandlungen führten ebenso wie häufig grassierende
Seuchen zu einer Stagnation, wenn nicht gar zu einem Rückgang der Bevölkerungszahl.
Im Gegensatz zu den anderen europäischen Ländern, in denen in dieser Periode
die Bevölkerungszahl erheblich angestiegen ist, hatte Ungarn am Anfang des 18.
Jahrhunderts mit ca. 4 Millionen Einwohnern lediglich die Zahl des
Spätmittelalters wieder erreicht. Die Bevölkerung war wegen der im besetzten
Gebiet herrschenden Unsicherheit zu einem großen Teil aus den Dörfern entweder
in den habsburgischen Teil Ungarns oder in wenige größere Marktflecken, in
denen eine größere Sicherheit herrschte, geflüchtet. Dadurch wurden vor allem
im Alföld, der Großen Ungarischen Tiefebene, viele Dörfer aufgelassen. Das
dichte mittelalterliche Dorfnetz war völlig zerstört, landwirtschaftlich
genutzte Flächen wurden zu Sümpfen und Öden. Als Folge der Bevölkerungsbewegungen
wurde ein Prozess der Umgestaltung des Siedlungsnetzes in Gang gesetzt, der
sich in der Folgezeit noch intensivierte. Die nach dem Ende der Türkenzeit
einsetzenden Migrationen innerhalb Ungarns und die Ansiedlung aus Deutschland
stammender Siedler schufen eine völlig neue ethnische Zusammensetzung der
Bevölkerung Ungarns.
Holger
Fischer unter Mitarbeit von Konrad Gündisch, 1999 : „Eine kleine Geschichte
Ungarns“
Balazs
Varkoyi, Katalin Liebmann, 1993: „Ungarn. Eine kleine politische Landeskunde“
I. Barata, I. T. Berend, P. Hanak, M. Lacko, L. Makki, Zs. L. Nagy und Gy. Ranki,
1971: „Die Geschichte Ungarns“
Beatrix Hanak, Lazlo Szilas, 1980: „Begegnung mit Ungarn“
Miklos Molnar, 1996: „Geschichte Ungarns“
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