| 5. Zur
Organisation der Studienfahrt
28
Schülerinnen und Schüler aus dem Gemeinschaftskunde-Leistungskurs 216 und den
Erdkunde-Grundkursen 223 und 224 haben an der Studienfahrt nach Ungarn
teilgenommen. Die Leitung: übernahmen OStR Voigt und OStR’ Halstenberg.
Die
Unterbringung in Budapest erfolgte im Studentenwohnheim der Universität
Budapest, vermittelt durch Herrn Prof. Antal vom Lehrstuhl für
Wirtschaftsgeographie der Eötvös-Loránd-Universität (ELTE) Budapest. Während
der mehrtägigen Exkursion nach Südungarn erfolgt die Unterbringung in einem
Touristhotel in einer Jugendherberge der Landwirtschaftlichen AG Bóly und in
Holzhäusern auf dem Campingplatz von Keszthely.
Die
Gesamtkosten beliefen sich nach der Endabrechnung auf unter 600,-- DM pro
Teilnehmerin und Teilnehmer für Busfahrt mit eigenem Bus der Firma Albert
Grund, Lehrte, Übernachtungen in Vier- und Mehrbettzimmern, die in Qualität für
den Preis durchaus akzeptabel waren, Halbpension, d.h. Frühstück und einer
warmen Mahlzeit pro Tag, sowie den Kosten für das gesamte Programm.
Zu
Dank sind wir vor allem verpflichtet Herrn Prof. Antal
von der ELTE, der uns seit Jahren freundschaftlich verbunden ist und uns nicht
nur die organisatorischen Vorbereitungen in Ungarn abgenommen und das
inhaltliche fachliche Programm vorbereitet hat, sondern wieder bereit war, uns
auf der gesamten Reise zu begleiten und uns tagtäglich mit seiner Hilfe und
seiner fachlichen Kompetenz zur Verfügung stand. Das Honorar, das wir ihm zum
Ausgleich seiner Aufwendungen zahlten, steht in keinem Verhältnis zu dem
Engagement, das er für uns aufgebracht hat. Danke!
Gleicherweise
Dank auch an Frau Cravero, die uns als
Kollegin von Prof. Antal als Wirtschaftsgeographin, Bibliothekarin und
ausgebildeter Dolmetscherin für alle sprachlichen Probleme und Übersetzungsaufgaben
wieder einmal während der ganzen Reise als »überqualifizierter«
Reisebegleiterin zur Hilfe kam.
Doch
wäre die Reise sicher nicht so gut gelaufen, wenn uns nicht als Busfahrer Herr
Ernst Sowa, mit dem ich schon mehrfach
Reisen in Deutschland wie nach Polen machen durfte, mit seiner Kompetenz,
Sicherheit und menschlichen Hilfsbereitschaft zur Seite gestanden hätte. Ihm
also im Namen der ganzen Reisegruppe noch einmal ein ganz besonderer Dank.
Daß
wir den vielen Gesprächspartnern, Referenten und Freunden in geselligeren
Runden in Ungarn ebenso danken, ohne daß wir sie hier alle namentlich aufführen
könnten, steht für uns außer Frage. Der fachliche Gehalt dieser Studienfahrt
ermutigt, Studienfahrten auch weiterhin als wichtige und unverzichtbare
Bestandteile des schulischen und fachlichen Curriculums zu begreifen und für
den Erhalt dieses wichtigen Bestandteils der pädagogischen Arbeit nicht nur –
aber in besonderem Maße – an einer UNESCO-Projekt-Schule einzutreten.
Doch
sollte schließlich auch noch der persönliche Erlebniswert dieser Studienfahrt
an einem kleinen exemplarischen Beispiel berichtend deutlich gemacht werden, das
auch mir als Leiter der Studienfahrt und langjährigem Kenner Ungarns aus vielen
schulischen und privaten Reisen in dieses Land neu und interessant war und den
integrativen Charakter der fachlichen Studienfahrtarbeit in besonderem Maße
verdeutlichen kann.
6. Fürstengut
– Staatsgut – Landwirtschaftliche AG
Ein Besuch in Bóly in Südungarn
Noch
steht das alte fürstliche Jagdhaus
mit Rittersaal, mächtigen Jagdtrophäen unter alten Tannen am Rande eine
riesigen Jagdreviers in den Dráva-Auewäldern, wo heute wieder zahlungskräftige
ausländische Jagdfreunde auf Pirsch
gehen auf Rotwild, Fasan oder Niederwild.
Auch
das Gestüt ist in bester Form: edle Vollblut,
Hannoveraner, für den internationalen Sportpferdemarkt werden hier gezüchtet
und aufgezogen. Ebenso Kreuzungen mit der gesunden Rasse der Hannoveraner und
den temperamentvollen ungarischen Pusztapferden. Ein Gestüt der Sieger!
Was
hat sich nun seit den Zeiten der Grafen Batthyány und ihrer fürstlichen
Nachfahren auf diesem alten Magnatengut
eigentlich geändert? Vieles! Und das ist auch der Anlaß unseres Besuches hier
in Südungarn in der Region Pécs/Fünfkirchen. Die deutsche
Minderheit der »Donauschwaben« und »Donauhessen« ist in der Umgebung von
(»Deutsch/Német«-) Bóly noch und wieder sehr lebendig, wie ein gemütlicher
Abend als Gäste im »Kulturhaus« des Nachbarortes
Nagynyárád, in dem die große Mehrheit der Bewohner deutscher Abstammung ist,
zeigte.
Doch
diese Minderheit hat wie ganz Ungarn schwere Zeiten seit dem Weltkrieg
durchmachen müssen, Verfolgung und Vertreibung in der Zeit des Stalinismus,
mehrfacher Verlust alles Hab’ und Gutes, Ausgrenzung und Armut. Doch die
Heimatliebe zu dieser südungarischen Region ließ viele vertriebene Einwohner
nach dem Krieg unter schwersten Bedingungen – und illegal – wieder aus dem
Verbannungsort in der Sowjetischen Besatzungszone in der Umgebung von Chemnitz
1948 nach Bóly zurückkehren, im Winter, zu Fuß...
Die
fürstlichen Güter waren enteignet und verstaatlicht, das Staatsgut Bóly wurde
zu einem agroindustriellen Musterkomplex umgestaltet. Die kleine, private
Landwirtschaft, auch der Donauschwaben, konnte erst mit den Reformen seit 1956,
die überall im Lande zu einem ungeahnten Aufschwung der Landwirtschaft führten,
neu erblühen.
Heute
ist das Staatsgut in der Rechtsform der AG privatisiert und investiert intensiv
in agrotechnische Innovationen, um als Saatzucht- und Tierzuchtbetrieb auf den
sich globalisierenden Märkten zu behaupten und sich auf einen Beitritt des
Landes zur EU vorzubereiten. Das ist erstaunlich gut gelungen. Ein guter Teil
der Produktion geht ins Ausland, sogar mit Spezialprodukten – Erbsen! – nach
Japan und auch in die USA. Ob die Bóly AG aber schließlich gegen die
amerikanischen Megakonzerne wird bestehen können, wird vor allem daran liegen,
ob hochqualifizierte und spezialisierte Produkte jenseits der billigen
Massenware auf dem Markt durchgesetzt werden können. Daß daneben die
Traditionssektoren Jagd und Gestüt, die das »fürstliche Erbe« kennzeichnen,
gepflegt werden, ist nicht nur Nostalgie, sondern ein immer interessanteres
kleines Marktsegment mit guter Rendite!
Ein
besonderes Merkmal der ungarischen Landwirtschaftspolitik ist, darin
international vorbildlich, die starke Konzentration auch auf den
Naturschutzgedanken und die Erkenntnis, daß die vielen in Ungarn noch
heimischen alten Haustierrassen ein unschätzbares Genreservoir für die Zukunft
der Tierzucht darstellen, das sorgfältig gepflegt werden muß. Neben den
Artenschutzprogrammen in den Nationalparks z.B. in der Bugac-Puszta, die wir am
Tage zuvor besucht hatten, trägt auch die Tierzucht in Bóly diesem Gedanken
Rechnung.
Diese
vielfältige Verflechtung der Probleme, Globalisierung und Artenschutz, sozioökonomische
Transformation und betriebliche Innovation, Minderheiten und Grenzprobleme,
Peripherisierungsprozesse und EU-Perspektiven, können an einem konkreten Ort
und Beispiel wie in Bóly gesehen und erfahren und besser als in jeder
schulischen Theoriediskussion verstanden werden. Das ist ein zentrales Motiv für
das Angebot fachlich vorbereiteter und interdisziplinär durchgeführter
Studienfahrten, ein Stück modernisierter Unterricht... Es wäre nur zu wünschen,
daß auch die Schülerinnen und Schüler diese Chancen deutlicher wahrnehmen und
zielgerichteter nutzen würden und als Vergleichsmaßsstab nicht die
anspruchslose Urlaubsreise, sondern die in der heutigen Zeit härter werdenden
Qualifikationsanforderungen in Schule, Studium und Beruf anlegen würden!
II. Das
Programm in Ungarn: 21./22.5.97
7.
Hinfahrt und Ankunft in Budapest
Am
Abend machten wir unsere erste Bekanntschaft mit Herrn Antal, unserem
Referenten, der ein angesehener Professor in Ungarn ist und mit Frau Cravero,
der Dolmetscherin, die aber auch durch eigenes Wissen zu glänzen wußte.
Herr
Voigt begrüßte die beiden, führte eine kurze Besprechung des Programms für
den nächsten Tag ein und vergab Fahrkarten für die öffentlichen
Verkehrsmittel.
Herr
Prof. Antal begann danach uns vom Csepel
Metallwerk zu berichten. Dieses Werk wurde am 12.12.1892 gegründet, im 9.
Bezirk Budapests. Es war ein ganz kleines Werk, das sich auf die Produktion von
Munition spezialisiert hatte. Kurz darauf gab es einen Defekt, der in einer
Explosion endete und mehreren Menschen das Leben kostete. Somit mußte das Werk
auf die Csepel-Inseln umziehen. Hier wurden aus Abfällen Messing und andere
Legierungen hergestellt. Zu dieser Zeit entwickelte sich das Metallwerk zur größten
Munitionsfabrik, im 50 Millionen Einwohnern zählenden Land. Um 1904 lieferte
man sogar Waffenteile an Japan.
Nach
dem verlorenen 1. Weltkrieg wurde Ungarn verkleinert, das Land verlor Gebiete an
Rumänien, Jugoslawien, die Tschechei und an die Slowakei. 1920 mußte man einen
Vertrag abschließen, der weitere Aufrüstung verbat.
Somit
wurde die Produktion auf zivile Produkte umgestellt. Man übernahm das Verfahren
von Mannesmann das ermöglichte Stahlröhren ohne Schweiznähte herzustellen.
Auch führte man das Elektrolyse-Verfahren ein, weil es ermöglichte qualitativ
besseres Grundmaterial für Messinghülsen zu produzieren.
Im
2. Weltkrieg entwickelte man sich zur Flugzeugmotorenfabrik. Obwohl das Werk und
die Hallen im Sand versteckt waren, wurden sie von den amerikanischen Bombern
zerstört. Damit gab es nach dem Krieg nur noch die Gießerei und das Stahlwerk,
in die hohe Investitionen gesteckt wurden und man sie somit modernisierte. Es
wurde ein eigenes Elektrizitätswerk mit Kraftwerk, ein eigener Hafen und noch
eine Eisenbahnlinie gebaut.
Nach
dem politischen Veränderungen 1989-90 wurden die Hochöfen abgestellt; damit
gab es kein Stahlwerk mehr und auch keine Eisenproduktion. Der Staat verkaufte
die Lagerhallen und Betriebe zum Teil an Japan und Großbritannien. Leider
fanden sich für viele Betriebe auch gar keine Käufer. Heute gibt es noch 230
Kleinbetriebe. Somit hatte die Privatisierung begonnen.
8.
Csepel Metallwerk, 23.5.97
Am
nächsten Tag den 23.5.97 wurden wir nach dem Frühstück von Frau Halstenberg
und Herrn Voigt begrüßt. Desweiteren wurden wir von unseren Referenten Herrn
Prof. Antal und Frau Cravero begrüßt.
Während
der Fahrt durch die Stadt zu unserem heutigen Besichtigungspunkt den Csepel
Metallwerken, gab uns der Professor einen kleinen Einblick in wirtschaftliche
Geschichte von Budapest. 1860 war Ungarn die wichtigste Mühlenstadt Europas.
Das lag daran, daß auch die für diesen Zeitpunkt weit entwickelte
Landwirtschaft und die dadurch erzeugten Güter (z.B. Weizen, Korn und andere
Nutzpflanzen) weiterverarbeitet werden mußten.
Im
gleichen Zeitraum wurde das Donauufer von Menschen erhöht um Budapest besser zu
schützen. Überschwemmungen waren damals häufig, denn die Donau gabelt sich
und bildet die Csepel Insel. Dort stauten sich im Winter die Eisschollen und
auch das Wasser konnte nicht mehr abfließen. Auch heute ist noch zu sehen
welche Schäden das über die Ufer getretene Wasser angerichtet hat. So sind Häuser
aus der Zeit abgesackt, weil das Hochwasser ihr Fundament unterspült hat. Auch
findet man Risse im Fundament. Das ganze Donauufer wurde erhöht und deshalb
sieht es so aus als wären ältere Häuser im Boden vergraben.
Bei
der Fahrt zum Betrieb konnte man die schnell gebauten Plattenbauten sehen, die nötig
waren um die Landbevölkerung aufzunehmen die immer mehr nach Budapest strebte.
Heute bilden diese Hochhäuser einen sozialen Brennpunkt, weil viele Bewohner
arbeitslos sind. Es ist eine wichtige Aufgabe diese Problem zu lösen.
Als
wir am Betrieb angekommen waren, wurden wir begrüßt und in einen Konferenzraum
gebeten. Dort hörten wir einen Vortrag über den Betrieb. Vor der Wende war der
Betrieb ein riesiger maroder Staatsbetrieb, der nach 1989 zerstückelt wurde und
man versucht einzelne Betriebsteile zu verkaufen und modernisieren. Der Gewinn
wurde in den letzten zehn Jahren gesteigert, obwohl etwa 1800 Arbeiter entlassen
wurden. Dies wurde möglich, weil die verbliebenen 1500 Arbeiter wesentlich
produktiver arbeiten.
Danach
wurde eine Werbemappe verteilt die auf Deutsch die Produkte der Betriebes präsentierte.
Es wird sehr detailliert geschildert, wie Bronze und andere Metalle hergestellt
werden.
Der
Referent des Betriebes erwähnte noch was sie alles herstellen, dies sind unter
anderem Buntmetalle und Halbfertigwaren. Der Betrieb war einmal einer der größten
Buntmetallproduzenten der Welt.
Nach
dem Vortrag gingen wir in eine Werkshalle wo Kupferkabel hergestellt werden.
Dort wurden uns sie größten Abnehmer genannt das sind vor allem die USA und
die ehemaligen Ostblockstaaten.
Wir
sahen die Produktion von Kupferdrähten. Zu Beginn wird ein dünner Kupferdraht
durch eine Kupferschmelze gezogen; dabei lagern sich Kupferschichten an. Um
diese in ihrer Kristallstruktur zu homogenisieren wird der Draht mehrmals gepreßt.
Danach wird er geschält und damit die Oxidschicht abgezogen. Das Restprodukt
wird wieder verwendet.
Damit
das Kupfer nicht verschmutzt und während der Anlagerung oxidiert, muß der
ganze Prozeß in einem von Sauerstoff freien Schutzgas stattfinden und ständig
durch diese Gase gekühlt werden.
Wir
verließen die Halle und kamen in eine größere wo Kupferwände hergestellt
werden. Auch hier wurde deutlich wie wenig auf Arbeiterschutz geachtet wird,
denn niemand trug ausreichenden Schutz für das sehr heiße Kupfer. Auch trug
niemand in der Halle davor Ohrschutz, obwohl die Maschine sehr laut war.
Uns
wurde wieder sehr genau der Produktionsweg beschreiben. So ist es bei Kupfer
sehr wichtig wie die Kristalle angeordnet sind, denn dies bestimmt die Qualität.
Die Anordnung der Kristalle werden durch die Platten bestimmt durch die das flüssige
Kupfer gepreßt wird. Da sie sich nach 8 Wochen abnutzen, müssen sie
ausgetauscht werden. Nur dazu wird der ansonsten kontinuierliche
Produktionsprozeß unterbrochen.
Danach
verließen wir den Betrieb und wir hatten am Nachmittag Freizeit.
Christoph Möbus, Holger Nickel, Moritz Otte
CSEPEL
MÜVEK FÉMMÜ BUDAPEST Gegründet 1892
Am
12. Dezember 1892 pachteten Berthold und Manfréd Weiss für 15 Jahre ein
290.000 m² grosses Gebiet im Bezirk Csepel und gründen ein Werk zur
Herstellung von Patronenhülsen für Waffen, welches sich aber hauptsächlich
mit der Regenerierung und erneuten Montage von Patronenhülsen beschäftigt, und
zwar zuerst unter den Namen „Berthold und Manfréd Weiss, Erstes Ungarisches
Konserven- und Erzwarenwerk“ und dann später als „Manfréd Weiss, Stahl-
und Metallwerke AG“. Dieser Datum ist mit dem Beginn der Geschichte der Csepel
Müvek Fémmü – bzw. deren Rechtsvorgänger – verbunden.
Das
von ihnen zuerst nur gepachtete Gebiet wurde im Jahre 1895 von ihnen aufgekauft
und in den Jahren 1899 und 1907 wurden zwecks Erweiterung des Werkes weitere
Gebiete dazugekauft.
In
den Jahren 1895-96 bauen sie die Metallgiesserei und das Walzwerk auf und damit
entsteht die erste ungarische Basis der Buntmetall-Metallurgie. In der
Metallgiesserei werden in drei Schmelzöfen (mit je 4 Stck. Graphittiegeln)
Messing in einer Qualität ähnlich CuZn 30 und in kleineren Mengen auch andere
Legierungen (Zinnbronze, Blei-Antimon, Zinn-Blei) produziert.
Laut
den Angaben in den Giessereitagebüchern wurden täglich 2 bis 3 Chargen
gegossen und zwar mit einem Gewicht zwischen 15 und 80 kg. Die Einlage (Charge)
bestand zu 30-70% aus Abfällen (größtenteils aus Patronenhülsen) der übrige
Teil aus Buntmetall. Die Chargen wurden auf das Gramm genau eingewogen, was auf
eine strenge Einhaltung der Fertigungsvorschriften folgern lässt.
Im
Jahre 1897 war auch schon die Metallbandwalzerei mit 2 Walzgestellen in Betrieb,
dieser Betriebsteil wurde schon in den Jahren 1899-1900 um weitere zwei
Walzstrassen erweitert. Damit kam in Csepel die Basis der vertikalen Fertigung
zustande, was der Kriegsmaterialproduktion einen grossen Aufschwung gab. Von
dieser Zeit an wurde das zur Patronenhülsenfertigung benötigte Messingband in
den Metallwerken hergestellt, aber ausserdem auch Handelsartikel.
Im
Jahre 1904 wurde mit der Messingdrahtproduktion begonnen, welche zum grössten
Teil für den Export arbeitete. Im Jahre 1907 existierte schon ein selbständiger
Raffineriebetrieb. In diesem Jahr wendete der damalige Direktor der Metallwerke
Ericksen – als erster auf der Welt – die später nach ihm benannte Tiefziehfähigkeits-Prüfung
an, welche aus den Metallwerk ausgehend auf der ganzen Welt verbreitet wurde.
Im
Jahre 1910 wird der neue Rohr- und Stangenziehbetrieb in Betrieb genommen,
welcher die weitere Entwicklung der Metallverarbeitung ermöglichte. Im Jahre
1911 wurde die 1000 Tonnen Horizontalpresse zum Warmpressen von Stangen in
Betrieb gesetzt.
Im
Jahre 1913 wurde die Mannesmann-Rohrwalzstrasse in Betrieb gesetzt, auf welcher
während des 1. Weltkrieges ausschliesslich nur Granaten gefertigt wurden. Von
1920 bis zu ihrem Abbau im Jahre 1964 wurde sie zur Rohrherstellung verwendet.
Im
Jahre 1915 wurde auch ein Elektrolyse-Betrieb erbaut, da ja zu den im
Tiefziehverfahren hergestellten Messinghülsen ein Grundmaterial mit höherer
Qualität benötigt wurde.
Während
des Ersten Weltkrieges entstand in den Metallwerken eine bedeutende
Buntmetallurgiebasis, welche sich – die Aluminiummetallurgie und die
Aufarbeitung abgerechnet – bis 1957 kaum verändert hat. Wenn sich die Anlagen
auch nicht veränderten, so wurde doch die Produktionsstruktur und die
Zusammensetzung der Produkte den Bedürfnissen der friedlichen Produktion
angepasst.
In
Csepel gab es im 1. Vierteljahr des Jahres 1920 nur ca. 1500 Beschäftigte, aber
davon gehörten ca. 250-300 Personen zu den Arbeitern der Metallwerke.
Die
technische Entwicklung und die Erweiterung der Csepel-Werke machten auch die
Entwicklung eines Handelsnetzes nötig. Deshalb wurde von der Weiss Manfred
Metallwerk AG eine Grosshandelsorganisation aufgebaut (Ferroglobus, Termoglobus).
Im Verlaufe dessen gründen sie im Jahre 1927 den Metalloglobus, welcher den
Buntmetallhandel besorgt und bis zum heutigen Tage eines der grössten
ungarischen, sich (auch) mit dem Buntmetallhandel beschäftigendes Unternehmen
ist. Im Jahre 1927 wurde in den Hüttenbetrieben die 60-Stunden-Woche aufgehoben
und die 48 Stunden Woche eingeführt.
Anfang
der Dreissiger Jahre begann die Herstellung von Aluminium-Halbzeugen, es wurde
Aluminiumblech und gezogenes Profil gefertigt. Zu dieser Zeit waren die Csepeler
Metallwerke die grössten des Land es, und sogar eines der bedeutendsten
Metallwerke Mitteleuropas. Der inländische Markt erwies sich als zu eng, so
wurde der Export immer bedeutender. Infolge der Tätigkeit der Metallwerke überstieg
der Export der Buntmetall-Halbzeuge (Indien, Türkei, Griechenland, Ägypten,
Italien) den Import.
Im
Jahre 1931 bedeutete die Herstellung der zur Elektrifizierung der
Eisenbahnverbindung zwischen Budapest und Hegyeshalom benötigten
Kupfer-Arbeitsleitung eine grosse Aufgabe für die Metallwerke.
Die
Leichtmetall-Formgiesserei begann im Jahre 1933-34 mit dem Guss von Einzelteilen
für die Flugzeug- und Autoindustrie, sowie von Kurbelgehäusen.
Die
Produktion der Metallwerke machte im Jahre 1937 14 Millionen Pengö aus, was zum
damaligen Wechselkurs einer Summe von 3,5 Millionen USD entsprach. Davon betrug
der Wert des Exportes 1 Million Pengö. Laut einer verbliebenen technologischen
Aufstellung stellten die Metallwerke zu dieser Zeit 46 verschiedene
Schwermetallegierungen her,
Während
des II. Weltkrieges waren folgende Betriebe in den Metallwerken in Betrieb:
Messinggiesserei, Rollkupfer- und Messingwalzwerk, Edelstahlwalzwerk,
Rohrziehbetrieb, Stangenziehbetrieb, Drahtziehbetrieb, Kupferraffinerie,
Kupferelektrolyse, 3500 Tonnen Presse. Mit der deutschen Besetzung Ungarns änderte
sich gleichzeitig auch die Lage der „Manfréd Weiss Stahl- und Metallwerk
AG“. Die im weiten Sinne definierte Weiss-Familie reiste ins neutrale Ausland.
Während
des Krieges erlitten die Metallwerke schwere Schäden. Während den Angriffen am
3. IV. 1944. und 27. Vl. 1944. bekamen die Spindelzieh-, Stangenzieh-,
Rotkupferwalz- und Bandwalzbetriebe Bombentreffer.
Produktion der Metallwerke in den Jahren 1936-1944
Jahresproduktion in Tonnen
|
|
Schwarzmetall
|
Leichtmetall
|
Eisen
|
Insgesamt
|
|
|
Cu
|
Al
|
Fe
|
|
|
1936
|
10.773
|
1.109
|
7.184
|
19.066
|
|
1937
|
10.876
|
913
|
8.091
|
19.880
|
|
1938
|
15.114
|
1.261
|
8.841
|
25.216
|
|
1939
|
keine
Daten
|
|
1940
|
17.415
|
3.043
|
10.249
|
30.707
|
|
1941
|
4.030
|
3.029
|
10.822
|
17.881
|
|
1942
|
4.103
|
2.746
|
11.509
|
18.358
|
|
1943
|
4.297
|
3.787
|
10.619
|
18.703
|
|
1944
|
3.240
|
4.098
|
6.129
|
13.467
|
Im
Jahre 1945 steigerte sich die Produktion, überstieg aber im April nur um
weniges 50% der durchschnittlichen monatlichen Produktion des Jahres 1938.
Im
Jahre 1946 betrug die Belegschaftszahl und die Kapazität (in Tonnen) der
einzelnen Betriebe der Metallwerke:
|
|
Personen
|
Schwermetall
|
Leichtmetall
|
Eisen
|
|
Messing-
und Aluminiumwalzstrasse
|
250
|
200
|
350
|
–
|
|
Rotkupferwalzstrasse
|
125
|
90
|
–
|
50
|
|
Bandwalzstrasse
|
130
|
40
|
–
|
120
|
|
Edelstahl
|
35
|
–
|
–
|
35
|
|
Drahtziehbetrieb
|
85
|
40
|
23
|
42
|
Am
1. Dezember 1946 wurden auf eine Verordnung des Ministerpräsidenten die vier grössten,
für Wiedergutmachungen arbeitenden Werke, unter diesem auch Csepel in
staatliche Verwaltung genommen, und zwar so lange, bis die Wiedergutmachung
beendet wurde. Die Produktion der Metallwerke steigerte sich laufend, aber auch
im September 1947 erreichte sie noch nicht das Produktionsniveau von 1938, was
teils auf den Mangel an Rohmaterial und teils auf das Fehlen von Devisen zurückzuführen
ist.
Wenn
auch das Produktionsvolumen hinter dem des Jahres 1938 zurückblieb konnte das
Metallwerk zu dieser Zeit den grössten Teil des Buntmetall- und
Leichtmetall-Halbzeugbedarfes des Landes befriedigen.
Im
März 1940 gelangte das Werk in staatliches Eigentum. In den folgenden Jahren
nach dem 11. Weltkrieg wurden ca. bis 1949 die Kriegsbeschädigungen an den
Betrieben des Unternehmens behoben. In diesem Zeitraum und in den
darauffolgenden Jahren sank infolge der allgemeinen Buntmetall-Sparmassnahmen
der Bedarf an Halbzeugen und da die vorhandenen Anlagen den verringerten Bedarf
– obwohl unwirtschaftlich – sichern konnten, wurde das Unternehmen nicht
entwickelt. Im Ergebnis dessen wurden zwischenzeitlich ein grosser Teil der
Betriebe der Metallwerke unmodern und sogar veralten.
In
den Jahren 1958-1959 wurde an der Stelle der veralteten Kupferwalzstrasse eine
neue Eisenwalzstrasse erbaut und es wurde mit den Produktionsversuchen von
arbeitsintensiven nachrichtentechnischen Legierungen.
Wegen
dem erhöhtem Bedarf war in den Jahren nach 1959 die inländische
Halbzeugfertigungskapazität nicht mehr ausreichend. Deshalb nahm sich die im
Jahre 1961 begonnene neue Etappe der Unternehmensentwicklung zum Ziel, dass sie
mit der Modernisierung der Metallwerke, mit der Qualität ihrer Produkte und mit
der Wirtschaftlichkeit ihrer Produktion das Weltniveau erreichen will, und dabei
soll sie auch den inländischen Bedarf an Halbzeugen mit gewöhnlich kleinem
Positionsgewicht befriedigen. In diesem Rahmen wurde ein neuer
Kupferelektrolisierungsbetrieb erbaut, und der zweite
Drehtrommel-Kupferraffinerieofen in Betrieb gesetzt.
Zum
Erfolg der Produktentwicklungsarbeiten trug im grossen Masse bei, dass mit der
Schaffung eines Versuchsbetriebes das Unternehmen eine von der täglichen
Produktion unabhängige Möglichkeit geschaffen hatte.
Verlauf der Produktion der Metallwerke in den
Jahren zwischen 1949 und 1966
27 444 t von 1944 = 100 %
|
1949
|
100,0%
|
|
1954
|
140,9%
|
|
1959
|
147,9%
|
|
1964
|
219,0%
|
|
1950
|
121,1%
|
|
1955
|
155,0%
|
|
1960
|
156,4%
|
|
1965
|
255,2%
|
|
1951
|
130,4%
|
|
1956
|
136,7%
|
|
1961
|
174,6%
|
|
1966
|
292,6%
|
|
1952
|
160,4%
|
|
1957
|
141,0%
|
|
1962
|
175,4%
|
|
|
|
1953
|
169,6%
|
|
1958
|
136,7%
|
|
1963
|
192,9%
|
|
|
Wenn
wir auch die Abmessungsauswahl berücksichtigen, so hat das Metallwerk im Jahre
1965 mehr als 53.000 Produkte mit abweichenden Zusammensetzungen und Abmessungen
hergestellt. Neben einer solchen Produktzusammensetzung wurde eine
Profilbereinigung unumgänglich, deren grundlegendes Ziel war, dass sich das
Metallwerk mit grösserer Energie mit der Entwicklung der Buntmetallmetallurgie
beschäftigen konnte.
Zwischen
1960 und 1966 wurde im Metallwerk die moderne Wärmebehandlung mit Schutzgas
verwirklicht, es wurde ein gesonderter Wärmebehandlungsbetrieb mit Wasserstoff
geschaffen. Es wurden mit Schutzgas betriebene EBNER Helmöfen und EBNER Überzug-Dekarbonisierungsöfen
erbaut. Neben den mit Schutzgas betriebenen Wärmebehandlungsöfen wird im
Bandwalzwerk das aus sowjetischer Produktion stammende reversierbare „Quarto“
Walzgerüst mit der dazugehörigen halbautomatischen Blankbeizanlage, das 12
zylindrische „Sendzimir“ Gerüst und das zum Walzen von dünnen Bändern
geeignete 20zylindrische „Rohn“ Gerüst in Betrieb gesetzt.
Im
Jahre 1967 wird der Bau der Feinmetallurgie-Giesserei beendet und die
OFHC-Anlage angefahren.
Die
Inbetriebsetzung der mit ständigem Schutzgas arbeitenden Kupfer-,
Giessereianlage ermöglichte die Produktion von hochreinem und hochleitfähigen
Kupfer in OFHC-Oualität.
Im
Jahre 1968 begannen die Schmelzöfen vom Typ ILK und die vertikalen, ständig
arbeitenden Giessereimaschinen mit der Produktion.
In
dem neuen Rohr- und Stangenziehbetrieb und auf den dazugehörigen vertikal
angeordneten neuen 630 Tonnen und 2000 Tonnen Horizontalpressen erreicht die
Rohr- und Stangenfertigung ein modernes Niveau.
Es
wurde eine „Schumag“ und eine 20 Tonnen „Kieserling“ Stangenzieh-, eine
12,5 Tonnen und eine 20 Tonnen „Kieserling“ automatische
3-Strang-Rohrziehmaschine installiert.
Im
Jahre 1967 beginnt die Dynamoband-Produktion und in den folgenden Jahren
steigert sich die Produktion auf das Mehrfache, ab 1970 steigert sich sogar der
Export bedeutend.
Es
kam auch die Entwicklung der Leichtmetall-Formguss-Produktion an die Reihe,
weiche die Technologie der Kurbelgehäuse modernisierte und die Kapazität
steigerte. Als neues Produkt erscheint der Motorblock, dessen Export im Jahre
1967 begann.
Während
im Jahre 1965 nur 14% der Produktionsmenge im Ausland vertrieben wird, war das
Verhältnis im Jahre 1970 auf 25% gestiegen. Im Rahmen der Entwicklung der
Metallbandfertigung im Jahre 1973 begann in der Metallgiesserei die mit
waagerechtem ständigem Guss kristallisierte Bandstreifenproduktion und zwar mit
der Inbetriebnahme einer deutschen Einstrang-Giessereimaschine, auf die im Jahre
1975 eine gleiche, aber Zweistrang-Maschine folgte.
Im
Jahre 1974 wurde der neue Blankbeizbetrieb des Metallwerkes fertiggestellt und
ein moderner neuer Werkzeugbetrieb errichtet, welcher die Fertigung, Wartung
bzw. Entwicklung der speziellen Fertigungs- und Verbrauchsmittel des
Unternehmens vereint. Es wurde die neue Schwermetall-Bandfertigungshalle
(Betriebshalle Nr. IV) erbaut, welche mit hochgenauen „Fröhling“ duo und
quarto – reversierbaren – Walzengerüsten und „EBNER“ Überzug-Wärmebehandlungsanlagen
bestückt wurde. Der Zweck war den Import des inländischen Bandbedarfes abzulösen.
Im
Jahre 1979 tritt das Walzengerüst vom Typ Waterbury Farrel Sendzimir in die
Fertigung ein, und ein neues „Fröhling-quarto“ Walzengerüst wird
installiert, ausserdem wird die neue Wärmebehandlungshalle fertiggestellt und
der Vakuum-Betrieb beginnt zu arbeiten.
Der
DFMC-Betrieb wird fertiggestellt und damit wird die Produktion des bisher in den
grössten Mengen gefertigten Produktes – der mit veralteter, herkömmlicher
Technologie (Guss, Walzen) und niedriger Produktivität hergestellte –
Kupfer-Walzdrahtes eingestellt, und an seine Stelle tritt der, höhere
Anforderungen befriedigende DFMC-Draht, ein Produkt des laut der durch die
amerikanische Firma General Elektrik entwickelten „dip forming“ Technologie
arbeitenden Betriebes.
Mit
der Modernisierung der Buntmetallband-Herstellung bürgert sich die Produktion
von Präzisionsbändern aus Kupferlegierungen und Neusilber sowie die Produktion
von Bändern in einer stabilisierten Stoffstruktur und mit dünnen Abmessungen.
In der Erzeugnisgruppe der kalt gewalzten Stahlbänder spielt neben den herkömmlichen
Handelsmaterialien die Fertigung der auf jedem Markt vorteilhaft absetzbaren
elektrotechnischen Stahlbänder eine immer grössere Rolle.
In
der in Morfungierenden Werkseinheit wurde ein neuer Elektrodenbetrieb erbaut und
zwar wurde auf einer schwedischen Lizenz (ESAB) mit der Produktion von 12
verschiedenen Handschweisselektroden und Schweisspulver vom Typ PANFLUX
begonnen. Nach dieser Entwicklung wurde das Csepeler Elektrodenfertigende Werk
aufgelöst, welches mit einer veralteten Technologie arbeitete und weiches weder
den Mengenbedarf noch den Qualitätsbedarf der inländischen Verbraucher
befriedigen konnte.
Mit
Wirkung vom 1. Juli 1983 löste die Regierung den Trust der Csepeler Eisen- und
Metallwerke auf. Die Metallwerke fungierten ab 1. Juli 1983 unter den Namen
Csepel Müvek Fémmü mit völliger Selbständigkeit weiter, nur unter Aufsicht
der Staatsverwaltung. Ab 1. Juli 1985 übernimmt der Rat des Unternehmens die
Aufsicht, die staatliche Eigentumsform blieb weiterhin bestehen.
Bis
zum 1. Januar 1983 vertrat das aus vier Niederlassungen bestehende Unternehmen
praktisch selbst den Zweig der Schwermetallmetallurgie in der Volkswirtschaft,
danach machten sich aber innerhalb kurzer Zeit zwei Niederlassungen selbstständig.
Die
Praxis der bisherigen Entwicklungsarbeit hatte bewiesen, die Herstellung von
modernisierten Produkten nicht ohne eine Forschungs-, Produkt- und
Technologieentwicklungstätigkeit denkbar ist, welche immer eng in Verbindung
mit den Bedürfnissen, den Produktionsmöglichkeiten und der Qualität steht.
Deshalb
wurde ein im Rahmen des Unternehmens fungierendes Institut ins Leben gerufen,
weiches in der Lage ist die gesamte Entwicklungskette eines neuen Produktes,
beginnend von der Forschung bis zur Herstellung des Produktes zu erfassen.
Beginnend
von der zweiten Hälfte der 80-iger Jahre ermöglichte das Regulierungssystem
der staatlichen Wirtschaft nicht mehr die Durchführung von grösseren
Investitionen, die knappen finanziellen Quellen verwendete das Unternehmen
hauptsächlich dazu um auf dem gleichen Niveau zu bleiben bzw. war es gezwungen
diese für Umweltschutzinvestitionen zu verbrauchen,
Der
neue Kupferraffinierbetrieb der Metallwerke wurde im Jahre 1986 in Betrieb
besetzt. Die wichtigsten Anlagen des Betriebes: Schachtschmelz- und
Oxydierungsflammöfen, reduzierender Flammenofen, Giesstrasse, Absaug- und
Staubabscheide-System.
Das
vom Umweltschutz-Standpunkt gesehene sehr wichtige Staubabscheide-System wurde
von der westdeutschen Firma Intensiv Filter geliefert.
In
dem neuen Betrieb werden die entstehenden Rauchgase jeder metallurgischen Phase
durch ein Absaugsystem auf die Staubabscheider gebracht, wo der Staub zuerst in
einem Vorabscheiderkühler und dann in Sackfiltern so abgeschieden wird, dass
max. ein Wert von 50 mg/ml in den Luftraum gelangt, weicher auch den strengsten
Umweltschutzvorschriften entspricht. Gleichzeitig damit wurde die alte
Kupferraffinerie, welche mit Drehtrommelöfen betrieben wurde und wegen dem
Fehlen einer Staubabscheider-Anlage mit einer sehr hohen Luftverschmutzung
arbeitete, abgerissen. Eine ähnliche Anlage haben wir in Oktober 1991 auch in
der zum Schmelzen des Messings und zum Giessen dienenden Giesserei eingebaut.
Im
Jahre 1991 wurde der zur Werkseinheit Mór gehörende Elektrodenbetrieb,
gemeinsam mit der schwedischen ESAB-Gruppe unter den Namen „ESAB-Csepel
Schweissmaterialherstellungs GmbH“ zu einer GmbH mit gemischten Eigentumsverhältnissen
umgebildet, und schied somit aus der unmittelbaren Csepeler Führung aus.
Anfang
des Jahres 1992 wurde wegen der ständig sinkenden Nachfrage der sehr gelobte
Aluminiumbetrieb aufgelöst und damit schied ein fast 60-jähriges
Fertigungsprofil aus der Produktstruktur aus.
Produktionsverlauf und Belegschaft
Zwischen 1967 und 1991
|
|
Produktion
in Tonnen
|
Belegschaft
Personen
|
Produktion
auf 1 Person
|
|
|
Produktion
in Tonnen
|
Belegschaft
Personen
|
Produktion
auf 1 Person
|
|
|
|
|
|
Tonne/Pers.
|
|
|
|
|
Tonne/Pers.
|
|
|
1967
|
78.893
|
3.883
|
20,3
|
|
1991
|
53.807
|
1.789
|
30,1
|
|
|
1968
|
80.812
|
3.878
|
20,8
|
|
1978
|
120.618
|
4.083
|
29,5
|
|
|
1969
|
87.311
|
4.001
|
218
|
|
1979
|
101.601
|
3.861
|
26,3
|
|
|
1970
|
92.650
|
3.884
|
23,9
|
|
1980
|
112.281
|
3.611
|
31,1
|
|
|
1971
|
106.468
|
4.166
|
25,6
|
|
1981
|
117.590
|
3.407
|
34,5
|
|
|
1972
|
96.577
|
3.881
|
24,9
|
|
1982
|
116.483
|
3.319
|
35,1
|
|
|
1973
|
106.147
|
3.722
|
28,5
|
|
1983
|
109.016
|
2.888
|
37,7
|
|
|
1974
|
106.203
|
3.643
|
29,2
|
|
1984
|
106.957
|
2.467
|
43,4
|
|
|
1975
|
102.843
|
3.513
|
29,3
|
|
1985
|
115.251
|
2.424
|
47,5
|
|
|
1976
|
129.895
|
4.355
|
29,8
|
|
1986
|
117.149
|
2.429
|
48,2
|
|
|
1977
|
129.431
|
4.244
|
30,5
|
|
1987
|
121.654
|
2.259
|
53,9
|
|
|
1989
|
113.212
|
2.120
|
53,4
|
|
1988
|
123.699
|
2.149
|
57,6
|
|
1990
|
84.911
|
1.944
|
43,6
|
|
|
Zum hundertsten Jubiläum der Csepel Müvek Fémmü
produzieren folgende Betriebe noch:
Kupfermetallurgie Werkseinheit:
Kupferraffinerie
und Elektrolyse-Betrieb (durch Feuer und Elektrolyse verfeinertes Kupfer)
Vakuum-Giesserei
(Barren aus besonderen Kupferlegierungen, Nickel und Nickellegierungen)
DPMC-Betrieb
(dipforming-Draht aus Kupfer und mit Silber legierten Kupfer)
Walzwerk-Werkseinheit:
Metallgiesserei
(gegossene
Bänder aus Kupfer und Kupferlegierungen Metallbandwalzwerk (kaltgewalzte
gewalzte Bänder aus Kupfer und Kupferlegierungen) Feinbandwalzwerk
(unlegierte
Stahlbänder, mit Silizium legierte Dynamobänder)
Ziehwerk-Werkseinheit:
Feinmetallurgie
Giesserei (Barren aus Kupfer und Kupferlegierungen)
Pressenbetrieb
(gepresste Stangen und Rohre aus Kupfer und Kupferlegierungen)
Rohr-
und Stangenziehbetrieb (gezogene Stangen und Rohre aus Kupfer und
Kupferlegierungen)
Draht-Ziehbetrieb
(Draht aus Kupfer und Messing)
Werkseinheit Mór:
(gezogene
Stangen und Rohre aus Kupfer und Kupferlegierungen).
Quelle: Informationsmappe
der CSEPEL MÜVEK FÉMMÜ BUDAPEST
9. Die Geschichte von
Budapest und Besuche im Museum, 24.5.97
Am Anfang dieses Tages
stand das Ungarische Nationalmuseum auf unserem Programm. Professor Antal erläuterte
uns einige geschichtliche Faktoren in der Entstehung Budapests.
Die Ungarische
Hauptstadt besteht aus drei Teilen – Buda, Obuda und Pest. Im Volksmund wird
Budapest auch „Die Stadt der Bäder“ genannt. Dies liegt daran, daß es an
der Donau eine Reihe von warmen und kalten Quellen gibt, an denen
Thermal-Badeanlagen gebaut worden sind.
Ein geographischer
Grund für das Entstehen der Siedlung Pest ist die Donau. Vor ca. 2000 Jahren
wurde die erste Siedlung an der engsten Stelle der Donau gegründet, wo dann
auch die Römer ihre Festungen errichtet hatten, damit die Ostvölker nicht über
die Donau gelangen konnten.
Das slawische Wort
„Pest“ bedeutet Höhle. Die Siedler aus dem Süden orientierten sich an
diesen Höhlen. Sie dienten als Erkennungszeichen und Richtungsweiser für die
auf der Donau fahrenden Boote. In den dreißiger und vierziger Jahren des 20.
Jahrhunderts dienten diese Höhlen als Übernachtungsmöglichkeit für Bettler
und Obdachlose.
Mit der Zeit erkannte
man, daß es in den Budapester Bergen ein enormes Kalksteinvorkommen gab. Dieses
wurde zum Bau von Häusern genutzt. Der Vorteil des Kalks lag darin, daß er
sehr weich ist und sich deshalb gut verarbeiten läßt.
Das damalige Budapest
kristallisierte sich mit der Zeit als eine Handelsstadt heraus. Die Handelsstraßen
der Römer wurden genutzt und finden sogar heute noch Verwendung. Eine der
wichtigsten führte vom Mittelgebirge direkt nach Budapest. Als Rohstoffe wurden
Holz, Kalk und weitere Minenprodukte transportiert.
Die ersten Häuser
wurden wegen der Angst vor den Mongolen auf dem Burgberg gebaut. Budapest wurde
nach dem Mongolen-Einbruch durch König Adalbert IV zur Hauptstadt erklärt
(vorher war es Esztergom). Nach dem Krieg gegen die Mongolen wurde der Bau der
1. Stadtmauer angeordnet. Diese Mauer verlief vom Calvin-Platz bis zur
Freiheitskirche. Einige Reste sind heute noch vorhanden und zu besichtigen.
In der 2. Hälfte des
18. Jahrhunderts dehnten sich die Siedlungen wegen des „verbauten“
Stadtzentrums in die Peripherien aus. Deshalb wurde auch die Akademie der
Wissenschaft außerhalb der Stadtmauern erbaut.
Nach diesem Vortrag
von Professor Antal begaben wir uns in das Innere des Museums. Die folgenden
Informationen entnahmen wir den Hinweistafeln im Museum.
Stefan I wurde vom
Papst zum ersten ungarischen König gekrönt. Ungarn wurde zwischen 1521 und
1526 in drei Teile geteilt. Ein Teil gehörte zum Habsburger Reich, ein weiterer
zum Osmanischen und der kleinste Teil war der Freistaat Siebenbürgen.
Nachdem die Osmanen
zweimal vergebens versucht hatten Wien einzunehmen um einen optimalen Stützpunkt
zur weiteren Eroberung Mitteleuropas zu erlangen folgte im Jahre 1593 der 15jährige
Krieg. Dieser veränderte die Machtverhältnisse in Ungarn radikal. Durch den
Tod des osmanischen Heerführers gelang es den Habsburgern die nun desolate
osmanische Armee nach Süden zu vertreiben.
Gegen Mittag teilten
wir uns in 4 kleine Gruppen auf, um ein jeweils anderes Museum zu besuchen.
Protokollanten: René Hänschen, Adam Sajda, Matthias Klar. Endfassung:
Matthias Klar
10. Das
Naturwissenschaftliche Museum in Budapest
Nachdem
wir heute gemeinsam das Ungarische Nationalmuseum besichtigt haben, teilen wir
uns in 4 kleine Gruppen auf, um verschiedene andere Museen zu besuchen. Prof.
Antal ging mit 4 meiner Mitschüler und mir in das Naturwissenschaftliche
Museum.
Die
ökologisch historische Ausstellung mit dem Titel „Mensch und Natur in
Ungarn“ ist in einem modernen Neubau untergebracht und sehr professionell und
interessant gestaltet. Sie zeigt fast alles von geologischen über
siedlungsgeschichtliche bis hin zu modernen Aspekten der Naturwissenschaft in
Ungarn. Zu bewundern sind nachgestellte Jagd- und Lebensszenen mit ausgestopften
Tieren und nachgebildeten Person. Funde von Skeletten, Teilskeletten und
mumifizierten Menschen und Tieren sind in Glasvitrinen ausgestellt. Auch moderne
Aspekte wie Energiegewinnung und Umweltschutz werden gezeigt. Sehr interessant
ist auch der Bereich, in dem die Arbeit der Archäologen vermittelt wird. Zum
Beispiel kann man in einer Glasvitrine nachvollziehen wie diese das Gesicht
eines Urmenschen unter Vorlage eines ausgegrabenen Schädels rekonstruieren.
Durch
die vielen Informationen, die wir durch die Tafeln im Museum und Prof. Antal
erhielten, wurde dieser Museumsbesuch zu einem sehr interessanten und
informativen Erlebnis.
Matthias Klar
11. Das
Museum der Schönen Künste am Heldenplatz
Angelegt
wurde die Sammlung Alter Kunst von der Magnatenfamilie der Ezterházy, zu deren
Besitz andere Sammlungen und Schätze aus Fürstenhand in diese heute staatliche
Galerie hinzukamen. Das Museum der Schönen Künste gehört zu dem
beeindruckenden architektonischen Ensemble des Hösök tér, des Heldenplatzes,
in dessen Zentrum, flankiert von der Ausstellungshalle und eben dem Museum das
Halbrund der Galerie der Bronze-Helden die Siegessäule und das Grabmal des
Unbekannten Soldaten umgeben, hinter denen sich das Stadtwäldchen mit »Tivoli«,
Schlittschuhbahn und dem Ausstellungsgelände der Milleniarfeier und Ungarischen
Nationalausstellung gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts erstreckt.
Die
Gemäldesammlung zeigt einen beeindruckenden Querschnitt wichtiger europäischer
Kunst, mit Schwerpunkten in der der italienischen Renaissance und dem
Manierismus, in der flämischen Barockmalerei und in der spanischen Kunst des Spätbarock.
Eine
Gruppe unter der Leitung von Frau Halstenberg und Herrn Voigt vertiefte sich in
diese große Sammlung, ohne mehr als einen ersten Eindruck und Überblick
gewinnen zu können.
Hervorgehoben
werden sollte hier nur der Saal mit Meisterwerken von El Greco, die den
Betrachter durch ihre Intensität überaus stark in Bann ziehen. Eine halbe
Stunde der Versenkung vor diesen Werken, vor allem einem Selbstportrait und
einer großen Szene Christi im Garten Gethsemane wühlte schwer zu beschreibende
Gefühle auf, die für mich – notwendigerweise – den Abschluß des Tages und
der Aufnahmefähigkeit bedeuteten.
12. Das
Verkehrsmuseum
Das
Verkehrsmuseum ist für allte historisch interessierte »Technikfans« bei einem
Budapestbesuch ein »Muß«. Modelle, Pläne und Dokumente aus der ungarischen
Seeschiffahrt (ja die gab und gibt es mit Heimathäfen im Schwarzen Meer: in der
Tradition der Habsburgerzeit, als Triest zum ungarischen Teilstaat gehörte),
aus der Luftfahrt, dem Eisenbahnwesen und dem ÖPNV. Eine Modelleisenbahn lockt
dann auch den Spieltrieb.
Interessant
ist die hier dokumentierte Bedeutung und Aktualität der
technisch-infrastrukturellen Visionen und Anstöße des Reformers Graf Széchenyi
in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, der. z.B. schon den Bau des
Rhein-Main-Donau-Kanals angeregt hatte – und überdies u.a. Initiator des
Eisenbahnwesens in Ungarn und der Balaton-Dampfschiffahrt war.
13.
Aquincum, Szentendre, Donauknie und Esztergom, 25.5.97
Am
25.05.1997 auf der Studienfahrt in Ungarn gab Herr Voigt als Motto für den
Tagesausflug ans Donauknie die „Königstour“
aus. Aufgrund eines Diebstahls im Studentenwohnheim konnten wir erst verspätet
in Richtung Szentendre aufbrechen.
Auf
ein Weg nach Szentendre kamen wir
jedoch noch an der römischen Militärstadt
von Aquincum, einer erst kürzlich bei Straßenbauarbeiten teilweise
ausgegrabenen Ruinenstadt in Obuda,
vorbei, wo wir die Grundmauern des Amphitheaters
sehen konnten.
Herr
Voigt machte darauf aufmerksam, daß für alte römische Städte dieser Art
Amphitheater typische städtische Einrichtungen waren, wie auch Forum, Thermen,
Bäder und Markthallen, in denen sich das öffentliche Leben abspielte. Das
Militärlager von Aquincum lag einige Kilometer südlich in Richtung des
heutigen Budapest von der dazu gehörigen Bürgerstadt
Aquincum entfernt und wurde von dort aus mit einer zwanzig Kilometer
Wasserleitung, einem Aquädukt, mit frischem Trinkwasser versorgt. Daher kommt
auch der Name dieser römischen Kolonial- und Grenzstadt: Aquincum hat eine
keltische Sprachwurzel und bedeutet etwa ›Am
frischen Wasser‹.
In
früher römischer Zeit erfüllte das Amphitheater einen religiösen Zweck in
der Tradition des antiken griechischen Theaters, wohingegen es später in der
Zeit des römischen Imperiums vor allem als Vergnügungs- und
Unterhaltungszentrum Schauplatz für Tragödien, Tier- und Gladiatorenkämpfe
diente. Dies geschah jedoch erst, als sich eine gewisse verweltlichte
Unterhaltungskultur entwickelt hatte.
Die
Gladiatoren waren gut ausgebildete Kämpfer, welche durch Siege in
der Arena viele Privilegien erhalten konnten. Es war also ein großer Anreiz für
sie gegeben, allerdings mußten sie sich auch mit den Gefahren leben, welche das
Gladiatorendasein in sich barg. Ein Kampf war nämlich erst beendet, wenn einer
der beiden Kontrahenten tot in der Arena lag oder wenn der Unterlegene wegen
seiner Tapferkeit vom anwesenden Militärkommandanten oder dem Vertreter der
zivilen Obrigkeit begnadigt wurde. Das anzuzeigen, diente die bekannte Geste des
aufwärts oder, als Urteil für den Todesstoß, abwärts gerichteten Daumens.
Auch
konnten wir dann einen kurzen Blick auf die Ausgrabungsstätte der Bürgerstadt Aquincum werfen, deren ausgegrabenen Grundmauern gut
erhalten waren, da sie vor Witterungseinflüssen gut geschützt waren. Die
Ruinenstadt war leider nicht vollständig ausgegraben, da große Teile der Stadt
durch die Erschließung des Umlands von Budapest bereits überbaut waren.
Budapests Umland zeichnet sich durch eine ausgeprägte und intensive
Landwirtschaft aus. Diese nutzt nördlich von Budapest mit seinen mesozoischen
Kalkvorkommen der Budaer Berge die Fruchtbarkeit des hier anstehenden
Tiefengesteins. Die umliegenden Berge bestehen teilweise auch aus vulkanischem
Gestein, das bis zum Donauknie anzutreffen ist.
Nach
dem kleinen Exkurs in die römische Vergangenheit fuhren wir weiter nach
Szentendre.
Szentendre, nördlicher Nachbarort von Budapest, entstand im 14.
Jahrhundert, als Ungarn von den Türken besetzt wurde und sich aus diesem Grund
die aus der umkämpften Region um Belgrad fliehenden Serben in diesem Ort an der
Donau, nördlich des Herrschaftsgebietes der Osmanen, ansiedelten. Aber auch
griechische, ungarische und deutschstämmige Flüchtlinge und Migranten fanden
hier am sicheren und religiös toleranten Ort zusammen, der zudem noch eine gute
Ausgangsposition für den Donauhandel bot. Folglich gab es in Szentendre viele
unterschiedliche religiöse Konfessionen, die jeweils ihre eigenen Kirchen
errichteten, welche auch heute noch größtenteils noch erhalten sind: der römisch-katholische
Dom, die serbisch-orthodoxe ›Belgrad-Kathedrale‹, die griechisch-orthodoxe
Kirche am Marktplatz, und viele andere mehr, meist im typischen ungarischen
Barockstil errichtet und innen reich geschmückt und ausgebaut.
Außer
den Serben, siedelten sich auch noch Ungarn und Bulgaren in der ganzen Region nördlich
von Budapest an. Somit trafen hier sowohl kulturelle als auch verschiedene
sprachliche Einflüsse aufeinander.
Die
Stadt war und ist in einem hohen Maße ökonomisch und siedlungsstrukturell von
Budapest abhängig, da viele Einwohner als Pendler in die Hauptstadt fuhren, um
zu arbeiten. Das wird ermöglicht auch durch die HÉV Vorortbahn, die vom
Donauufer bei der Budapester Margarethenbrücke über Aquincum nach Szentendre führt.
Eine
geringfügige Veränderung dieser Tatsache gab es erst zu Anfang dieses
Jahrhunderts, als sich Industrie in Szentendre ansiedelte und somit neue
Arbeitsplätze geschaffen wurden. Somit konnte die zwar immer noch große
Bedeutung Budapests etwas relativiert werden. Im Laufe der aktuellen ökonomischen
Transformationsprozesse wächst die überwältigende Dominanz Budapests über
seine Nachbarorte jedoch wieder.
Durch
die unterschiedliche kulturellen Einflüsse durch Serben, Griechen, Bulgaren und
Türken bildeten sich für lange Zeit selbständige Wohnsiedlungen, in denen
jede Kultur für sich selbst, von äußeren Einflüssen unberührt, existieren
konnte. Jede Siedlung wurde nach den jeweiligen Baugewohnheiten gestaltet,
wodurch die heute immer noch zu erkennenden unterschiedlichen Eindrücke
entstanden.
Aufgrund
der großen serbischen Einwohnerzahl, die Serben stellten bis zum letzten
Jahrhundert mit Abstand die meisten Einwohner, stand die Stadt unter der Führung
eines serbischen Bischofs. Die serbische Bischofskirche, welche im barocken Stil
gestaltet wurde, besichtigten wir ebenfalls. Ende der 60er Jahre mußte der
serbische Bischof sein Amt aufgrund der politischen Veränderungen in Ungarn
jedoch niederlegen. Heute können die Religionsgemeinschaften wieder von
politischer Pression unberührt existieren, doch die sich wie überall in Europa
verweltlichende Gesellschaft reduziert den öffentlichen Einfluß der Religionen
maßgeblich.
Seit
der Jahrhundertwende entwickelte sich die Stadt zu einem der bedeutendsten künstlerischen
Zentren Ungarns. Durch die daraus resultierenden Ausstellungen kam es seit 1970
zu einem Aufschwung des Fremdenverkehrs, was als Folge zu einem erweiterten
Angebot an Geschäften und Arbeitsplätzen führte.
Nach
dem Besuch Szentendres fuhren wir weiter nach Esztergom.
Auf dem Weg dorthin fuhren wir an der Donau entlang und bemerkten viele kleine
Wochenendhäuser sowie einige an einem Berg gelegene Zementfabriken.
Zur
Zeit des zweiten Weltkrieges gab es in dieser Region größtenteils Bauern,
welche Wein und Erdbeeren für die Herstellung von Sekt anbauten, da sich der
Anbau von zum Verkauf bestimmten Gütern wie Kartoffeln nicht rentierte. In
dieser Zeit kam zwei mal pro Woche ein Donauschiff vorbei, worauf sie ihre Waren
laden konnten und von welchem sie Lebensmittel erwerben konnten, da ihre Felder
nicht groß genug waren, um die eigene Familie zu ernähren.
Danach
kamen wir am Donauknie an. Der Name
entstand, da die Donau an dieser Stelle von Westen nach Osten fließt und
zwischendurch einen Bogen nach Süden macht.
Diese
Stelle der Donau ist jedoch auch geographisch sehr interessant, da die Donau
schon vorhanden war, als die umliegenden Gebirge begannen, sich zu heben. Dieses
Anheben der aus vulkanischem Gestein bestehenden Berge vollzog sich langsam, so
daß dieser tiefe Einschnitt als antezedenter
Talverlauf entstehen konnte.
In
der heutigen Zeit stellt die Donau an dieser Stelle aber ein Problem für die
moderne Schiffahrt dar.
Da
sich an diesem Punkt eine aus hartem Gestein bestehende Schwelle im Flußtal in
der Donau befindet, ist sie bei Niedrigwasser sehr flach und es somit zeitweise
unmöglich, sie im Abschnitt des Donauknies mit einem Schiff zu passieren. So
entstehen bei Niedrigwasser immer wieder Staus, welche sich gegebenenfalls über
eine Strecke von 7-8 km erstrecken können, da ein Schlepper 2-3 m Wasser unter
seinem Kiel benötigt, um gefahrlos fahren zu können.
Eine
andere Folge dieser Schwelle am Donauknie mit einem Höhenunterschied von ca. 40
cm auf eine Strecke von einem Kilometer ist, daß die Donau dort schneller als
sonst fließt. Deshalb werden Schlamm und Steine aus dem Boden gespült und flußabwärts
getragen, wo sie sich wieder absetzen, wenn die Fließgeschwindigkeit sich
verringert. Die Steine und der Schlamm sind der Grund dafür, daß sich das Flußbett
absenkt und weiter flußabwärts wieder ansteigt, was den Charakter der Schwelle
und ihre Ausdehnung im Flußverlauf vergrößert. Dadurch steigt der normale
Wasserstand der Donau im Bereich des Donauknies bis zu 3 m höher als stromabwärts,
was bei Hochwasser eine Überschwemmungsgefahr mit sich bringt.
Aus
diesem Grund wurden zum Schutz der umliegenden Siedlungen Dämme gebaut, außerdem
wird die schiffbare Strecke jetzt täglich ausgemessen, um zu verhindern, daß
die Schiffe bei Niedrigwasser auf Grund laufen. Das Risiko ist zwar geringer,
doch sicher ist es noch immer nicht, das Donauknie zu passieren.
Als
am Anfang dieses Jahrhunderts die Bahnstrecke Budapest – Wien gebaut wurde war
es sicherer die Waren per Zug zu verfrachten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde
die Donau zum Grenzfluß zwischen Ungarn und der Slowakei. Dies barg auch das
Problem der Festlegung der Staatsgrenze im Fluß in sich und erschwerte die Flußregulierung.
So
entschied die Internationale Donaukommission nach dem 2. Weltkrieg, daß jedes
Land seinen Teil der Donau zu überprüfen hätte. Es wurde außerdem
beschlossen, einen einheitlichen, europäischen Wasserweg als internationale
Wasserstraße zu schaffen, was bedeutete, daß einige Donausiedlungen beim
Ausbau dieses Wasserwegs überschwemmt werden mußten.
Zum
Bau des Dammes sollte ursprünglich der Wasserspiegel der Donau um 6 % gesenkt
werden und vulkanisches Gestein aus dem Donaubett gesprengt werden. Diese
Arbeite wurden aber eingestellt, da in der Slowakei mit dem Bau eines Kraftwerks
begonnen wurde. So konnte das Wasser erst gestaut und dann zum Kraftwerk
umgeleitet werden, was bedeutete, daß der Wasserspiegel der Donau gesenkt
wurde.
Danach
sprachen wir über die dezentrale Verwaltungsordnung
im alten Ungarn. Diese kam zustande, da der jeweilige Herrscher immer zwischen
seinen wichtigen Festungen (Esztergom, Buda, Visegrád) umherreiste. In der hoch
auf dem Berg über dem Donauknie gelegenen Burg Visegrád, die in den letzten Jahren sorgfältig rekonstruiert
werden konnte, wurde im Mittelalter die Stefanskrone,
die wir einen Tag zuvor im Nationalmuseum
in Budapest besichtigen konnten, aufbewahrt.
Der
bedeutendste Herrscher der Renaissance in Ungarn war Matthias Corvinus (der Rabe), der sein prunkvolles Schloß am Fuße des
Burgbergs von Visegrád im italienischen Stil der Renaissance errichten ließ,
welches keinen Verteidigungszwecken sondern nur höfischen Repräsentationszwecken
diente und in ganz Europa Aufsehen. Unter seiner Herrschaft wuchs Ungarn für
kurze Zeit zu einer kulturellen Größe in Europa.
Zum
Abschluß dieses Tagesausflugs besichtigten wir die Kathedralbasilika
von Esztergom, der zentralen
katholischen Bischofskirche in Ungarn, von wo aus im Mittelalter die
Christianisierung in der Zeit von Szent István, des heiligen Stephan I., des ersten Königs der Ungarn, ausging und wo
sich die eine Hauptstadt des ungarischen Reiches befand. Die riesige Basilika
mit zentraler Kuppel und zwei mächtigen Türmen, ist im 19. Jahrhundert im
klassizistischen Stil an der Stelle der in den Türkenkriegen schwer beschädigten
Vorgängerkathedrale errichtet worden. Kommt man mit dem Schiff auf der Donau
aus Richtung Wien, markiert diese Basilika hoch über der Donau gelegen den
Beginn des Taleinschnittes, der zum Donauknie führt, und demonstriert sinnfällig
– ganz nebenbei – den Souveränitätsanspruch Ungarns gegenüber Österreich
und den Machtanspruch der katholischen Kirche.
Auf
dem Kathedralberg befand sich neben den Verwaltungsgebäuden des Bistums und der
Diöszesanverwaltung auch die alte Burg von Esztergom, welche während der Türkenzeit
zerschossen wurde und von der nur noch einige wenige Mauerreste am Berghang zu
sehen sind. An dieser Stelle an der Grenze zur Slowakei gibt es seit Zerstörung
der Donaubrücke von Esztergom im Zweiten Weltkrieg in einem großen Umkreis außer
einer ständig verkehrenden Fähre keine Verkehrsanbindung zur Slowakei, was die
ökonomischen Integrationsperspektiven und den zusammenwachsenden europäischen
Verkehr natürlich außerordentlich behindert.
Christian Dresel, André Fischer, Karsten Habermehl
14.
Johannes Hunyadi, Matthias Corvinus und die Türkenkriege
Als
Ludwig der I. im 14. Jahrhundert König von Ungarn wurde und die
reiche Erbschaft seines Vaters Karl des II. übernahm, hatte er genügend
Mittel, um seine angestrebte Großmachtspolitik zu verwirklichen. Er erweiterte
sein Herrschaftsgebiet auf Italien und Südosteuropa, und die neu eroberten
Gebiete dienten als Pufferzone zum jungen osmanischen Reich, mit dem Ungarn
schon damals vereinzelte militärische Zusammenstöße hatte. Ungarn und Siebenbürgen
erlebten während Ludwigs Regierungszeit eine kulturelle Blütezeit.
Die
Bedrohung durch die Osmanen wurde
jedoch erst unter seinem Schwiegersohn Sigismund
akut. Der ungarische Thron diente dem gebürtigen Luxemburger jedoch lediglich
als eine Art Sprungbrett zu Westeuropa. Sigismund erweiterte seinen Machtbereich
durch Kriegszüge, wurde König von Böhmen, der Lombardei und Deutschland und
schließlich gewann er 1433 (vier Jahre vor seinem Tod) auch die Kaiserwürde
hinzu. Trotz der Gefahr der anrückenden Osmanen vernachlässigte er die Fürsten
auf dem Balkan.
Unter
seinen Gefolgsleuten hatte bald Johannes Hunyadi
eine überragende Stellung. Er begann seine Laufbahn als Hofpage am Hof
Sigismunds und stieg bereits nach wenigen Jahren zum größten Grundherren des
Reiches auf, wurde Herrscher Siebenbürgens und erfolgreicher Feldherr. Mann
vermutet, daß er ein Sohn Sigismunds gewesen ist, was auch seine Loyalität zum
König erklären würde, während die anderen Adligen nicht bereit waren, ihre
Interessen dem Reich unterzuordnen. Schon damals gab es Konflikte unter Ungarns
Adligen, da manche die außenpolitischen Prioritäten Ungarns im Westen Europas
und andere wie Hunyadi in Südosteuropa sahen.
Als
großer Feldherr fügte Johannes Hunyadi den Türken schwere Niederlagen zu. Er
war unter wechselnden schwachen Königen fester Fels des Staatslebens. 1456
starb Hunyadi nachdem er Sultan Murad vor Belgrad geschlagen hatte. Damals wurde
von Zeitgenossen angenommen, die Osmanen hätten nicht die Möglichkeit weiter
nach Ungarn einzudringen.
Sein
Sohn Matthias Corvinus ließ sich zwei
Jahre nach dem Tod seines Vaters von den im Reichstag versammelten Adligen zum König
wählen. Er förderte Kunst, Literatur, schaffte Ungarns erstes ständiges Söldnerheer,
führte Kriegszüge gegen Böhmen und Österreich, beschränkte sich jedoch
gegenüber den Türken auf Verteidigung.
Matthias
hinterließ keine rechtmäßigen männlichen Erben. Nach seinem Tod verschwand
die Machtstellung Ungarns über Europa über Nacht dahin.
Zwei
schwache, unfähige Könige folgten ihm auf den Thron bis die Türken ins Land
einbrachen.
Doch
noch vor dem Einfall der Türken ereignete sich ein weiteres geschichtliches
Ereignis in Ungarn. Nach dem Tod Matthias Corvinus begannen die Grundherren,
ihren Untergebenen immer neue Lasten aufzubinden und sie immer mehr auszubeuten.
Zu
dieser Zeit rief der ungarische Kardinal Thomas Bakócz zu einem Feldzug auf, um
Jerusalem von den Türken zu befreien. Etwa 100.000 Bauern schlossen
sich
ihm an, weniger aus religiösem Eifer sondern um dem Elend und der
Unzufriedenheit ihres alltags zu entfliehen. Der Kardinal erkannte dies und verfügte
kurzerhand die Auflösung des Kreuzfahrerheeres. Die bewaffneten Männer gingen
jedoch nicht auseinander, sondern griffen die ihrer Ansicht gottlosen
Grundherren an. Aus dem Kreuzzug wurde Ungarns größter Bauernaufstand.
Währenddessen
war seit dem Ende des 15. Jahrhunderts der ungarische Königshof arm geworden.
Trotzdem wuchs in der Bevölkerung das Interesse an Kunst, Literatur und
Religion, doch inmitten des geistigen Aufstiegs verfiel der Staat und man
bereitete sich nicht auf die drohenden militärischen Zusammenstöße mit dem
osmanischen Reich vor.
So
war es 1526 bei Mohács für die Türken ein leichtes einen vollständigen Sieg
zu erreichen. Nach seinem Sieg zog sich der Sultan zunächst aus Ungarn zurück
und Österreichs König Ferdinand von Habsburg erhob unter Berufung auf Erbverträge
den Anspruch auf Ungarns Thron.
Ihm
stellte sich Johannes Zápolya
entgegen, der seit er den anfangs sehr erfolgreichen Bauernaufstand
niedergeworfen hatte, als Führer der ungarischen Adelsmehrheit galt. Noch Ende
1526 ließen sich beide (im Abstand von einem Monat) zum ungarischen König wählen.
Da
Ferdinand als König von Österreich ein größeres Heer unterstand,
mußte Zápolya nach Polen fliehen. Der türkische Sultan, der nicht zulassen
konnte, daß der Habsburger seine Macht in Ungarn stärkte, verbündete sich mit
Zápolya und zog mit seinem Heer 1529 nach Wien, um die Stadt zu erobern. Der
Versuch des Sultans scheiterte und letztlich war keinem Gegenspieler ein
entscheidender Sieg möglich.
Als
Johannes Zápolya 15 Jahre später starb rückte der Sultan erneut in Ungarn
ein, um auf Berufung des alten Bündnisses den einjährigen Sohn Zápolyas vor
den Habsburgern zu schützen. Der Sultan eroberte neben der Hauptstadt Buda die
ganze Landesmitte.
Dieser
Vorstoß der Osmanen gab den Anstoß zur Dreiteilung Ungarns: das durch
Randgebiete vergrößerte Siebenbürgen wurde Johann Sigismund (Johannes Zápolyas
Sohn) als selbständiges Fürstentum übergeben. Österreich erhielt den
schmalen Gebietsstreifen Im Westen und Norden Ungarns, während die Osmanen den
größten Teil des Landes (Mittel- und Südungarn) für sich beanspruchten.
Das
Fürstentum Siebenbürgen wurde zum Werkzeug der politischen Ziele der Osmanen
und wurde vor allem zur Schwächung Österreichs benutzt. In Siebenbürgen
erlebte die ungarische Kultur eine neue Blüte, während in den habsburgisch und
türkisch besetzten Landesteilen das geistige und kulturelle ungarische Leben
nahezu ausgelöscht war. Es hätte im ungarischen Interesse gelegen, wenn
Siebenbürgen und der österreichische Teil Ungarns vereint worden wären. In
der Tat bemühten sich beide Seiten um möglichst enge Zusammenarbeit, jedoch
wurde dies von den Osmanen verhindert, die immer bemüht waren die Spannungen zu
steigern und Gegensätze zu verschärfen, um so die österreichische Position zu
schwächen.
Die
Ungarn im habsburgischen Teil des Landes waren überzeugt, daß die Befreiung
von den Osmanen ausschließlich über Wien gelingen würde, jedoch kümmerten
sich die Habsburger viel eher um den Westen Europas und vernachlässigten
Ungarn.
Diese
Politik änderte sich erst nachdem die Türken 1683 erneut Wien belagert hatten
und erfolgreich zurückgeschlagen worden waren. Die Ungarn waren jedoch nicht
sehr erfreut über die Siege Österreichs, da sie nun eine absolutistische
Herrschaft erwartete die sie ebenfalls nicht wünschten.
Es
gab Proteste und Verschwörungen, die aber frühzeitig verraten wurden. Die
Verantwortlichen wurden getötet, gefangen genommen und enteignet, mit der zeit
begann man Ungarn wie Feindesland zu behandeln. Diese Proteste gegen die
habsburgische Politik setzten sich weit nach der Befreiung Ungarns vom
osmanischen Reich fort.
150
Jahre unter osmanischer Herrschaft waren nicht spurlos an Ungarn vorbeigegangen:
die staatliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung war zurückgeworfen
worden und konnte bis ins 19 Jahrhundert nicht vollständig aufgeholt werden.
Katarina
Domic / Vesna Plavsic
15.
Besuch im Stadtplanungsamt von Budapest, 26.5.97
Der
Wochenbeginn am Montag, 26. Mai begann mit einem sehr intensiven
Informationsprogramm über die Stadt Budapest. Wir fuhren mit der Straßenbahn
zum Kálvin tér und trafen dort auf Prof. Antal und Frau Cravero, mit denen wir
zum riesigen Gebäudekomplex des innerstädtischen Rathauses gingen. Dort wurden
wir in der Stadtplanungsabteilung von einem sehr qualifizierten Stadtplaner als
Referenten empfangen. Doch bis wir das Dienstzimmer gefunden hatten, mußten wir
noch durch viele Gänge und Etagen irren – vielleicht hat hier auch Kafka
einmal gearbeitet? Der Vortrag wurde auf Ungarisch gehalten und von Frau Cravero
mit Unterstützung von Herrn Prof. Antal übersetzt. Am Ende war noch Zeit für
einige Fragen, die sich vor allem auf die politischen und ökonomischen
Rahmenbedingungen und Strukturänderungen und ihre Auswirkungen auf die Möglichkeiten
der Stadtentwicklung und Stadtsanierung bezogen. Dabei wurde auch erwähnt, daß
das Planungskonzept in Kürze publiziert werden soll – mit den entsprechenden
Karten und Daten – und auch in einer
deutschen Zusammenfassung erscheinen soll.
Der Ausbau der Infrastruktur und die zukünftige
Stadtentwicklung
Die
Schwerpunkte der heutigen, von der wirtschaftlichen Situation beeinträchtigten
Stadtplanung liegt bei der Aufstellung und Realisierung eines
Infrastrukturplans. Die Stadt Budapest umfaßt 525.000 km2,
1.900.000 Einwohner wohnen in der Hauptstadt Ungarns, die ein Agglomerationsraum
von 2.800.000 Einwohnern in 77 Siedlungen umgibt.
Die
Bedeutung des Umlandes, der conurbation,
ergibt sich aus der engen Verflechtung von Innenstadt und Agglomeration. Da die Pendlerströme
immer mehr zunehmen wurde die Infrastruktur der öffentlichen Verkehrslinien
ausgedehnt. Andererseits kommen 70% des Trinkwassers
für den Agglomerationsraum aus den städtischen Wasserwerken auf der
Szentendrei Sziget, teilweise auch von der Csepel-Insel und aus Újpest
(‚Neu-Pest‘ auf der linken nördlichen Donauseite).
Ein
großes Problem für die Agglomeration ist die Müllentsorgung:
1/3
des Mülls in Budapest wird verbrannt. Im Süden sind zentrale Deponien geplant, was aber eine Maßnahmen für etwa die nächsten
30 Jahre ist.
In
der Hauptstadt findet seit ca. 15 Jahren ein tiefgreifender ökonomischer Wandel
statt. Auffällig dafür ist die Verminderung der Zahl der Industriebeschäftigten
von 400.000 im Jahre 1982 auf 130.000 in 1997. Der Handel nimmt zu, etwas
weniger sonstige Dienstleistungen, aber eine starke Erweiterung des
Finanzsektors (Banken, Versicherungen). Die Struktur des Handels ändert sich,
da sich die Realeinkommen der Bevölkerung vermindern. An die Stelle des
dezentralen Kleinhandels tritt der Ausbau der kostengünstigeren und
gleichzeitig umsatzstärkeren Großhandelsketten; wie in den westeuropäischen Ländern
geht der Trend zum „Erlebniseinkauf“. Zehn dieser Einkaufszentren sind schon
fertig, drei sind im Bau und 19 in Planung; in der Agglomeration finden sich
noch mehr.
Für
die Stadtplanung wichtig ist die Beobachtung der Änderungen der
Verkaufsgewohnheiten und des Verkehrs; es findet eine Konzentration auf die
Verkehrsknotenpunkte statt. Das zieht wohl Regulierungsbedarf nach sich: die
bisherige Planungseffizienz ist vielleicht nicht groß genug. Ziel muß die
Anpassung und Anbindung der infrastrukturellen Versorgung und der
Verkehrsbedienung an die Struktur der Hauptstadt sein.
Zur städteplanerischen Gliederung der
Agglomeration Budapest
1.
Der innere Kern der Stadt (Belváros)
ist Finanzzentrum, und hat die höchste Konzentration des Handels, der Gaststätten
und Hotels, weist die größte Verkehrskonzentration auf: Das Verkehrsnetz des
ganzen Landes konzentriert sich auf die Hauptstadt, was heute für das Leben in
der Stadt und die Perspektiven der Stadtentwicklung eine große Belastung ist.
2.
Traditionell ist Budapest – zunächst auf der pester Seite – in Ringstruktur angelegt und gewachsen.
-
Die Innenstadt wird umgrenzt vom »Kleiner Ring«, der die Grenze der
Stadtausdehnung in der Mitte des letzten Jahrhunderts nachzeichnet und aus der
Offenlassung der alten Befestigungsanlagen entstanden ist.
-
Der »Große Ring« entstand in der Stadterweiterungsphase in der zweiten Hälfte
des letzten Jahrhunderts, als sich die vorher unabhängigen Städte Buda, Pest
und Óbuda zu Budapest verbanden und als die Vorbereitungen zur Milleniarfeier
der »Landnahme« mit der großen Ungarischen Nationalausstellung im »Stadtwäldchen
beim Heldenplatz der Stadtentwicklung eine neue Dynamik verliehen. Mit der »kleinen
Unterpflasterbahn« (Métro 1) unter der Andrássy út wurde die erste
elektrische U-Bahn auf dem europäischen Kontinent als
›Franz-Josef-Unterpflasterbahn‹ eingeweiht.[i]
-
In den letzten beiden Jahrzehnten mußte dann eine weiterer äußerer Ring mit
Straßenbahn- und Bus-Ringlinien und Verküpfungspunkten zu den neuen
Metro-Linien und der neuen Endstation der verlängerten Metrolinie 1 am Mexikó
tér weitgehend aus schon vorhandenen Straßenzügen zusammengefügt werden.
Dieser Hungaria-Ring steht nun vor der Vollendung.
-
Von der Csepel-Insel mit einer neuen Donaubrücke ausgehend soll der Bau des
Schnellstraßenringes »M Null-Ring« eine erste wirkliche autobahnähnliche
Umgehungsstraße anbieten. Teilstücke existiert bisher aber erst auf der
Csepel-Insel im Süden der Stadt. Dieser Ring soll den Verkehr aus der Umgebung
der Stadt von der Innenstadt abziehen. Dreiviertel des Verkehrsaufkommens der
Agglomeration gehen jedoch von der Stadt aus.
-
Notwendig ist auch der Baue eines nächsten Ringes, der eine weiträumige
Umfahrung der Stadt für den Transitverkehr auf Autobahnen ermöglicht. Doch
dies sind noch Planungen für die Zukunft.
3.
Die Regelung des Verkehrs in der
Innenstadt wird mit der Entwicklung des Massenverkehrs immer dringlicher:
Neben der Einrichtung neuer Fußgängerzonen und Verkehrseinschränkungen im
Innenstadtbereich, soll eine neue Metrolinie den Verkehr vom Kelenföldi pu (›pályaudvar‹
= Bahnhof) in Süd-Buda zum Umsteigepunkt Keleti pu (Ostbahnhof) mit der Beförderungs-Kapazität
einer Donaubrücke aufnehmen.
4.
Es gibt in Budapest gravierende ökologische
Probleme. Die Grundsstückspekulation um die Jahrhundertwende hatte eine
hohe bauliche Verdichtung zur Folge. Der Bauzustand ist jedoch seit langem sehr
schlecht – die Instandhaltung, welche bauhistorisch sehr hoch wäre, wurde
vernachlässigt. Es kam die Frage nach den finanziellen Mitteln für die
notwendige Sanierung auf. Seit dem politischen Wechsel wurden viele Wohnungen
privatisiert oder verkauft. Nicht immer sind die neuen Besitzer aber finanziell
in der Lage, die Bausubstanz angemessen zu sanieren. Daher treten in den günstigen
Stadtlagen immer mehr gewerbliche Gebäudenutzungen und die Verdrängung der
Wohnbevölkerung auf, während die ökonomisch uninteressanten städtischen
Randlagen weiter verfallen und direkt Verslumungstendenzen zu beobachten sind.
5.
Zwischen den verschiedenen Stadtbezirken fand ein sozioökonomischer
Segregationsprozeß statt, das heißt, die Reichen siedelten aus der
Innenstatt zum Budaer Hügel. Die Nachmieter, welche oft viel ärmer sind, haben
keine Mittel zur Erhaltung und Sanierung der Häuser. Für den Rat der Stadt
gibt es drei Varianten zur Erhaltung: die direkte Unterstützung, die Gründung
privatrechtlicher Baugesellschaften mit staatlicher Hilfe, und die planvolle
Sanierung der Häuser der Innenstadt. Städtischerseits fehlt es aber durchweg
an Geld für die notwendigen städtebaulichen Maßnahmen.
6.
Die Innenstadt wird seit langer Zeit
schon von Handel und Finanz gesucht – der zentraler Teil der Innenstadt ist
deswegen auch reich und ertragsstark – eine echte metropolitan
area.
7.
Die Übergangszone zwischen Innenstadt
und Außenbezirken ist von dem Wirtschaftswandel am stärksten betroffen. Große
Industriebetriebe, die hier seit dem letzten Jahrhundert ihre traditionellen
Standorte haben[ii], müssen sich verändern,
in ihnen müssen Funktionsänderungen stattfinden. Entwicklungsprobleme wurden
nicht gelöst – es entstand eine differenzierte Problemlage. Es ist eine
schnelle Entwicklung im Südosten am „Westlichen Tor“ zu beobachten, wo die
Autobahn 1 und 7 zusammenlaufen. Dort sind auch Unternehmensansiedlungen zu
finden, doch fehlt hier die eigentlich anschließende »äußere Zone«. Alle
Unternehmen in dieser Zone benutzen den Autobahnanschluß; dieser ist daher
heute übermäßig belastet. Die neue Hauptstraße mit der neuen Donauquerung führt
zu einer Entlastung der alten Csepelbrücke wie der alten Innenstadtbrücken,
was den Verkehr flüssiger macht und den Verkehrslärm in den anliegenden
Wohngebieten mindert, was ebenfalls zu einer Entlastung der Anwohner führte.
Dadurch entstand aber auch eine neue Situation: Die Bevölkerung verhinderte
eine direkte Verbindung der Brücke mit der Autobahn. So wurde das politische
Interesse der Bürger geweckt, was zu einem politischen Interessenkampf führte.
Der Verkehr fließt auf mehreren Brücken und Straßen. Langfristig wurde der
Verkehr auf ein Netz von Straßen und Brücken verteilt, was durch Einbindung
der Industrie auf der Csepelinsel zu einem Wachstum dergleichen führte.
9.
Im Norden in Nordbuda bzw. in Nordpest existiert
ein gut entwickeltes Straßennetz. In letzter Zeit erfolgte die Modernisierung
der Ausfallstraßen Szentendrei út sowie ebenfalls der Váci út, was natürlich
auch zu einem höheren Verkehrsaufkommen auf denselben führte, andere
Verbindungen aber entlasten konnte. Verkehrsentwicklungsmaßnahmen wurden vor
allem im mittleren und im östlichen Teil vorgenommen. Ebenfalls wurde ein zweites
logistisches Zentrum für den Güterumschlag im Südwesten aufgebaut. Das führte
jedoch zu einer Steigerung des internen Stadtverkehrs und des Verkehrs auf den
existierenden Teilstücken des mit »M0-Ringes«. Hier liegt auch das genannte
»Zentrum des kombinierten Umschlags (LKW, Bahn)« das eigentlich den Ausbau des
Autobahnringes der Strecke der »A0« von Südosten her mit Verknüpfung zu A1
und A7 verlangt, der jedoch aus finanziellen Gründen noch nicht konzipiert
werden konnte.
11.
Im Zentralbereich führten die
Planungsbeschlüsse schneller zur Einigung als im Norden. Dennoch wird eventuell
im Norden die geplante neue Autobahnbrücke im Zuge des »A0-Ringes« eher
fertiggestellt als ihr Pendent im Süden. Größere ökonomische und städtebauliche
Entwicklungen sind ohnehin im Norden zu erwarten. Budapest wartet mit steigendem
Nord-Süd-Verkehr auf den existierenden Innenstadtringen sehnsüchtig darauf, daß
dieser Umgehungsstraßenring fertig gestellt wird.
12.
Die äußeren Bereiche unterliegen
seit 60 Jahren den Einflüssen der Agglomerationen Budapest. Doch der dörfliche
Charakter ging verloren während der erwartete Fortschritt ausblieb. Nachteile
sind immer noch große Infrastrukturprobleme.
13.
Ein Besonderes Problem vor allem auch des Agglomerationsraumes
sind die unzureichenden, völlig überalterten und in einigen Bereichen noch
fehlenden Abwasserkanalsysteme; nur
25% der Abwässer der Region Budapest werden vollständig biologisch gereinigt;
ansonsten erfolgt der unzureichend oder überhaupt nicht geklärte Abfluß in
die Donau. Der Rat hat hier grundlegende Änderungen beschlossen. In Nord-Buda
und Süd-Pest wird von den dortigen Klärwerken ausgehend eine
Abwasserkanalitions-Erweiterungen vorgenommen. Alles Wasser muß entsorgt
werden. Das Fehlen einer hinreichenden Abwasserentsorgung ist ein Hindernis der
Entwicklung der Hauptstadt und – durch die sekundäre Grundwasserverschmutzung
wie durch die Verunreinigung der Donau – ein schweres Umweltproblem. Aber noch
fehlt in Teilbereichen der Stadt der Hauptanschluß und der Ausbau von
notwendigen Drucksammlern. Die Planungsperspektive für die Abwasser muß aber
bis zur endgültigen Fertigstellung einen Planungsrahmen bis zum Jahr 2100
setzen. Die Zentrale Anlage wird eine Durchsatzkapazität von 600.000 m3
haben. Als flankierende ökonomische Maßnahmen wird die stufenweise Erhöhung
der Trink- und Industriewasserpreise durchgesetzt, die zu geringerem Verbrauch führt
und damit auch zu geringeren Abwassermengen. Die politische Kontroverse mit der
prekären sozialen Lage großer Teile der Stadtbevölkerung und dem notwendigen
Ziel der Wirtschaft- und Standortförderung ist damit aber auch vorgezeichnet.
Es bestehen Planungsprobleme bei der Koordination unter den lokalen Räten.
19.
Das Verkehrssystem der Agglomeration
hat gravierende Mängel. Z.B. ist bisher der äußerer Bereich der Stadt
schlecht angebunden und erschlossen; dies wird sich mit dem Ausbau des »M0-Ringes«
verbessern. Es ist notwendig, nähere und direktere Verbindungswege zwischen den
Gewerbestandorten in den Randgebieten und sowohl der Innenstadt wie den
Umgehungs- und Transitstraßen, die sich ja z.Zt. erst in der Planung befinden,
auszubauen. Bei einer generellen Strukturverbesserung ist auch die Niederlassung
von neuen Betrieben erwünscht. Neue Arbeitsplätze sind zu schaffen. Notwendige
Maßnahmen sind eine aktive staatliche Industrieförderungspolitik, deren
Realisierung aber oft an den mangelnden finanziellen Möglichkeiten der Stadt
scheitert. Der Bau von besseren Wohnquartieren, bzw. die Sanierung der
vorhandenen Bausubstanz muß Hand in Hand gehen mit der Förderung der Schaffung
von neuen Arbeitsplätzen. Leider stehen beide Ziele und Maßnahmenpakete oft in
unlösbarer Konkurrenz um die knappen finanziellen Ressourcen.
20.
Die westliche Gebirgslandschaft der Budaer
Berge ist eine Region eigener Prägung. Für die Agglomeration sind die Wälder
der Budaer Berge ein wichtiges Naherholungsgebiet. Daneben findet sich hier am
Stadtrand ein reiches Wohngebiet mit großem Sozialprestige. Daher ist ein
Zustrom der Gutsituierten in die westlichen Hügelgebiete auch über die
Stadtgrenze heraus zu beobachten. Aber auch Privatfirmen, Banken, Geldinstitute
und diplomatische Vertretungen haben hier ihre Residenzen, Gästehäuser und
Direktorenvillen gebaut. Die Wälder der Agglomeration sind geschützt. Vor
allem der Grundwasser- und Klimaschutz ist für die Situation der ganzen Stadt
notwendig und wird durch das ungebremste Wachstum der Agglomeration stark
beeinträchtigt. Notwendig ist die Verlangsamung und Steuerung dieses Zuzugs.
Ein allgemeiner Plan in dieser Richtung ist beschlossen worden. Doch stehen hier
die Planungskompetenzen der auf eigene Steuereinnahmen bedachten, heute relativ
autonomen Bezirke in Konkurrenz mit den die Gesamtagglomeration betreffenden
politischen und planerischen Zielsetzungen der Planungsbehörden der Stadt und
der Komitate. Die auf der Pester Seite dominierende hierarchische Struktur von
Hauptzentrum, Nebenzentren und Unterzentren fehlt am westlichen Stadtrand
weitgehend. In den Budaer Bergen finden sich kaum zentrale Funktionen. Bei einer
Strukturplanung stellt sich das Problem der Versorgung der neu
zugezogenen Bevölkerung auch über die Stadtgrenze hinaus. Neue Arbeitsplätze
sind erwünscht, aber schwer durchzusetzen. Dominierend bleibt das Hineindrängen
von Handel und Finanzwirtschaft.
22.
Ein weiteres Gebiet eigener Prägung ist die Nord-Süd-Verkehrsachse
am Donauufer. Für das Stadtbild ist gerade das Aussehen dieser Uferregionen
sehr wichtig (»Rakpart«). Der innerstädtischer Teil der Uferbebauung ist in
den letzten Jahren erneuert worden. Doch auch der nördlich und südlich
anschließende Rest ist für die Stadt von große Bedeutung. Die Innenstadt soll
direkt an die Donau anschließen und nicht durch Hauptverkehrsstraßen
abgetrennt werden. Auch in der Übergangszone am Donauufer sind große
Industriegebiete vorhanden. Sie sind häßlich und entsprechen nicht den
Planungsvorstellungen. Auf dem Gebiet der abgesagten Weltausstellung wird zur
Zeit eine Universitätsstadt errichtet. Im 19. Bezirk entstehen neue
Handelszentren. Diese funktionale Entwicklung dauert schon mehrere Jahrzehnte
an.
Zusammenfassung
Die
Hauptstadt bzw. die hauptstädtische Bevölkerung besitzt einen
Entwicklungsanspruch für ihre Stadt und ihren Lebensraum. Folgende Punkte sind
dabei zu berücksichtigen:
-
Der Stadtumbau ist eine Aufgabe für die heutige Regierung, umfaßt aber
gleichermaßen langfristige Probleme, mit denen sich kommende Generationen
befassen müssen.
-
Die
heutigen ökonomische Möglichkeiten sind beschränkt; oft ist die
Aufrechterhaltung der bestehenden Funktionen die einzige verbleibende
Möglichkeit.
-
Auch in einer privatwirtschaftlich organisierten Gesellschaft muß die Stadt
bzw. der Staat die Instandsetzung anregen und fördern und darf das nicht
alleine den »Marktgesetzen« überlassen.
-
Voraussetzung jeder städtebaulichen Erneuerung ist die fruchtbare Entwicklung
der Infrastruktur, die Entlastung der Agglomerationsräume vom Durchgangsverkehr,
der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und die infrastrukturelle Integration
der unterschiedlichen Stadtregionen und Bezirke.
-
Die Renovierung der Innenstadt ist eine langfristige wirtschaftliche Aufgabe,
die sich nicht nur auf den Ausbau des hochwertigen Einzelhandels in den Fußgängerzonen
beschränken darf, sondern die ausgewogene Förderung aller zentralen Funktionen
und ihre infrastrukturelle Verknüpfung ermöglichen muß.
-
Ein
bedrohliches, gravierendes Problem sind die Mängel der Wasserreinigung, aus
denen sich im nächsten Jahrhundert, wenn nicht schnell Abhilfe geschaffen wird,
katastrophale Folgen für die Umwelt wie für die Trinkwasserversorgung
vorhersagen lassen.
-
Der
Ausbau des mittleren und äußeren Rings wird etwa zwei Generationen lang dauern.
In
der Stadtentwicklung existieren ins Auge fallende sichtbare und vielleicht auch
spektakuläre Veränderungen, wie der Bau von Donaubrücken, Autobahnen oder Fußgängerzonen,
daneben aber auch weniger sichtbare Abschnitte der Verbesserung der
Infrastruktur, der Ver- und Entsorgung, die für das Leben der Stadt gleichwohl
von existentieller Bedeutung sind. Als wichtigste Aufgabe des Amtes gilt die
Weiterentwicklung der Stadt. Nach Möglichkeit soll die Planung die Richtung der
wirtschaftlichen Entwicklung voraussehen und möglichst auch versuchen im Sinne
einer vernünftigen Stadtentwicklung zu steuern!
Eine
Besonderheit der zentralen Planung ist entsprechend der politischen Lage nach
der politischen ›Wende‹ die zunehmende Autonomie der Stadtbezirksbeschlüsse
und der Bedeutungsverlust der zentralen Planung; die Bezirksräte erstellen
parallele Pläne; zwar existiert eine Vorschrift zur Anpassung an den zentralen
Plan, doch entstehen hier Situationen der Planungskonkurrenz und die
Notwendigkeit des politischen bargainig.
Der
heute noch formal gültige Flächennutzungsplan und die darauf aufbauenden
detaillierten Pläne für die Region stammen von 1986; sie werden heute von den
Agglomerationsräten und den Bezirksräten abgelehnt. Seit 1996 existieren neue
Regeln für die Regionalentwicklung.
Die
Durchsetzung des Regierungsbeschlusses gilt aber nur für die Stadt selbst, die
nicht für die Infrastruktur zuständig ist. So sind z.B. in der liberalisierten
Wirtschaftsordnung Handelsansiedlung nicht zu kontrollieren. Dazu ist die
Kompetenz der Bezirksräte bzw. Agglomerationsräte gegenüber der städtischen
Planung stark gewachsen. Die Hauptstadt als einheitlicher Lebens- und
Wirtschaftsraum fordert eine stärkere Regulierung und sollte als »außerordentliches
Gebiet« zentraler Funktion und Bedeutung definiert und mit stärkerer
koordinierender Planungskompetenz ausgestattet werden.
Auch
die Situation der Finanzierungsmöglichkeiten der Stadtentwicklung ist
problematisch. Eigene Einnahmen der Stadt stammen aus den lokalen Steuern, die
jedoch nur ca. 1/3
der zentralen Steuern ausmachen und nicht ausreichen, sowie aus Abgaben der
Industrie und Gebühren für Ver- und Entsorgungsleistungen. Dennoch ist die
Stadt auf ›außerordentliche Einnahmen‹ wie Immobilienverkäufe und
Privatisierungen angewiesen. Dabei war früher das Wohnungswesen Aufgabe der
Stadt; heute ist diese Aufgabe auf die Bezirks- und Kreisräte übertragen
worden, die ihren Wohnungsbesitz möglichst schnell zu verkaufen suchen. Vor
drei Jahren wurde das Dezentralisierungsgesetz in diesem Punkt noch einmal geändert.
Jetzt fallen 50 % der Einnahmen aus Wohnungsprivatisierungen an einen zentralen
Fonds für Neubau- und Sanierungsprogramme. Doch wird dieses Gesetz z.T. von den
Bezirksräten boykottiert, die die Einnahmen selbst verwalten wollen.
Aus
finanziellen Gründen liegt die Umsetzung des Privatisierungsprogrammes in
Budapest um etwa vier Jahre zurück. Langfristige Finanzierungskonzeptionen und
der Kreditrahmen, mit dem die Stadtplanung rechnen kann, sind von der
wirtschaftlichen Entwicklung Ungarns abhängig und daher auch in den Rahmen der
europäischen ökonomischen Situation zu stellen. Die Stadtverwaltung plant
dabei auch eine öffentliche Anleihe zu machen, bei der Wertpapiere der Bevölkerung
der Stadt angeboten werden sollen.
Die
Aufteilung der Ausgaben der Stadtentwicklung sehen folgendermaßen aus:
|
-
Anteil der Verkehrsinvestitionen, Autobahnbau, Ringsstraßen etc.
|
35
%
|
|
-
Entwicklung der Ver- und Entsorgung, Abwasserentsorgung
|
10
- 15 %
|
|
-
Erhalt und Sanierung der vorhandenen Investitionen, Wohnbebauung, Métro
etc.
|
ca.
50 %
|
[i]
Um die Priorität streitet sich Budapest mit Istanbul, wo kurz vorher
der ›Tünel‹, eine ›Zweistationen-Untergrund-Standseilbahn‹ zum
Galata-Berg gebaut wurde. Kurz darauf baute auch Budapest zum Burgberg eine
halboffene Zahnrad-Standseilbahn, die erst kürzlich wieder, völlig
restauriert, dem Publikumsverkehr zurückgegeben werden konnte. Auch die
Metrolinie 1 ist kürzlich wieder technisch und baulich in Stand gesetzt
worden, wobei die Stationen ihr traditionelles Jugendstilambiente zurück
bekamen. Ein technisch hoch interessanter Wagen der Budapester Metro-Linie 1
aus der ersten Bauserie steht heute im Straßenbahnmuseum in
Sehnde-Wehmingen. Weitere Wagen und Dokumente zur Baugeschichte sind in dem
kleinen U-Bahn-Museum in Budapest unter dem Déak tér mit Eingang von der
Metro-Paserelle aus zu bewundern.
[ii]
Dieses Phänomen ist ganz allgemein in der Stadtgeographie bekannt
und Kennzeichnet die Phase der rapiden Stadterweiterung während des
Industrialisierungsprozesses. In Hannover, um einen Vergleich zu ziehen,
sind das z.B. Industriestandorte wie Conti/Werderstraße, Conti/Königsworther
Platz (jetzt UNI Hannover), Südbahnhof, DB-Ausbesserungswerk, heute
offengelassenen Gewerbeflächen zwischen Aegi und Südstadt und viele andere
mehr. Die Strukturprobleme sind immer die gleichen.
16. Alföld:
Kecskemét, Bugac-Puszta, Südungarn, 27.5.97
Programmüberblick:
07.00 Uhr: Frühstück,
07:30 Uhr: Abfahrt nach Kecskemét
09:00 Uhr: Vortrag an der Hochschule für Gartenbau
über die Landwirtschaft des Komitats Bacs-Kiskun
10:30 Uhr: Stadtrundgang, Erklärung über
Geschichte, Wirtschaft und Industrie von Kecskemét
12:00-13:00 Uhr: Mittagessen an der Hochschule für
Gartenbau
14:15-16:15 Uhr: Bugac-Puszta, Nationalpark
(Vortrag, Wanderung)
21:00 Uhr: Quartier in (Deutsch-) Bóly
Die Landwirtschaft im Komitat Bacs-Kiskun
Am
27.5.97 machen wir uns auf den Weg in die Hochschule für Gartenbau von Kecskemét, in der wir uns einen Vortrag über die Landwirtschaft
des Komitats Bacs-Kiskun anhören werden. Schon auf der Hinfahrt gibt Herr Voigt
uns wichtige Informationen, die das Thema umreißen.
Kecskemét
ist ein zentraler Ort der dortigen Landwirtschaft. Der Landschaftswandel ist ein
Charakteristikum der Gegend. Er ist durch bestimmte naturgeographische
Grundlagen bedingt. Im Tertiär war das Kapartenbecken vom Meer eingenommen. Die
verbliebenen Oberreste bilden heute die Donau. Das ursprünglich Flußbett mit
den zugehörigen Überschwemmungsgebieten verlagerte sich durch starke
Hebungsprozesse immer weiter nach Westen, im Osten blieb ein Sandrücken zurück,
dessen Oberfläche trocken und locker ist. Daß die tektonischen Bewegungen auch
heute noch stattfinden, zeigt die Tatsache, daß die Ungarische Tiefebene am
Rand eines Erdbebengebietes liegt, das sich entlang der transdanubischen wie der
nördlichen ungarischen Mittelgebirge erstreckt und noch in den großen Komplex
der alpinen Faltung einzuordnen ist. Die Vielzahl vulkanischer Gebirgsformen und
der Reichtum an Thermalquellen in Ungarn bestätigen diese Beobachtung.
Regenwasser
sickert schnell ein und kann nicht vom Boden gehalten werden. Als
Grundwasserstrom fließt es dann in Richtung zum Donautal und tritt am Fuße des
Sandrückens in Quellen und Sumpftöpfen wieder an die Oberfläche. Im unteren
Teil zur Donau hin befindet sich daher ein sumpfgefährdetes Gebiet, daß nur
durch die Einrichtung von Nebenkanälen für die Landwirtschaft nutzbar gemacht
werden konnte, heute aber durch sein heiß-feuchtes Klima in der Gegend von Kalocsa zum Zentrum des Paprikaanbaus wurde.
Auf
dem Sandrücken können aufgrund der extremen abiotischen Faktoren nur
anspruchslose Nutzpflanzen angebaut werden.
Während
Ende des letzten Jahrhunderts noch bevorzugt Weinanbau – ermöglicht durch
robuste Traubenarten, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts von schweizer Önologen
eingeführt und kultiviert worden sind: woran der Ortsname Helvécia
südwestlich von Kecskemét erinnert – betrieben wurde, herrscht nun mehr die
Spezialkultur der Aprikose vor. Diese kann die hohe Sonneneinstrahlung optimal
nutzen und ist trockenresistent. So wird der arme Boden also bestmöglich
genutzt, was einen wesentlichen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit von
Kecskemét darstellt.
Kecskemét
selbst hat eher Dorfcharakter und wurde früher, schon mit rund 100.000
Einwohnern, das »größte Dorf Ungarns« genannt. Ursache war die
Fluchtmigration der ursprünglich zerstreut siedelnden landwirtschaftlichen Bevölkerung
und der Hirten der Ungarischen Tiefebene aus dem Krisengebiet der Türkenkriege
in die »Schutzsiedlung« Kecskemét.
Die
vielen verstreuten Einzelgehöfte sind dann erst später wieder, zunächst als
anspruchslose Sommerunterkünfte für die Hirten bzw. die Erntearbeiter
entstanden, prägen heute aber das Siedlungsbild des Alföld. Eine neue
Dorfkultur ist seither nicht wieder entstanden. Es herrschen die sogenannten
Streusiedlungen vor.
Vom
17. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg existierten nebeneinander Großgrundbesitz
der Magnatenfamilien und ärmlicher bäuerlicher Streubesitz. Dies erleichterte
bei der Einführung sozialistischer Eigentumsverhältnisse in der Ungarischen
Volksrepublik – im Gegensatz zum bäuerlich-dörflich geprägten Polen – die
Organisation einmal in großen Staatsgütern
und andererseits in Cooperativen, die
nun tatsächlich ein ökonomischer Fortschritt gegenüber der vorherigen
landwirtschaftlichen Struktur waren.
Seit
der politisch-ökonomischen Transformation seit Beginn der Neunziger Jahre folgt
auf diese Eigentumsordnung die Privatisierung, in der Eimern noch die
strukturelle Zweiteilung festzustellen ist, einmal in Landwirtschaftliche
Aktiengesellschaften, wie wir eine in Bóly
kennenlernen werden, und andererseits in weiterhin auf freiwilliger
Vertragsbasis existierende Produktions- und Absatzgenossenschaften neben einer
Minderheit bäuerlicher Privatbetriebe.
In
der Stadt Kecskemét gibt es außer im Ortszentrum noch wenige Neubaugebiete
oder industrielles Gewerbe. Es herrscht der ländliche Stil der einstöckigen Häuser
vor. Nach und nach jedoch wird der traditionelle landwirtschaftliche Typ der
Stadt verdrängt. Besonders deutlich wird das anhand der Erhöhung der
Tankstellenanzahl, die die rasante private und gewerbliche Motorisierung belegt.
Heute hat Kecskemét ungefähr 120.000 Einwohner.
Christiane Schöl
Stadtrundgang Kecskemét
Das
etwa 90 km von Budapest entfernte Kecskemét hat etwa 100.000 Einwohner und ist
eine Komitatsstadt zwischen Donau und Theiß. Kecskemét liegt in einer sanften
Hügellandschaft und entwickelte sich aus einer Ansiedlung die im 14.
Jahrhundert das Stadtrecht erhielt. Sie wurde in der 150 Jahre dauernden Türkenherrschaft
nicht zerstört, da sie unter dem Schutz des Sultans stand. Bis zur Türkenzeit
gab es um Kecskemét herum zahlreiche Dörfer, nach der Eroberung durch die Türken
flüchteten die Bauern jedoch in die größeren Orte, wie z.B. Kecskemét, was
ein weiterer Grund für die Erweiterung der Stadt ist.
Im
Zentrum der Stadt gibt es zwei große Plätze, den Szabadsag tér und den
Kossuth tér. Sie bilden zusammen mit dem kleineren Kalvin tér den Mittelpunkt
der Stadt. Nahe des Szabadsag térs
steht die alte Synagoge der Stadt, die nach den Plänen von János Zitterbarth
mit Perserkuppelturm von 1864-1871 im maurisch-romantischen Stil erbaut wurde.
Da der jüdische Anteil der Bevölkerung seit dem 2. Weltkrieg nur noch sehr
gering ist wird die Synagoge heute als Kulturzentrum genutzt.
Etwas
weiter ist ein weiteres der schönsten Gebäude der Stadt zu bewundern: Die 1983
renovierte Cifrapalota, der verzierte Palast. Er ist ein hervorragendes Beispiel
für den von der Wiener Sezession übernommenen ungarischen Jugendstil. Die
Ungarn reicherten ihn aber durch zusätzliche Bauelemente an. In dem Palast sind
Grafik- und Gemäldesammlungen untergebracht.
Der
Kossuth tér mit dem Kossuth-Denkmal schließt sich an den Szabad tér an. Er
wird durch das Rathaus geprägt.
Kecskemét
steht in dem Ruf, die Stadt der Glocken zu sein. Glocken und Glockenspiele sind
vielfach aus Aluminium, einem Material, das preiswerter als Bronze und leichter
zu transportieren und außerdem von großer Klangschönheit ist. Diese
Entdeckung wurde von den Ungarn gemacht.
Das
zumindest in einzelnen Teilen älteste Gebäude des Kossuth tér ist die
Szent-Miklós-Kirche gegenüber dem Rathaus. Sie stand dort schon Ende des 13.
Jahrhunderts, wurde dann aber im 18. Jahrhundert im barocken Stil umgebaut.
Das
städtische Opernhaus ist nach dem Dichter József Katona benannt, der 1791 in
Kecskemét geboren wurde. Die Dreifaltigkeitssäule vor dem Theater ist ein
Dankeszeichen der Bürger, die 1739 die tragische Pestepidemie überstanden
hatten. Das Zoltán-Kodály-Institut bewahrt den Namen des neben Béla Bartók
wohl bedeutendsten Wegbereiters der modernen ungarischen Musik. Kodály kam hier
1882 zur Welt.
Der
Ausbau der Infrastruktur in Kecskemét erfolgte in diesem Jahrhundert.
Bekannt
ist Kecskemét unter anderem für seine Geflügelzucht, seine Tiefkühlkost und
natürlich seine Spirituosen, insbesondere den Aprikosen›saft‹, welchen auch
wir beim Mittagessen an der Hochschule für Gartenbau serviert bekamen.
Nationalpark Bugac-Puszta
Nach
dem Mittagessen fuhren wir los zum Bugac-Nationalpark, wo wir um 14:15 Uhr
erwartet wurden. Dort mußten wir zuerst einmal etwa einen Kilometer laufen, um
ein Museum im Nationalpark zu erreichen, da es hier nicht gestattet ist mit dem
Auto zu fahren. Der Nationalpark Bugac ist eine Art konservierte Vegetationsform
der Puszta, eine geschützte Genbank aller Pflanzen und Tiere.
Der
Nationalpark wurde am 1.1.1975 gegründet, seine Größe beträgt
hier
5000 ha, insgesamt 11.700 ha und liegt in der Hügellandschaft der Bugac-Puszta.
Die
Tier- und Pflanzenwelt ist hier sehr abwechslungsreich, es gibt z.B.
Dammhirsche, Kaninchen, Fasane, einen Fuchs, giftige Vipern und sogar einen
Wolf, der wahrscheinlich aus dem jugoslawischen Krieg in den Nationalpark geflüchtet
ist, er ist vor allem im Frühjahr zu sehen. Weiterhin gibt es Schafe, Rinder
und Mangaliza-Schweine, die zum Genlabor gehören und cholesterinfreies Schmalz
geben.
Die
Pflanzen im Naturpark sind stark geschützt. Die Urpflanzen des Gebiets waren
eigentlich Eichen, sie wurden aber abgehackt und an ihrer Stelle wurden Akazien
und verschiedene Fichtenarten gepflanzt, da diese schnell wachsen.
Der
Wacholder der hier wächst ist etwa 150 Jahre alt, ebenso die Pappeln. Es gibt
hier auch viele Unterpflanzen und etliche ausgetrocknete Teiche, sowie
Sodateiche und Sümpfe. Das Grundwasserniveau ist um 3m gefallen.
Auf
den verschiedenen Hügeln gibt es unterschiedliche Sandarten; durch den Wind aus
Nord-Ost-Richtung werden die Sandhügel in Bewegung gesetzt, so daß Flugsand
entsteht. Heute darf hier nicht mehr geweidet werden.
Im
Museum des Nationalparkes werden uns Gegenstände vor allem von früheren Hirten
gezeigt: Kleidungsstücke, Kesselhaltereisen, Kesseluntersetzer, Eisenknöpfe
des Schäferstabes, Hufeisen zum Viehbrand, Kuhglocken, Rasiermesserbehälter,
Hundehalsbänder zum Schutz der Hunde vor Wolfsbissen, etc...
Nach
diesem Vortrag im Museum machen wir eine Wanderung durch das „Genlabor“, was
Besuchern normalerweise nicht ohne weiteres gewährt wird. Hier werden uns
verschiedene seltene geschützte Pflanzen gezeigt, die hier zu ihrer Erhaltung
gezüchtet werden.
Christine Goronczy und Kathleen Pohlmann
17.
Landwirtschaft in Südungarn: Bóly, 28.05.97
Agro-AG Bóly
Die
Agro-AG in Bóly umfaßt 14.000 ha Ackerland sowie 4.000 ha der Puszta ähnliches
Gebiet.
Weiterhin
gehören zu ihr Waldgebiete und ein Holzbearbeitungsbetrieb zur Fertigstellung
von Eichenholzprodukten.
Nach
der Entschädigungsregelung von 1991, nach der unter dem Kommunismus enteignete,
oder in speziellen Fällen geschädigte Personen eine Wiedergutmachung in Form
von Land zur Selbstbewirtschaftung erhalten, hat die Produktionsgenossenschaft
über 380 ha Land verloren. Die
Anspruchsinhaber auf diese
Wiedergutmachung bekommen je 20 Goldkronen Wert Land vom Staat. Eigentlich
trifft diese Regelung die Agro-AG kaum, da sie aus einem einheitlichen
Magnatengut zunächst als Staatsgut, dann als privatisierte Aktiengesellschaft
entstanden sind. Die ehemalige Besitzerfamilie lebt heute im Ausland und hat
keine rechtlichen Rückgabeansprüche, obwohl sie den persönliche Kontakt zu Bóly
wieder aufgenommen hat.
Eine
andere Regelung des Privatisierungsgesetzes macht jedoch potentielle Probleme.
Ehemalige Eigentümer, die nicht mehr an ihrem Familiensitz zum Zeitpunkt der
Enteignung wohnen, bekommen nicht das konkrete ehemalige Land zurück, sondern
Eigentumsgutscheine (»Wertpapiere«), die sich am Vorkriegseinheitswert des
Landes (»Goldkronenwert«) orientieren, dessen aktueller Wert dann neu
festgelegt bzw. bei der Landvergabe nach Marktwert eingesetzt werden kann.
Ohne
auf die rechtlichen Einzelheiten einzugehen, ist hier nur die Regelung wichtig,
daß an Orten, wo viele »Wertpapierbesitzer« wohnen und ihre Ansprüche
geltend machen, die vorhanden Flächen aufgelöster Cooperativen aber nicht
ausreichen, auch die Staatsgüter mit herangezogen werden können, die dann
entsprechend Flächen nach dem »Goldkronenwert« an Anspruchsinhaber abtreten müssen.
Laut
Aussage eines Vertreters der Agro-AG trifft diese Regelung die AG schmerzlich,
da eine Goldkrone Land z.B. 18 kg Weizenertrag bringt und sowieso schon viel
Land durch die Tatsache verloren geht, daß alleine Hybridmais schon 300 m
Isolationsstreifen benötigt um effizient und geschützt von Fremdeinwirkungen
zu gedeihen.
Ein
Teil des Problems wird dadurch gelöst, daß die Agro-AG als Pächter fungiert
wobei sie versucht die Pachtunkosten durch Verhandlungsgeschick möglichst klein
zu halten.
Da
die Ertragslage der Agro-AG gut ist, entstehen damit dennoch Pachtsummen, die höher
sein können als der potentielle Ertrag dieser Flächen in privaten bäuerlichen
Besitz. Daher hat die überwiegende Zahl der Anspruchsberechtigten das
Pachtangebot der AG jeweils für eine Dauer von fünf Jahren akzeptiert.
Das Gestüt von Bóly
Danach
sind wir mit dem Kurs zum zur Agro-AG Bóly gehörenden Gestüt gegangen. Dort
wurden wir von Herrn Schmidt, einem älteren, ca. Mitte 70 Jahre alten,
deutschstämmigen, quickfidelen Mann empfangen, der uns
dann auf dem Gestüt herumgeführt hat. In den 50er Jahren gab es in Bóly
noch 500 Hengste, im Gegensatz zu heute wo nur noch insgesamt 130 Pferde für
den Betrieb zur Verfügung stehen.
Das
Gestüt spezialisiert sich auf die Kreuzung von Hannoveranern und ungarischen
Stuten. Bei dieser Kreuzung können die negativen Eigenschaften ungarischer
Stuten (Unruhe) durch die der Hannoveraner (Ausgeglichenheit, Schönheit, Gutmütigkeit)
minimiert werden und neue qualitativ hochwertige Pferde, vor allem in den
Westen, verkauft werden. In jedem
Jahr werden ungefähr 20-21 neue Fohlen geboren.
Die
Tiere werden ca. 20-25 Jahre alt, von denen die ersten zehn als das Idealalter für
sportliche Leistungen angesehen werden. Die
Pferde müssen täglich bewegt werden, da schon nach einem Tag ohne Bewegung
Hirnblutungen auftreten können.
Ein
Hauptproblem des Gestüts ist die Finanzierung von Zuchttieren. Für den Erwerb
eines Pferdes aus dem Raum Hannover müssen 5.000.000 Mio. Forint, umgerechnet
50.000 DM, gezahlt werden.
Für
ein Gestüt im sich im Umbruch befindenden Ungarn ist so ein Betrag eine sehr
bedeutende Summe.
Das
Gestüt ist weiterhin bekannt für seine Turnierpferde die im ungarischen Raum
schon so manchen Turniersieg erreicht haben.
Das
Gestüt beschäftigt 25 Personen, die v.a. als Handwerker, Sattler und Wagner
arbeiten.
Weiterhin
gibt es 6(!) Tierärzte die den vielen ansteckenden Pferdekrankheiten Einhalt
gebieten wollen.
Die Geschichte der Deutschen in Bóly
Danach
führte uns Herr Schmidt in das landwirtschaftliche Museum von Bóly und erzählte
einiges über die Geschichte des Ortes. Das Museum wurde 1983 eingerichtet und
vom Kombinat bezahlt. Heute fehlen ihm junge Leute die es weiterführen können.
Die
Bevölkerung Bólys bestand vor dem zweiten Weltkrieg zu 100% aus Deutschen.
Am
25.11.1946 begann die Zwangsaussiedlung nach Österreich und ins Schwabenland.
Nachdem
die Russen einmarschiert waren wurden die Frauen zwischen 17 und 40 Jahren nach
Rußland verschleppt wo auch unser Referent fünf Jahre in harter Gefangenschaft
verbracht hat.
Am
18. Juli 1956 mußten die restlichen 570 deutschen nach Bayern und Ulm, sowie 57
weitere nach Zwickau.
Alle
Deutschen wurden zu 100% enteignet und deren Besitztümer von aus der Tschechei
stammenden Ungarn übernommen und, wie der Referent es bewertete,
heruntergewirtschaftet.
Die
Rehabilitation und Entschädigung der enteigneten Personen erfolgt, laut
Schmidt, nur schleppend, da die Verteilung der Felder oft unklar ist und sich im
Laufe der Zeit überlagernde Besitzrechte am selben Grundstück haben aufbauen können.
Michael Mertes
Pécs / Fünfkirchen
Pécs
gehört zu den alten Kulturstädten Ungarns. Schon zur Römerzeit befand sich
hier eine Siedlung und Auseinandersetzung des Imperiums mit seinen östlichen
›wilden‹ Nachbarn, Kelten und Germanen, bestimmte die Geschichte zwischen
der Adria und dem südlichen Balaton. Sehr früh begann daher hier auch die
Christianisierung und in der Folge auch die Konfrontation der Einflußbereiche
der römischen katholischen Kirche und von Byzanz.
Daß
in dieser Region die Heiligen Cyrill und Method in Predigten in den slawischen
Sprachen christliche Mission betrieben und dabei gleichzeitig in Konflikt mit
dem Anspruch des Papstes, die Liturgie allein in Latein zu lesen, gerieten,
thematisierten wir in den nächsten Tagen bei unserem Besuch am Klein-Balaton,
wo heute noch eine Cyrill-und-Method-Gedenkstätte auf diese historisch wichtige
und interessante Episode hinweist.
Im
neunten Jahrhundert fand dann die ›Landnahme‹ der Magyaren unter König Árpád
statt. Unter dem später heilig gesprochenen König Stephan I. (István, Szent
István) traten die Ungarn zum römischen Katholizismus über und König Stephan
ließ sich vom Papst mit der Stephanskrone[i]
krönen. Die erste christliche Kirche Ungarns wurde von König István I. an der
Stelle des heutigen Doms in Pécs errichtet. Der Dom mit seinen vier markanten
rechteckigen Ecktürmen ist heute ein Wahrzeichen der Stadt Pécs.
Die
Region von Pécs ist ein Raum, in dem im Laufe der Geschichte viele Völker
durchgezogen und aufeinander gestoßen sind. Noch heute siedeln neben den Ungarn
hier eine slawische und eine deutsche Minderheit. So wundert es nicht, daß das
Ortsschild Pécs heute wieder dreisprachig ist – im Laufe des 20. Jahrhunderts
hat auch hier der unselige Nationalismus zu Unterdrückung, Verfolgung und
Vertreibung von Minderheiten geführt, wie schon im letzten Abschnitt angedeutet
wurde – und die slowenischen, kroatischen und deutschen Minderheiten seit
kurzem wieder eigene Minderheitenrechte genießen und eigene Kultureinrichtungen
unterhalten.
Unser
Aufenthalt in Pécs fand leider unter Zeitdruck statt, da der informative Besuch
in der landwirtschaftlichen Aktiengesellschaft von Bóly recht viel Zeit in
Anspruch genommen hatte und schließlich noch eine Einladung der deutschen
Minderheit von Nagynyárád auf uns wartete.
Zunächst
verschafften wir uns bei unangenehm regnerischen und stürmischen Wetter vom
Fernsehturm einen ersten Überblick auf die Stadt. Prof. Antal berichtete über
die Wandlungen des Industrieraumes Pécs, der seine Bedeutung in den letzten
Jahrzehnten vor allem durch den Kohletagebau und eine Uranmine erhielt. Doch ist
deren ökonomische Bedeutung heute nicht mehr ausreichend und Pécs wird
zunehmend zu einem ökonomischen Krisengebiet.
Vom
Busparkplatz am Rande der Innenstadt erhielten wie dann einen schönen Blick auf
den Dom und die ›fünf Kirchen‹, die heute auch durch Hochhäuser wenig
stilvolle Konkurrenz erhalten. Nur ein kurzer Stadtrundgang war vorgesehen, um
dann nach Nagynyárád weiter zu fahren. Doch die ›Privatführung‹ von Prof.
Antal für die Begleitpersonen der Gruppe dehnte sich dank der Begeisterungsfähigkeit
und der unermüdlichen Erklärungsgabe unseres Freundes so aus, daß die Schülerinnen
und Schüler schon recht ungeduldig am Bus auf unsere Weiterfahrt warteten. Ein
kurzer Stop an unserem Jugendhotel in Bóly diente der Erfrischung nach einem
arbeitsamen Tag; dann fuhren wir in das kleine Nachbardorf Nagynyárád.
Ein Abend in Nagynyárád
Die
deutsche Minderheit der »Donauschwaben« und »Donauhessen« ist in
der Umgebung von (»Deutsch/Német«-) Bóly noch und wieder sehr lebendig, wie
ein gemütlicher Abend als Gäste im »Kulturhaus« des Nachbarortes Nagynyárád, in dem die große Mehrheit der
Bewohner deutscher Abstammung ist, zeigte.
Eigentlich
sollte es ein nachmittägliches Dorffest sein, doch hatte sich unsere Ankunft so
verzögert, daß die Kinder, die ein Begrüßungslied singen sollten, schon nach
Hause gegangen waren und wir ein exellentes ungarisches Essen im
Dorfgemeinschaftshaus – mit selbst gekelterten Weinen des Ortes – zu Gesprächen
und Unterhaltungen mit den erwachsenen Dorfbewohnern ausnutzen konnten.
Sehr
viele Erzählungen erklärten uns dann noch viel anschaulicher die heutige
Lebenssituation im ländlichen Ungarn und die Probleme der deutschen Minderheit,
die hier am Ort verwurzelt ist und sich als deutschstämmige Ungarn verstehen
– trotz vielfältiger Beziehungen zu verschiedenen deutschen Orten. Mehrfach
in der Geschichte verlor die Minderheit wegen politischer Verfolgung all ihr Hab
und Gut und hat sich ihre Existenz durch Fleiß und Zähigkeit neu aufbauen müssen,
so daß die ungarischen Nachbarn schon spotteten: „Werft ihr einen Schwaben
nackt in die Luft, kommt er angezogen wieder runter!“
[i]
Die heutige Stephanskrone ist nicht das Original der Zeit von Szent
István, sondern etwa zwei bis drei Jahrhunderte älter; seither verbindet
sich aber mit der Stephanskrone, die heute nach vielen Irrungen und
Wirrungen im Nationalmuseum in Budapest aufbewahrt und ausgestellt wird, der
Unabhängigkeitsanspruch Ungarns und symbolisiert die eigene ungarische
Identität.
18. Südungarn:
Das Grenzgebiet zu Jugoslawien und Kroatien, 29.05.97
Weinbau in mediterranem Klima: Villány
Auf
dem Weg von Bóly bis Villány finden wir nur kleine Dörfer. Die Ursache dafür
ist der schlechte Boden und daher keine Agrarmöglichkeiten. Größe und
Struktur des Landbesitzes ist sehr unterschiedlich, in Abhängigkeit von den
Eigentumsverhältnissen.
Als
Vegetation gibt es hier viele Eichen, später Akazien. Die Eichen stellen einen
Wertstoff dar, der von meist staatlichen Forstbetrieben mit eigenen Sägewerken
für den Export benutzt wird.
Villány liegt am Hügelzug aus Kalkstein, der die Grundlage für
die hiesige Landschaft ist. Die Stadt ist sehr für den Weinanbau bekannt. Es wird hauptsächlich an der Südhanglage des
Hügelzuges angebaut, weil diese Seite die meiste Sonne abbekommt. Verschiedene
Sorten von Wein sind durch unterschiedlichen Boden bedingt. Das Gebiet trägt
einen mediterranen Charakter, ist reicher und ökonomisch bedeutender als die
kleinen Dörfer.
In
diesem Gebiet gibt es ebenfalls deutsche Bevölkerung. Die Minderheiten werden
hier respektiert und deshalb gibt es zweisprachige Schilder und Wegweiser. Die
deutsche Bevölkerung hat aber kein Nationalgefühl mehr, diese Minderheiten fühlen
sich als Ungarn.
Der
Süden von Ungarn ist ein Beispiel für das reibungslose Zusammenleben
verschiedener Minderheiten. Zu den größeren Konzentrationen von deutschen
Siedlungen kommen noch serbo-kroatische dazu. An der Süd-West Grenze machen
sich die Minderheiten besonders bemerkbar, wie eigentlich an jeder grenze jedes
Landes. Im Osten gibt es wiederum weniger Minderheiten, weil das Gebiet von
Ungarn im Osten früher größer war.
An
den südlichen Ausläufern der Villány-Hügel befindet sich ein Skulpturenpark,
das internationale Steinmetzkunstmuseum
in einem alten, aufgelassenen Steinbruch. Künstler fertigen hier gelegentlich
im Rahmen eines Sommer-Wettbewerbs und zu Übungszwecken Skulpturen
verschiedenster Stilrichtungen an, die sie dann in diesem Freiluftmuseum stehen
lassen. Diese Werke sind aus dem dort anstehenden kristallisierten (metamorphen)
Kalkstein gehauen, der wie Marmor aussieht.
Beremed ist der südlichste Punkt von Ungarn, nur 2 km von der
jugoslawischen bzw. heute kroatischen Grenze entfernt; hier entlang der Dráva
ist Siedlungsgebiet von Kroaten. Es gibt hier aber keinen Grenzübergang.
Angebaut
werden hier Getreide und Gemüse, aber die Gegend ist arm wegen des schlechten
Bodens. Die einzige Ausnahme der Landwirtschaft ist eine große Zementfabrik.
Orte, die wirtschaftlich über die Grenzen der Landwirtschaft hinausgehen
(Industrie) sind besser dran, als rein Land- wirtschaftliche Gebiete. Hier in Süden
herrscht eine bäuerliche Struktur des Raumes.
Wir
durchfahren Siklós, wo eine
rekonstruierte Burg auf einem malerischen Hügel von der Kette von Befestigungen
aus der Türkenzeit und ihren kriegerischen Ereignissen zeugt. In habsburgischer
Zeit wurde sie nach dem Aufstand von 1848 gesprengt, später aber
wiederaufgebaut und heute als touristisch historische Gedenkstätte gepflegt.
Die
historisch berühmte kleine Stadt Szigetvár
ist heute industriell repräsentiert durch eine Konservenfabrik, die Erbsen
verarbeitet, eine Schuhfabrik und eine sehr schöne Innenstadt.
Auch
hier gab es eine große Festung, größer noch als in Siklós, sie wurde aber
nicht aufgebaut, man kann nur noch die Grundmauern sehen.
„Da
wir die Zeitfolge unterbrochen haben und zum 16. Jahrhundert zurückgekehrt
sind, sei noch vermerkt, daß eine der tragischsten Episoden der ungarischen
Geschichte mit dem Jahr 1566 verbunden ist. Ihr Held stammt aus der
kroatisch-ungarischen Familie Zrínyi, die gewaltige, sich von Transdanubien bis
zur Adria erstreckende Latifundien besaß. Es war der Feldherr Miklós Zrínyi,
der nicht mit seinem Urenkel, dem gleichnamigen Dichter, verwechselt werden
sollte, der ebenfalls ein vorzüglicher Soldat war und neben Gedichten auch großartige
militärtheoretische Werke schrieb.
Miklós
Zrínyi, der Feldherr, hatte sich in der durch Sümpfe geschätzten Burg
Szigetvár verschanzt. Vom 6. August bis zum 8. September leistete er dem
Ansturm der Heere Süleymans des Prächtigen, der bei Mohács gesiegt hatte und
nun gegen Wien zog, tapfer Widerstand. Gegen Ende der Belagerung der Burg starb
der Sultan im Feldlager, doch die Kommandeure verschwiegen dies dem Heer und
ordneten die Erstürmung an. Angeblich wurde der tote Sultan im offenen Zelt auf
den Thron gesetzt, um ihn den Kriegern zu zeigen. In der aussichtslos gewordenen
Lage sprengte Miklós Zrínyi mit
der verbliebenen kleinen Schar aus der Burg ohne jede Hoffnung, den
Belagerungsring zu durchbrechen. Sie fielen bis zum letzten Mann. Doch das
geschwächte türkische Heer vermochte nicht bis nach Wien vorzudringen. Eine
bedeutende österreichische Streitmacht, die in der Nähe von Raab Gewehr bei Fuß
gestanden war, zog wie nach gut verrichteter Sache ab.
Vielleicht
verdient gerade dieser Pyrrhussieg, unter vielen Taten im Festungskampf
hervorgehoben zu werden. Freilich könnte man die heldenmütige Verteidigung von
Erlau im Jahr 1552 erwähnen, als Burghauptmann István Dobó mit 2.000 Mann und
den Einwohnern von Stadt und Umgebung das 15.000 köpfige Türkenheer vertrieb.
Was soll man aber dann zur zweiten Belagerung Erlaus im Jahr 1596 sagen, als die
Türken einen leichten Sie davontrugen?“[i]
Miklós Zrínyi ist ein Nationalheld der Ungarn, ein tragischer
Held, wie es der »Mythos des Ungarntums«
will, und nach ihm wurden viele Schulen und andere Anstalten benannt.
Die
Zeit des Miklós Zrínyi begleitet uns
weiter. Im Laufe der Fahrt trifft man auf Dörfer mit Namen osmanischer Herkunft, die folglich auf die türkische Besatzung
hinweisen.
Um
13:00 kommen wir dann zur fachlich wichtigsten Station des Tages, der
Provinzhauptstadt des Komitats Somogy
megye, Kaposvár. Der Aufenthalt beginnt mit einer halbe Stunde Freizeit
zum Bummeln durch die Innenstadt.
Dann
hören wir einen Vortrag im Komitatshaus durch einen leitenden Planer und
Abteilungsleiter in der Komitatsverwaltung über das Komitat Somogy.
Das
Komitat erstreckt sich von Balaton bis in den Süden des Landes. Die gemeinsame
Planungsregion Südwestungarn besteht aus Somogy
und drei weiteren Komitaten, Zala, Barany
und Tolna. Die Größe von wurde Nach dem Vertrag von Trianon 1918, als sich
das Staatsgebiet Ungarns auf ein Drittel verkleinerte, mußte auch Somogy
Gebiete an Barany und das neu gebildete
Jugoslawien abtreten.
Demographische
Daten des Komitats:
Komitatsgröße:
636.000 km², 6,5 % der Landesgröße
Bevölkerung:
340.000 Menschen, d.i. 3,3 % der Landesbevölkerung
Bevölkerungsdichte:
56 Personen pro 1 km²
Es
ist das Komitat mit der geringsten Bevölkerungsdichte. Die Bevölkerungszahl
vermindert sich ständig, in den vergangenen 15 Jahren wurde eine Verminderung
von 15.000 Menschen beobachtet. In der Zukunft wird eine weitere Steigung bis zu
22.000 erwartet. Diese Erscheinung wird durch die Nachteile des Komitats, die später
erläutert werden sollen, bedingt. Dazu fehlen Zentren und Bildungsmöglichkeiten.
Es gibt keine Universität oder Hochschule, sowie keine technischen Hochschulen.
Die einzigen sind die landesanerkannten pädagogische und ärztliche Hochschule,
aber Pécs zieht die Jugend mehr an, und die Jugendlichen kommen nicht mehr zurück.
Es
gibt Streitigkeiten, welche Stadt den Titel Hauptstadt
des Komitats tragen soll: Siófok oder Kaposvár. Siófok am Balaton ist die
wichtigste und größte Stadt von Somogy, Kaposvár ist aber der
Verwaltungssitz. So wurde Siófok zur »Sommerhauptstadt« – wegen der vielen
Touristen am Balaton – erklärt.
Es
gibt zwei Kategorien der Regionalisierung in Ungarn: Funktionale
Regionen, die sich ökonomisch und planerisch im Interesse einer gemeinsamen
Entwicklung zusammenschließen, und statistische
Regionen, die sich an den Verwaltungsgrenzen einteilen. Es ist eine
Streitfrage im Volk: Zu wem soll das Komitat gehören, soll es Mitglied einer
Planungsregion Südungarn, die vor
allem aus strukturschwachen Peripheriegebieten besteht, oder in der Plattensee-Region
werden, die ihre Hoffnung auf eine Dynamische Entwicklung von Tourismus und
Verkehr setzt? Die Hoffnung ist jedesmal, finanzielle
Unterstützung durch den Staat oder durch internationale Organisationen zu
bekommen.
Im
vergangenen Jahr entstand eine Initiative, eine Regelung der Raumentwicklung zu
schaffen. Sie soll von der Regierung unterstützt werden, und verpflichtet sich,
dem Komitat zu helfen. Leider gibt es noch zu wenig Erfahrung mit Institutionen
solcher Art, jedoch geht es voran, weil zum Teil die binnenländische
Konkurrenz, von der Regierung Geld zu bekommen, sehr groß ist. Somogy ist ein
Musterkomitat. Dort wurde ein Modell über die Regelung zuerst entwickelt. Die
Vorbereitungen wurden früher getroffen, als in den anderen Komitaten.
Vorteile des Komitats :
-
günstige geographische Lage
-
das Zentrum ist gut entwickelt, hat 72 000 Einwohner, hat eine gute Lage, so daß
die Industrie nicht übertrieben ist, mit einem landwirtschaftlichen Profil
-
Koordinierungsfähigkeit
-
Bindung von Siedlern des Komitats
Das
Komitat hat Abgesandte (meistens Fachleute aus dem Ausland), die sich bemühen
dem Komitat zu helfen. Es ist im Interesse des Komitats, das zur Verfügung
stehende Land rationaler zu nutzen. Im Zusammenhang mit der EU ist es
vorteilhaft, Wälder anzupflanzen, die Weidenbewirtschaftung wird aber nicht überall
begrüßt.
Nachteile des Komitats:
-
schlechte Produktionsfähigkeit
-
wenig Einkommen pro Person
-
Mangel an Investitionen aus dem Ausland
-
keine günstigen natürlichen Gegebenheiten
-
der Verkehr stellt ein Problem dar
Wegen
des Mangels an Wegen wird im Gebiet wenig investiert oder gegründet. Im
Vergleich: Die Reise von Brüssel nach Buda dauert mit einem Flugzeug etwa 1
Std. 50 Min., von Buda bis zum Komitat aber 3 Std. mit einem Fahrzeug. In diesen
Jahr wird Slowenien und Kroatien eine Autobahn vom Meer bis an die Landesgrenze
bauen. Es bleibt dann die Aufgabe, diese Autobahn bis zu Siófok zu erweitern,
es sind dann 5 Std. Fahrt von Buda bis zum Meer.
Die
nächste Vorstellung wäre, eine Autobahn über die Tiefebene und dann nach
Westen zu bauen, sowie eine Autobahn von Siófok nach Pécs. Aufgrund des
Vertrages von Trianon hat das Komitat viele Beziehungen (Wege) verloren. Die
Donau bleibt eine gute Transportmöglichkeit.
Das
Komitat Somogy besitzt viele potentiellen Möglichkeiten zur Verbesserung. In
Tosvár gibt es einen Militärflughafen einer US-Base. Es soll bald mit dem
Verteidigungsminister verhandelt werden, daß der Flughafen für zivile Zwecke
benutzt werden darf. Die Erreichbarkeit nimmt zu (z.B. von Balaton), und
Fremdenverkehr stellt einen Vorteil für das Komitat dar.
Die
Entwicklung der Landwirtschaft ist eine große Chance für Somogy. Die Natur des
Komitats ist praktisch unberührt, aufgrund der geringfügigen
Industrialisierung. Man kann noch viele seltene Tiere und Pflanzen im Original
sehen. Es wird der Wander-, Wasser- und Fahrradtourismus unterstützt. Die Bevölkerung
ist gegenüber den Naturschutzgebieten sehr tolerant. In nächster Zeit soll der
Müll aus den Naturschutzgebieten entsorgt werden.
Im
Vergleich zu den anderen Komitaten steht Somogy wirtschaftlich an der 11. Stelle
(aus insgesamt 19), also praktisch in der Mitte. Man hofft, man wird nach oben
klettern. Mehrere Arbeitskommissionen sorgen für die Verbesserung der
Verkehrslage.
Es
gibt zwei Richtungen in der Bauindustrie: Sand und Kies, sonst Bearbeitung von
landwirtschaftlichen Produkten. Es wird eine dritte Richtung vorgeschlagen, nämlich
Umweltindustrie (Biowirtschaft), aber dies wurde noch nicht näher durchdacht.
Große
sozialistische Betriebe soll es nicht mehr geben, die die da waren, haben sich
zerteilt. Es ist eine Optimierung der Holzprodukteherstellung geplant,
Bearbeitung vom rohen Holz bis zum fertigen Produkt.
Tarek Attia, Stefan Bahr, Andre Fedorchenko
[i]
Islván Lázár: Kleine Geschichte Ungarns. Budapest 1990 (3. Aufl.), S. 112-113.
19.
Naturschutz am Kis-Balaton, 30.05.97
I.
An
diesem Freitag Morgen sind wir um 7.00
Uhr aufgestanden und haben um 7.30
Uhr gefrühstückt. Gegen 8.30
sind wir zum Forschungsinstitut vom ›Klein-Balaton‹ (Kis-Balaton) in Fenékpuszta
südlich von Keszthely, um uns dort einen Vortrag über die Naturgeschichte des Balatons und über das Naturschutzgebiet Kis-Balaton anzuhören.
Vor
dem Forschungsinstitut erzählte uns Professor Antal
etwas über die Geschichte der Wasserregulierung des Flusses Zala,
der hier in den Balaton mündet. Im 19. Jahrhundert mündete der Fluß nicht
direkt in den Balaton, sondern führte in weiten Schleifen durch ein Sumpfgebiet,
in welchem die mitgeführten Sedimente abgelagert wurden.
Vor
dem See gab es eine Reihe von Senken, die als eine Art Filter
wirkten, und in denen sich der Schlamm größtenteils absetzte. Nur geringe
Mengen Sedimente erreichten den Balaton.
Bei
Ausgrabungen in der Umgebung des Sees fand man Reste ehemaliger Schutzwälle und
Deiche aus der Römerzeit, die erkennen lassen, daß früher der Balaton eine größere
Ausdehnung hatte und insbesondere höhere und unregelmäßigere Wasserstände
vorkamen. Diese Hochwassergefährdung und die Versumpfungen durch die regelmäßigen
Überschwemmungen, die auch einen Verlust an landwirtschaftlich nutzbarem Land
bedeuteten und die bis ins 19. Jahrhundert andauerten, waren Anlaß einer Reihe
von Regulierungsmaßnahmen vor allem am wichtigsten Zufluß des Balaton, der Zala.
Im
vergangen Jahrhundert haben die Grundeigner des Mündungsgebietes der Zala den Verlauf des Flusses drastisch verändert. Die begradigte
und kanalisierte Zala mündete nun direkt in den Balaton, so daß das
Sumpfgebiet weitgehend trocken gelegt werden konnte. Durch diese Maßnahme
versprach man sich gutes Ackerland; die ›lästigen‹ Moore sind ausgetrocknet
und es entstanden große Weidegebiete.
In
den hundert Jahren nach diesem Eingriff in den Wasserhaushalt wurde aber
sichtbar, daß sich nun der ganze Schlick, das gesamte mitgeführte Sediment in
der Bucht von Keszthely im Balaton selbst absetzte, da die natürlichen Filter
fehlten. Der Balaton verschmutzte. Man versuchte den Schlamm mit Baggern zu
beseitigen, um wenigstens die Schiffahrtsverbindungen frei zu halten. Der Wett
der Bucht von Keszthely als Kur- und Fremdenverkehrsort war ernsthaft gefährdet.
Ebenso drohte dem Balaton eine ökologische Katastrophe, eventuell sogar
langfristig eine völlige Verschlickung.
Nachdem
man sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend der gravierenden negativen Folgen
der Regulierung der Zala bewußt wurde, versuchte man nun den Fluß wieder in
sein ursprüngliches Bett zurück zu bringen. Doch mußte das durch eine planmäßige
Umgestaltung des gesamten Gebietes des Kis-Balaton
begleitet werden. Der Flußverlauf wurde so gelegt, daß er in großen, gegenläufigen
Schleifen mit minimalem Gefälle durch eine Reihe von flachen Seen, Becken und
Schilfsümpfen geführt wurde, in denen sich Schlick und Schlamm absetzen und
Verunreinigungen wie z.B. erhöhte Nitrat- und Phosphatwerte aus der
Landwirtschaft biologisch abbauen können. Dieses wissenschaftlich genaustens
kontrollierte Konzept der Renaturisierung und der biologischen Wasserreinigung
ist in dieser Form weltweit einmalig und wird von Naturschützern und
Wasserbauingenieuren aus aller Welt besucht. Im ebenfalls sumpfreichen und von
Wasserverunreinigungen bedrohten Florida (USA) wird derzeit ein ähnliches, wenn
auch kleiner dimensioniertes Projekt in Angriff genommen, das sich an den
ungarischen Erfahrungen orientiert.
Nach
diesem kurzen Einleitungsvortrag haben wir uns im Forschungsinstitut des
Naturschutzgebietes einen Film über Geschichte und Gegenwart des
Naturschutzgebietes angeschaut, in dem auch die reichhaltige Vogelwelt
vorgestellt wurde.
Im
Naturschutzgebiet Kis-Balaton in Mitteltransdanubien
westlich der Donau befindet sich eine in Europa einmalige Naturlandschaft, deren
individuelle Charakteristik als Feuchtbiotop vor allem durch die vielen seltenen
Wasservögel und Sumpfpflanzen gekennzeichnet ist. Die Besonderheiten und der
Artenreichtum reichen aber über das eigentliche Naturschutzgebiet hinaus und
zeichnen das weitgehend unter Landschaftsschutz gestellte Gebiet um den Balaton
herum aus.
Am
Balaton, vor allem aber auch im Naturschutzgebiet Kis-Balaton wachsen dreizehn
der in Europa bekannten achtundvierzig Orchideenarten; genauso wachsen hier Süßgras,
Vergißmeinnicht, Wasserlegerich, Schwanenblume und Blutweide. Es gibt
verschiedene Arten von Fröschen, Schnecken und Libellen. Die Jagd auf Wasservögel
ist im Naturschutzgebiet und am Balaton strikt verboten, genauso wie im gesamten
Balatongebiet die Jagd auf Wildschweine und Füchse. Die seltenen Vögel halten
sich hier als im Sommer als Zugvögel auf und brüten und ziehen ihre Junge hier
auf und bereichern damit die reichhaltige Einheimische Vogelwelt.
Nach
der großen Überschwemmung im Jahre 1985 versumpften wieder etliche Gebiete um
den Balaton; Schilf breitete sich wieder aus, welcher Nahrung, Lebensraum und
Schutz für die dort ansässigen Lebewesen, vor allem aber auch für die
Vogelwelt bieten konnte.
Dies
bedeutete einen Umkehr der Entwicklung. In der älteren Siedlungsgeschichte des
Seegebietes sank bis zum 18. Jahrhundert der Wasserspiegel des Balaton
kontinuierlich um etwa drei Meter; er schien langfristig auszutrocknen. Zunächst
bedeutete das eine Ausdehnung der Sumpf- und Schilfgebiete auf kosten der
offenen Wasserflächen. Im 19. Jahrhundert begannen dann die schon erwähnten
wasserwirtschaftlichen Regulierungsmaßnahmen, die das hydrologische
Gleichgewicht noch stärker beeinträchtigten und sehr unregelmäßige, von der
jeweiligen mittelfristigen Wettersituation abhängige Wasserstände bewirkten.
Außerdem sank die Wasserqualität.
Das
Gebiet zog ab 1922 die ersten Naturschützer an, die 1944 das Forschungsinstitut
für Naturschutz gegründet haben. Jedes Jahr nach der Schneeschmelze
kontrollieren die Naturschützer die Wasserqualität; genau zu der Zeit, wenn
die Fische zu laichen beginnen und die Wasservögel anfangen, ihre Nester zu
bauen.
Um
die Flora und Fauna dieses einzigartigen Gebietes zu schützen, fing man dann
1961 mit dem Bau der Renaturisierungsmaßnahmen im Gebiet der Zala-Mündung im
Naturschutzgebiet Kis-Balaton an. Seither dürfen an der Natur interessierte
Besucher dieses Gebiet nur noch mit besonderer Genehmigung und in Begleitung durch einen Mitarbeiter der Naturschutzbehörde
betreten.
Unsere
Gruppe hatte durch Herrn Prof. Antal
eine solche Genehmigung erhalten und konnte daher unter fachkundiger Leitung das
Naturschutzgebiet besichtigen, wobei die technischen und baulichen Maßnahmen
der Renaturisierung der Zala und das Konzept der natürlichen Wasserreinigung
des Flusses vorgestellt und erläutert wurde.
Helena
Holm
II
Im
Jahre 1826 wurden die tiefgreifenden Änderungen am Flußverlauf der Zala eingeführt. Im gleichen Jahr wurden auch die Hochwasserschutz-
und Regulierungsmaßnahmen vom Komitat
Zala durchgeführt.
Die
Becken der zwei Teile des Balaton –
Balaton und Kis-Balaton (Klein-Balaton) – sind morphologisch getrennt und nur
über eine Schwelle hinweg für das Wasser verbunden. Die Zala floß früher erst in den Kis-Balaton,
nach der Regulierung wurde sie direkt in das Becken von Keszthely in den Balaton
geleitet.
In
den Jahren 1834 bis 1837 war eine Dürreperiode, in das Wasserniveau des Balaton
sank. Nach dieser Dürre kam es dann zu einer katastrophalen Überschwemmungsperiode,
in der der Wasserspiegel des Balaton wieder stark stieg. Das war der Anlaß, bei
Siófok am südlichen Balaton in der Mitte des letzten Jahrhunderts den kleinen
Bach Sió zum Siókanal auszubauen und
eine regulierte Verbindung zum Einzugsbereich der Donau herzustellen. Seither
kann der Wasserstand des Balaton reguliert werden. Der Siókanal kann 15 km³
Wasser pro Sekunde aus dem Balaton abführen und den Wasserstand um zwei Meter
absenken. Gleichzeitig wurde im Gebiet des Balaton auf Initiative von Graf István
Széchenyi hin, der auch die
Balaton-Dampfschiffahrt gegründet hatte, die Eisenbahn gebaut. Eine
internationale Strecke führt seither vom Balaton auch über Kroatien an die
Adria.
Die
Zala wurde im Laufe der Regulierungsmaßnahmen seit dem 19.
Jahrhundert kanalisiert. Ihr bislang mehr als zwei Kilometer breites Sumpfgebiet
wurde auf einen Auebereich von achtzig Metern reduziert, der Verlauf begradigt,
der Fluß eingedeicht und als etwa zwei Kilometer langer Kanal in den Balaton
geleitet, wobei dann auch eine Brücke die verkehrsmäßige Erschließung ermöglichte.
Im
Winter bedeckt eine dreißig bis vierzig Zentimeter dicke Eisschicht den See. Am
Ende des Winters, Anfang Frühling, wird das Eis aufgebrochen und die Schollen
werden vom Wind auf das Land gedrückt, wo es mächtige Eiswälle bildet. Sogar
Straßen und Eisenbahnlinien sind schon durch dieses Eis beschädigt worden!
Das
alles waren bis jetzt die wichtigsten Probleme für den Balaton und den Fluß Zala im Kis-Balaton. Folgende Maßnahmen wurden dann im 20.
Jahrhundert vorgenommen.
1922
wird mit der Regulierung der Zala der Klein-Balaton in zwei Teile geteilt.
Trocken fallen jetzt die Gebiete, auf denen bislang die Zala noch Sedimente auf
das Land gelagert hatte.
1927
wurden die letzten Regulierungsarbeiten, die man am Balaton machen mußte,
fertig. Seither ist auch der Wasserstand des großen Balaton festgelegt.
Nach
dem Zweiten Weltkrieg begann eine stärkere Industrialisierung des
Balatongebietes. Die Initiative ging vor allem vom Komitat
Zala aus, das seinen Sitz in Zalaegerszeg
hat. Damit ergaben sich zwei gravierende Probleme: die fehlenden Wasserleitungen
und die fehlende Kanalisation. Die notwendigen Wasserwerke und Klärwerke wurden
jedoch nicht gebaut, was einerseits zu Trinkwasserknappheit, andererseits zu
einer starken Verunreinigung des Grundwassers und des Balatons führte.
Seit
Ende der 50er Jahre stieg in der Landwirtschaft der Verbrauch an Kunstdüngern.
Seither stieg die Belastung des Grundwassers wie der Oberflächenwässer, vor
allem also auch der Zala, mit Nitraten und Phosphaten, die zu einer ökologisch
bedenklichen Überdüngung und Eutrophierung des Kis-Balatons wie der großen
Balatons führte. In den Balaton wurden ca. 500 t Phosphat im Jahr eingeleitet.
Seit
1962 vermehrten sich dann die Algen im Balaton in katastrophaler Weise. Dieses
Algenwachstum wird durch den überhöhten Phosphatgehalt des Wassers bedingt.
Vor allem auch an den Badestränden und vor den Campingplätzen, wo viele
Touristen ihren Urlaub verbringen, wurden tonnenweise Algen angeschwemmt. Die
gleichen Probleme fanden sich dann auch am Klein-Balaton. Das war dann der Anstoß,
das natürliche Filtersystem des Kis-Balaton wieder zu rekonstruieren.
Bevor
wir uns dann die heutigen Renaturisierungsmaßnahmen im Naturschutzgebiet
Kis-Balaton anschauten, konnten wir noch einen kleinen Blick in die Geschichte
werfen.
Seit
der Mensch in diesem Raum siedelte, mußte er sich mit den natürlichen Probleme
des Balaton auseinandersetzen. Bei Zalavár
(= ›Zalaburg‹) finden sich alte Siedlungsreste, so auf einem Hügel, der vor
den damaligen Hochwässern schützen sollte, die Reste einer römischen Basilika
(Récéskúti Bazilika romja). Das Eindringen in diese Sumpfgebiete war schwer.
Die Siedler befestigten die Wege mit haltbaren Holzstücken (Pflöcken, Balken),
die aber vom Wasser bedeckt waren und von Ortsfremden nicht gefunden werden
konnten.
Mehrere
kleine Hügel und Inseln waren durch solche Moorwege verbunden. Die Römer
legten auf der Récésinsel (Récéssziget)
eine große Festung an, die als Arsenal und Schutzburg diente, aber in einer
Feuersbrunst vernichtet wurde.
Nach
dem Abzug der Römer aus Pannonien und Transdanubien zur Völkerwanderungszeit
kam das Gebiet unter die Herrschaft slawischer Fürsten. Das Gebiet wurde
slawisch besiedelt, ehe im zehnten Jahrhundert mit der Landnahme
die Magyaren das Ungarische Reich gründeten.
Kozel, der Sohn des ersten slawischen Fürsten, übernahm nach dem
Tod seines Vaters die Herrschaft und trat mit seinen Untertan zum Christentum über.
Er baute hier seine erste kleine Kirche. Hierher kamen die Heiligen Cyrill
und Method, um die Heilige Messe in bulgarischer Sprache zu lesen. Sie
waren auf dem Weg nach Rom zum Papst, mit dem sie in Streit um die Sprache der
Liturgie standen. Der Weg vom Balkan führte sie durch Ungarn, was damals nicht
der einzige Weg, aber weniger gefährlich als andere Wege gewesen ist. In Rom
angekommen, mußten sie dem Papst versprochen, zukünftig die Heilige Messe
wieder in lateinischer Sprache zu lesen. Cyrill ist in Rom gestorben, während
Method in das Gebiet der späteren Tschechoslowakei zurückkehrte, wo ihn der
Salzburger Erzbischof gefangen nahm. In der Gefangenschaft ist er gestorben. Das
Denkmal an den Besuch von Cyrill und Method steht heute an der Stelle dieser
ersten christlichen Kirche (Cirill-Metód-Emlékmü).
Nach
der Landnahme durch die Ungarn und die Christianisierung durch den Heiligen
Stephan, König István I., erneuerte
er die Kirche. Daran erinnert das zweite Denkmal an diesem Ort, auf dem auf
einer Tafel steht: „Zur heldenhaften Erinnerung an die Errichtung des ersten
Zentrums vom ersten König, Stephan I., stellt das Komitat Zala diese Tafel
auf.“
Das
Denkmal wurde 1985 errichtet und nach Abschluß weiterer historischer und archäologischer
Untersuchungen, an denen auch die ELTE Budapest beteiligt war, 1996 vom Komitat
Zala erneuert. Im Laufe der Untersuchungen wurden römische Steine und die Reste
eines alten Bauernhauses gefunden.
Es
folgen nun einige Erläuterungen zum Zalaprojekt:
-
Das Wasser der Zala wurde bisher noch nicht gereinigt. Viele gefährliche Stoffe
sind durch die menschliche Nutzung hereingekommen. So kommt das Wasser in das
Gebiet des Kis-Balaton.
-
Nach Durchfließen des Renaturierungsgebietes am Südende ist das Wasser sehr
viel sauberer.
-
Die getrennten Teile des Kis-Balaton sind wieder verbunden worden.
-
Das Wasser kommt von Norden aus dem Hügelgebiet von Kemenesalja und Kemeneshát
nördlich von Zalaegerszeg und aus der Region um Héviz und fließt zunächst
nach Süden durch die ersten Becken des Kis-Balaton-Projektes, um dann umgelenkt
wieder nach Norden zum Balaton durch den zweiten Teil der
Wasserreinigungsbecken, das eigentliche Schilfgebiet, zu fließen.
-
Damit ist der erste, nördliche Teil, der Grobreinigung und Sedimentation des
noch belasteten Wassers, der zweite Teil, der noch nicht fertig gestellt ist,
der zweiten biologischen Stufe des schon sehr viel saubereren Wassers
vorbehalten.
Im
Sommer, wenn sich die Temperatur erhöht, kommen die Algen an die Oberfläche,
die etwa 40% des Phosphatgehalts aufnehmen. Sie werden in den ersten Becken zurückgehalten.
Auch Mückenlarven nehmen phosphathaltige organische Substanz auf, Fische ernähren
sich von diesen Mückenlarven und bauen mit dem Phosphat ihr Grätengerüst auf,
so daß dieser Schadstoff in einen natürlichen biologischen Kreislauf der
Nahrungskette aufgenommen und für das Wasser unschädlich gemacht werden kann.
Die Fische werden im Balaton gefangen und dienen als schmackhafte und gesunde
Nahrung für den Menschen.
Der
Weg des Wassers von der rechte, nördlichen, zur linken, südlichen, Seite
dauert etwa dreißig Tage. Die Reservebecken, die parallel zum Fluß angeordnet
sind, dienen als Rückhaltebecken für besonders stark verschmutze Zuflüsse (Öl,
Chemikalien, Mikroorganismen).
Die
Becken der ersten Stufe wurden 1981 bis 1985 gebaut und später mehrfach
erneuert. Es entstanden zwei Sedimentationsbecken. Insgesamt sind 16 km² von
insgesamt geplanten 50 km² fertig gestellt. Der ›große‹ Balaton hat 600 km².
Im Ausbau ist jetzt die zweite Stufe mit weiteren Becken und einem großen
Schilfgebiet, das bis an die Mündung in den Balaton heranreicht und das Zentrum
des eigentlichen Naturschutzgebietes ist.
Dieses
System kann ungefähr 100 Jahre lang funktionieren, bis es zusedimentiert ist.
Dann müßten die Becken ausgebaggert und der Schlamm in tiefer gelegene Senken
verbracht werden.
Von
der ehesten Stufe geht das Wasser durch ein Schleusensystem in das Gebiet der
zweiten Stufe, in der die biologische Reinigung erfolgt. Hier finden die schon
teilweise erläuterten biologischen Kreisläufe statt, in denen durch
Mikroorganismen Schadstoffe, Phosphate und Nitrate, gebunden und ausgefällt
werden.
Das
Wasser hat an der Schleuse eine dunkelbraune Färbung, da die Zala durch
Moorgebiete und über Torfablagerungen – z.T. aus Gebieten, in denen sich in
vorgeschichtlicher Zeit später ausgetrocknete Buchten des Balaton befanden –
fließt, wobei verschiedene Huminstoffe freigesetzt und gelöst werden. Diese
Huminstoffe werden durch die Sonneneinstrahlung zersetzt, womit eine natürliche
Reinigung des Wassers im ganzen Balatongebiet stattfindet.
Auf
der Wasseroberfläche finden sich auch Insekten, die die Oberflächenspannung
des Wassers nutzen, um auf ihr zu laufen. Diese Tierarten, zu denen auch die
Wasserspinnen gehören, sind ein untrüglicher Indikator dafür, daß sich keine
die Oberflächenspannung vermindernde Waschmittelrückstände und Detergentien
im Wasser mehr befinden: sie würden sonst im Wasser einsinken und ertrinken. Da
diese Tierchen hier trotz Schaumbildung an der Schleuse zu finden waren, kann
daraus geschlossen werden, daß diese Schäume andere, biologische Ursachen
haben, die ökologisch nicht mehr bedenklich sind.
Katarina
Domic
III.
Der
zweite der beiden Reinigungsvorgänge vollzieht sich auf einem 2200
ha großem Gebiet, das etwa einen Meter überschwemmt wurde und für die
biologische Reinigung der Zala, bevor sie in den Balaton mündet, verantwortlich
ist.
Während
im ersten Becken noch Algen für die Reinigung des Wassers verantwortlich waren,
übernehmen diese Aufgabe jetzt Schilfrohr und andere Wasserpflanzen „höherer
Stufe“, wie unser Reiseleiter sie
bezeichnete, die in großer Anzahl auf der ganzen Fläche anzutreffen sind.
Um
die Reinigung und somit auch die Wasserqualität noch weiter zu verbessern, hat
man vor einigen Jahren den Versuch unternommen, 120t einer (im Gegensatz zu
einheimischen Fischsorten) algenfressenden Fischart aus Südostasien in das
Becken einzuführen. Im Wasser befindliche Bakterien konterkarierten dieses
Vorhaben jedoch, da diese südostasiatischen Fische nicht immun gegen sie waren.
Es ist allgemein ungünstig, ortsfremde Arten in einen neuen Lebensraum
einzusetzen, da diese nicht die selbe Resistenz aufweisen wie einheimische
Tiere.
Aufgrund
der in der Vergangenheit begangenen Fehler beobachtet und untersucht das Limnologische
Institut für Seenkunde den Balaton, um für die Zukunft Erkenntnisse zu
sammeln und den notwendigen Umgang mit dem Naturschutzgebiet Balaton sicher zu
stellen.
Wie
in dem Film über den Balaton erwähnt sind neben vielen seltenen Pflanzenarten
in dem Naturschutzgebiet auch zahlreiche vom Aussterben
bedrohte Vogelarten anzutreffen.
Kormorane
(die Kolonie besteht aus etwa 2500 Paaren), Purpur-, Grau- und Silberreiher z.B.
sind von Mitte April bis Ende September am Balaton anzutreffen. Der biologische
Rhythmus erstaunt die Forscher jedes Jahr ums neue, wenn die Zugvögel exakt 2
Tage nach der Schneeschmelze zum Balaton zurückkehren.
Die
Schilfbestände müssen in den Wintermonaten aufgelockert werden, damit neuer
Schilf besser nachwachsen kann, doch ansonsten wird der Schilf nicht weiter
wirtschaftlich genutzt. Unser Reiseführer informierte uns auch darüber, daß
der Schilf eine empfindliche Pflanze ist, so daß z.B das Wasser beim Bau des
zweiten Reinigungsbeckens sehr langsam eingelassen werden mußte, damit sich der
Schilf Zentimeter für Zentimeter an die neuen Bedingungen gewöhnt und in
gleicher Geschwindigkeit mit dem steigenden Wasserstand nachwachsen kann. Diese
Methode wird übrigens in Südostasien beim Anbau des sogenannten »Treibreis«
angewandt. Sobald die normalen Wachstumsparameter erreicht sind, d.h wenn das
Ansteigen des Wassers und das Wachstum der Pflanze synchron sind, ist der Schilf
eine sehr widerstandsfähige Pflanze.
Unser
Führer schloß seinen Vortrag mit den Worten, daß das wissenschaftlich
geplante System zum Schutz und zur Erhaltung des Balaton mit großem Erfolg
funktioniert.
Wir
fuhren anschließend zurück zum Forschungsinstitut von Klein-Plattensee bei Fenékpuszta,
um den Führer abzusetzen und daraufhin weiter nach Keszthely.
Keszthely
Dort
machten wir von 13h-14h eine Essenspause und besichtigten danach das Schloß der
Magnatenfamilie Festetics in Keszthely. Professor Antal erzählte uns, daß die Fürsten von
Festetics in Keszthely die erste ungarische landwirtschaftliche Akademie gegründet
hatten, das Georgikon, in der
Agrarfachleute für alle Landesteile ausgebildet wurden und die in ganz Ungarn
hoch geschätzt war.
Zu
dieser Zeit förderte die Aristokratie, d.h. Adlige und Magnaten (adlige Großgrundbesitzer)
in besonderem Maße Ungarns Kultur.
István
Széchenyi z.B. spendete 1837 sein Jahreseinkommen
unter
anderem für die Akademie der Wissenschaften auf der Pester Seite der
Hauptstadt. Heute enthält das Gebäude das Präsidium für akademische Prüfungen
und es werden in ihm Vorträge abgehalten. Széchenyi vollbrachte noch viele ähnliche
Taten, für die seine Familie in ganz Ungarn geehrt wurde.
Ähnlich
selbstlos traten auch die Fürsten von Festetics
in Keszthely für die ungarische Entwicklung und Freiheit ein. Ihre
Hinterlassenschaft wurde aber im 20. Jahrhundert sehr beeinträchtigt.
Aus
dem Schloß selbst wurden während des 2. Weltkrieges fast alle wertvollen Schätze und Möbel verschleppt oder von den ungarischen
Soldaten und der Bevölkerung verkauft, da es im Krieg keine anderen
Einkommensquellen gab.
Mit
Hilfe alter Fotos konnte man jedoch nach dem Krieg viele Möbel nachbauen und so
ersetzen.
Lediglich
im Gebäudeflügel mit der Bibliothek, der als einziges von den deutschen
Besatzungstruppen im Zweiten Weltkrieg verschont wurde, sind noch die originalen
Möbel und Bücher zu finden. Ein deutscher Offizier, der im Zivilberuf russisch
und französisch unterrichtender Lehrer war, erkannte den historischen und
kulturellen Wert der Bibliothek. Er ließ den Gebäudeflügel zumauern und hängte
ein Schild an den einzigen verbliebenen Aufgang mit der Aufschrift:
„Seuche“. So blieb die Bibliothek als großes kulturelles Erbe der Nachwelt
erhalten.
Héviz
Nach
diesen Vortrag konnten wir das Schloß weiter selbständig besichtigen, bis wir
dann um etwa 17 Uhr zum See von Héviz
fuhren. Dort konnten wir dann wahlweise das Thermalbad, das übrigens das größte
und tiefste in Europa ist, besuchen oder die Stadt besichtigen um Postkarten und
die letzten Souveniers zu kaufen oder um einfach nur ungarische Spezialitäten
zu essen.
Nach
etwa einer Stunde fuhren wir mit dem Bus zurück zum Campingplatz, haben zu
Abend gegessen und bekamen für den Rest des Tages Freizeit.
Vesna Plavsic
20.
Keszthely – Szépkicátó – Bauxitabbaustätte – Rückfahrt nach Hannover,
30.05.97
Vorwort:
In
der Nacht zum 31.05. übernachteten wir auf einem Campingplatz in Keszthely, welcher direkt am Balaton
gelegen war. Der Campingplatz wurde von einer Straße sowie einer Bahnlinie nach
Norden abgegrenzt. Der große, ebene und überwiegend schattige Wiesenplatz
blieb trotz der zahlreichen Gebäude übersichtlich. Asphaltstraßen
unterteilten die Platzsektionen in einem sinnvollen Rahmen. Der Strand hatte
eine Länge von etwa 100 Metern. Durch Kioske und Restaurants aller Art war
unsere Versorgung gesichert.
Keszthely: Diese Stadt liegt am nördlichen Balatonufer und gehört dem Komitat
Zala an. Mit 22.500 Einwohnern ist sie die größte Gemeinde am Balaton und
ebenfalls ein traditionelles Ferienzentrum an der Westseite des Sees mit
Strandbad, Hotels und zahlreichen Freizeitmöglichkeiten. György Festetics
richtete hier die erste Agrarhochschule Europas, das ›Georgikon‹ (heute:
Agraruniversität) ein, die Keszthelys Bedeutung als Kultur- und Bildungsstadt
begründete.
Nachdem
Keszthely im Mittelalter einen Knotenpunkt wichtiger Handelswege darstellte. Die
Gemeinde wurde von den Türken eingenommen und von habsburgischen Truppen
erobert, nachdem man den Rákóczi-Aufstand unterstützt hatte. Seit 1739 befand
sich die Gemeinde im Besitz der Fürstenfamilie Festetics, die ausgedehnte
Latifundien in der Umgebung besaß und die Stadt zum Mittelpunkt ihrer
kulturellen Aktivitäten machte. Keszthelys Entwicklung zum Badeort vollzog sich
seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.
In
Keszthely gibt es verschiedene Sehenswürdigkeiten, in der Hauptsache ist jedoch
das Schloß Festetics sehenswert, welches auch am Vortag von uns besichtigt
wurde. Andere Sehenswürdigkeiten sind das Meiereimuseum, das ehemalige
Franziskanerkloster, das Balaton-Museum, das ›Georgikon‹ sowie der
Helikon-Park.
Der Tag im allgemeinen:
Dieser
Sonnabend war der letzte Tag unseres Aufenthaltes in Ungarn. Die geologischen,
kulturellen und wirtschaftlichen Besonderheiten bzw. Bedeutungen sowie der
Bauxitabbau der Region um den Balaton bildeten den thematischen Schwerpunkt
dieses Tages.
Nach
dem reichhaltigen Frühstück um 07.30 Uhr und der Begrüßung durch Herrn Voigt
und Frau Halstenberg wurde der Abfahrtstermin vom Campingplatz in Richtung
Deutschland für 09.00 Uhr festgelegt. Den Schülern blieb somit noch
ausreichend Zeit, um die letzten Sachen in den Koffern zu verstauen und um sich
mit Verpflegung für die lange Fahrt einzudecken.
Nach
der pünktlichen Abfahrt wurde von Herrn Voigt der Programmablauf des Tages erläutert.
Der erste Etappenpunkt des Tages stellte die Besichtigung des Hafens und des
Ufers von Keszthely direkt am Balatonufer dar. Nach kurzer Fahrt wurde dieser
Ort um etwa 09.35 Uhr erreicht. Am vorderen Ende eines Bootsanlegers wurde von
Herrn Professor Antal sowie der Übersetzerin Frau Cravero ein Vortrag über die
Naturgeographische Situation am nördlichen Balatonufer gehalten. In „windiger
Atmosphäre“ wurden uns erste Einblicke in dieses vielfältige Themengebiet
gegeben:
Balaton – Bedeutung, Besonderheiten und
Allgemeines:
Herr
Prof. Antal begann seine Erläuterungen mit einer kurzen Charakteristik des
Balatons. Das Hauptmerkmal sei seine langgestreckte Form und seine geringe Tiefe
(3-4 m). Er ist der größte Binnensee Mitteleuropas. und erstreckt sich
zwischen dem Transdanubischen Hügelland und dem Bákonywald etwa 95 bis 190
Kilometern südwestlich der Landeshauptstadt Budapest; mit einer Fläche von
etwa 600 Quadratkilometern ist der Balaton mit seinem Umland eine der
bedeutendsten Ferienregionen Ungarns. Der Professor begründete diese
Beliebtheit des Balatons mit der natürlichen Schönheit, den Möglichkeiten für
Wassersport, der touristischen Infrastruktur sowie den Sehenswürdigkeiten im
Hinterland. Das „Ungarische Meer“ ziehe jährlich mehr als 600.000 Urlauber
aus dem In- und Ausland an.
Der
Balaton ist, wie die meisten Seen Ungarns, geologisch gesehen ein sehr junger
See. Er entstand am Ende des Pleistozäns vor rund 20.000 – 22.000 Jahren
durch tektonische Absenkungs- und Hebungsvorgänge, womit der Beweis von dem
Zusammenhang zwischen der geologischen Struktur und der Gestalt der
Erdoberfläche (Geomorphologie) erbracht sei. Langsam lief der See damals
voll.
Die
Zuflußsituation am Balaton stellt etwas Besonderes dar. Hauptsächlich wird der
Fluß von der Zala und verschiedenen Quellen gespeist; diese Quellen sind hauptsächlich
Karstquellen im Raum Tapolca, welche in Kalkhöhlen vorkommen. Das Wasser fließt
aus diesen Quellen unter- und oberirdisch in den See. Die Fließmenge ist abhängig
von der Regenfülle, dementsprechend ist das Höhenniveau des Sees bzw. die
Wassermenge abhängig von der Wetterlage.
Trinkwasservorkommen
im nördlichen Großraum des Balaton seien, laut Herrn Antal, ein enorm
wichtiger Schatz Ungarns im Hinblick auf die Zukunft.
Die
Wasserhöhe des Balaton lasse sich durch den Sió-Kanal in einer exzellenten Art
und Weise lösen (
Vortag); selbst Umweltkatastrophen könnte
so reguliert werden.
Das
Grundwasser im Raum Balaton kann sich stets selber regenerieren.
Der
77 km lange und bis zu 14 km breite See war früher von der Oberfläche her größer.
Das verhältnismäßig flache Gewässer 2 die tiefste Stelle beträgt nur 12 m,
ist in seiner Bestehenszeit bereits zweimal ausgetrocknet, was auch auf die
geringe Wassermenge von etwa 2 Milliarden Kubikmeter Wasser zurückzuführen
ist. Viele Buchten um den See sind heute trockengefallen – es ist ein Restmoor
mit Torf entstanden. Unter dem Balaton sind mehrere Meter Torf zu finden, daher
auch der Name „Balaton“, welcher sich von dem slawischen Wort „blatno“ für
Sumpf oder Moor abgeleitet hat.
Der
Binnensee besteht aus mehreren einzelnen Becken. An der schmalsten Stelle beträgt
die Breite nur einen Kilometer. Das ist bei der Halbinsel Tihany mit der Abtei
Tihany, einem der wichtigsten Kulturdenkmäler aus dem Mittelalter, in dem die
ältesten Schriftdenkmäler in ungarischer
Sprache aus dem Mittelalter aufbewahrt werden.
Westlich
und östlich dieser Stelle wechselt die Wassertiefe häufig und regelmäßig –
doch warum? Bei Wind wird Wasser durch diese Enge geschoben, das Wasser hat natürlich
Erosionskraft. Wie bei einer Düse vergrößert sich in der See-Enge die Fließgeschwindigkeit
und vertieft den Seeboden, der hier folglich mit ca. elf Metern seine tiefste
Stelle erreicht. Während die
Wasserhöhe auf der einen Seeseite sinkt, steigt sie parallel dazu auf der anderen Seite.
Dieses Phänomen ist sehr charakteristisch für die Morphologie des
Seebeckens des Balaton. Das Phänomen der Vertiefung eines Fahrwassers durch den
›Düseneffekt‹ findet sich auch in der Einfahrt zum Jadebusen beim
Tiefwasserhafen von Wilhelmshaven, hier aber bewirkt durch die regelmäßigen
Tideströme.
Die
geringe Tiefe des Gewässers ist trügerisch. Man kann zwar vor allem an der Südseite
sogar mit Kindern sehr weit ins den See hineingehen, jedoch haben sich durch gefährliche
Strömungen und Böen immer wieder Todesfälle im Balaton ereignet. Folglich
gibt es staatliche Sturmwarnungen.
Infrastrukturell
ist der Balaton sehr weit entwickelt. Durch viele Straßen (E 96, Autobahn von
Budapest her) ist der Balaton gut mit dem Auto zu erreichen. Bahnlinien sowie
Busverbindungen sorgen für gute Verkehrsverbindungen. Auf dem See befindet sich
ein Autofährensystem mit über 15 Anlaufhäfen. Die
Dampfschiffahrtsgesellschaft auf dem Balaton war sogar schon zehn Jahre früher
gegründet worden als die staatliche Eisenbahn Ungarns – übrigens
beides auf Initiative von Graf István Széchenyi hin, des großen
Reformers und Industrialisierers Ungarns im 19. Jahrhundert.
Das
Klima am See ist angenehm, die Durchschnittstemperatur in den Sommermonaten beträgt
über 24° C. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt bei 70 bis 75 %. Die
Wassertemperatur steigt bereits im Mal auf 15° C und erreicht im Sommer etwa 20°
C. In den äußerst flachen Gewässerteilen werden sogar manchmal Temperaturen
von 27° C erreicht. Im Winter lädt der See zum Schlittschuhlaufen ein.
Die Weiterfahrt:
Nach
diesen Erläuterungen ging es mit dem Bus um etwa 10.45 Uhr weiter. In Szépkicátó,
einem kleinen Ort am Balaton, wurde ein kurzer Photohalt eingelegt. Man hat von
dort einen wunderschönen Ausblick auf die einzelnen Becken des Balaton sowie
das Umland. Herr Prof. Antal erklärte kurz den Bestand an Weinbergen in der
Region und deutete anhand des schönen Fichtengeruchs auf die intakte Natur hin.
Um 11.05 Uhr ging es weiter.
Nach
etwa zweistündiger Fahrt durch wenig besiedeltes Gebiet wurde um etwa 13.00 Uhr
eine ehemalige Bauxitabbaustätte besucht:
Bauxit: Dieser Stoff ist ein erdiges
Sedimentgestein von weißer bis rötlicher Färbung aus verunreinigten
Aluminiumhydroxiden. Es ist der wichtigste Rohstoff für die Aluminiumgewinnung.
Bauxite entstehen durch Verwitterung tonerdereicher Gesteine in tropischem
Klima; dabei wird Kieselsäure gelöst und abgeführt, die Aluminium- und
Eisenoxide werden zugleich angereichert, dieser Silikat- oder Lateritbauxit ist
wegen seines hohen Anteils an Siliciumdioxid und Eisenoxid wirtschaftlich nur
schwer zu verwerten.
Desweiteren
entstehen Bauxite als lockerer Rückstand kohlesäurebedingter Auswaschung von
Kalken in Höhlen und Schlotten. Dieser Kalk- und Karstbauxit hat wegen seines
geringen Kieselsäuregehalts große wirtschaftliche Bedeutung. Aus Kalkbauxit
bestehen alle wichtigen Bauxitlagerstätten der Erde, zum Beispiel in Jamaika,
Guyana, Surinam, Australien, Frankreich (Provence), Kroatien und Ungarn.
Der
Professor berichtete an der rötlichen Grube über die Verwaltung und den Abbau
des Bauxits. Das Bauxit wurde durch Zufall in der Region gefunden. Im Jahre 1926
wurden die ersten größeren Vorkommen entdeckt. Heutzutage wurde der Abbau
jedoch gestoppt – erstens aufgrund der Rentabilität und zweitens aufgrund der
Umweltgefahren. Da der Sumpf immer überwässert ist bildet sich Art Drainage in
den Balaton. Der Kalk wird unterschwemmt – er bricht herunter. Die Folge ist,
daß das Wasser sich nur noch nach unten voranarbeiten kann.
Der letzte Etappenabschnitt:
Nach
der Abfahrt von der Grube um etwa 14.00 Uhr wartete man allgemein auf das
Mittagessen, welches auch kurze Zeit später eingenommen wurde. Die Qualität
ließ jedoch zu wünschen übrig. Um 16.00 Uhr ging es dann gen Heimat. zuvor
wurde sich übrigens noch von unseren ungarischen Begleitern Herrn Professor
Antal und Frau Cravero unter großem Beifall getrennt. Sie fuhren mit der Bahn
zurück nach Budapest. Nach einer ruhigen Fahrt wurde am nächsten Morgen um
06.30 Uhr Hannover erreicht. Die Studienfahrt war beendet ...
Thorsten Milzner, Patrick Gewohn
Teilnehmer
der Studienfahrt nach Ungarn
Autoren der Tagesberichte
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Nr.
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Name
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Vorname
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Reisebericht
/ Protokoll vgl. Seite
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OStR
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Voigt
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Gerhard
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Herausgabe,
Einleitungstexte, Textüberarbeitung
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OStR'
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Halstenberg
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Jutta
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Redaktion
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1.
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Attia
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Tarek
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S.
34 - 37 (Südungarn: Das Grenzgebiet zu Jugoslawien und Kroatien, 29.5.)
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2.
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Bahr
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Stephan
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S.
34 - 37 (Südungarn: Das Grenzgebiet zu Jugoslawien und Kroatien, 29.5.)
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3.
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Balasa
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Endré
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beteiligt
an S. 22 ff. (Stadtplanungsamt, 26.5.)
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4.
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Domic
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Katarina
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S.
20 - 21 (Johannes Hunyadi, Matthias Corvinus und die Türkenkriege, zum
25.5.)
S.
39 - 42 (Naturschutz am Kis-Balaton, II., 30.5.)
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5.
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Dresel
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Christian
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S.
17 - 20 (Aquincum, Szentendre, Donauknie und Esztergom, 25.5.)
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6.
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Fedorchenko
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Andre
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S.
34 - 37 (Südungarn: Das Grenzgebiet zu Jugoslawien und Kroatien, 29.5.)
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7.
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Fischer
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André
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S.
17 - 20 (Aquincum, Szentendre, Donauknie und Esztergom, 25.5.)
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8.
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Gewohn
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Patrick
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S.
44 - 46 (Keszthely – Szépkicátó – Bauxitabbaustätte – Rückfahrt
nach Hannover, 30.5.)
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9.
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Goronczy
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Christine
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S.
29 - 30 (Stadtrundgang Kecskemét, Nationalpark Bugac-Puszta, 27.5.)
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10.
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Habermehl
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Karsten
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S.
17 - 20 (Aquincum, Szentendre, Donauknie und Esztergom, 25.5.)
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11.
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Hänschen
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René
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S.
15 (Geschichte von Budapest, 24.5.)
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12.
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Hergert
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Andreas
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–
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13.
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Holm
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Helena
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S.
38 - 39 (Naturschutz am Kis-Balaton, I., 30.5.)
Endredaktion
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14.
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Horst
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Jeremi
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–
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15.
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Klar
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Matthias
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S.
15 - 16 (Geschichte von Budapest, Das Naturwissenschaftliche Museum,
24.5.)
Endredaktion
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16.
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Mahnecke
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Alisa
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–
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17.
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Mertes
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Michael
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S.
31 - 32 (Agro-AG Bóly, Das Gestüt von Bóly, Die Geschichte der
Deutschen in Bóly, 28.5.)
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18.
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Milzner
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Thorsten
|
S.
44 - 46 (Keszthely – Szépkicátó – Bauxitabbaustätte – Rückfahrt
nach Hannover, 30.5.)
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19.
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Möbus
|
Christoph
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S.
9 - 10 (Csepel, 23.5.)
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20.
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Nickel
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Holger
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S.
9 - 10 (Csepel, 23.5.)
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21.
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Otte
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Jan
Moritz
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S.
9 - 10 (Csepel, 23.5.)
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22.
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Plavsic
|
Vesna
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S.
20 - 21 (Johannes Hunyadi, Matthias Corvinus und die Türkenkriege, zum
25.5.)
S.
42 - 43 (Naturschutz am Kis-Balaton, III., Keszthely, Héviz, 30.5.)
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23.
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Pohlmann
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Kathleen
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S.
29 - 30 (Stadtrundgang Kecskemét, Nationalpark Bugac-Puszta, 27.5.)
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24.
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Rupar
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Larisa
|
beteiligt
an S. 22 ff. (Stadtplanungsamt, 26.5.)
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25.
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Sajda
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Adam
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S.
15 (Geschichte von Budapest, 24.5.)
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26.
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Schöl
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Christiane
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S.
28 - 29 (Die Landwirtschaft im Komitat Bacs-Kiskun, 27.5.)
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27.
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Zillekens
|
Eva
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–
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Die
Seitenzahlen beziehen sich auf die Print-Edition in der Schriftenreihe des
UNESCO-Clubs.
Urhebervermerk:
Bismarckschule Hannover. An der Bismarckschule 5. D 30173 Hannover.
Quelle/Impressum
der Print-Veröffentlichung: Schriftenreihe des UNESCO-Club für die
UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V.,
Heft
8
ISSN
0945-1536
Voigt,
Gerhard (Hrsg.):
Perspektivwechsel
– Eindrücke im heutigen Ungarn. Bericht von einer Studienfahrt mit Schülerinnen
und Schüler der Bismarckschule Hannover nach Budapest, Südungarn und
Transdanubien 21. bis 31. Mai 1997. / Herausgegeben von Gerhard Voigt
Hannover:
UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V.
[An der Bismarckschule 5, D 30173 Hannover], 1997 (Schriftenreihe des
UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V.,
Heft 8)
ISBN
3-930307-07-3
Wiedergegeben
mit freundlicher Genehmigung des Vorstandes des UNESCO-Clubs
Veröffentlicht
im Internet im April 2002 unter http:\\www.unesco-club-bismarckschule.de.
Vergleiche
auch: http:\\www.Bismarckschule.de.
Kontakt:
"Gerhard Voigt" <Bismarckschule.Voigt@gmx.de>.
Urheberrechte
vorbehalten.
V/02/Voigt
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