Nachhaltigkeit unter dem Aspekt des 6.
Internationalen Projekttages
Bestandsaufnahme der Arbeit an der Bismarckschule
Hannover und der Versuch einer Prognose
Am Beginn der UN – Dekade „Bildung für nachhaltige
Entwicklung“ muss eine UNESCO‑Projekt‑Schule Bilanz ziehen und sich der
Frage stellen, in welchem Umfang Schüler und Schülerinnen an der
Bismarckschule „Kompetenzen lernen, die es ihnen ermöglichen, die Zukunft
aktiv und verantwortungsvoll zu gestalten.“ (aus: Alexander Leicht,
Deutsche UNESCO ‑ Kommission, Nachhaltigkeit Lernen – die UN – Dekade
„Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005‑2014)“ in Deutschland).
Reaktionen auf Thema und
Motto
Dem Aufruf zur Teilnahme am 6. Internationalen
Projekttag 2006 wurde ein Zitat aus der Internationalen Charta für
Leibeserziehung und Sport der UNESCO aus dem Jahr 1978 vorangestellt:
„Leibeserziehung und Sport sollen die Verständigung zwischen den Völkern
und Einzelpersonen fördern und zu uneigennützigem Wettstreit, Solidarität,
Brüderlichkeit, gegenseitiger Achtung und Anerkennung der unantastbaren
Würde aller Menschen führen.“ Das Motto für den 6. Internationalen
Projekttag der UNESCO‑Projekt‑Schulen lautete:
fit ‑ friedlich ‑ fair ‑ für eine Welt
und zur Erläuterung wurden vollmundige Ziele aufgeführt
wie z. B. „Gleichstellung der Geschlechter fördern“ oder
„gemeinschaftliche Werte verankern“. Auch Kofi Annan wurde mit
einem Zitat aus dem Jahr 2002 bemüht: „Sport kann eine Rolle dabei
spielen, das Leben von Einzelpersonen und ganzen Gesellschaften zu
verbessern“.
Anders als die früheren Themen wie „Menschenrechte“,
„Lebenselixier Wasser“ usw. ließ uns dieses ratlos. Natürlich wissen wir
an der Bismarckschule, dass an sozialen Brennpunkten in Städten und
Schulen auch in Deutschland und in Ländern besonders der südlichen
Hemisphäre Sport gezielt als Mittel eingesetzt wird, um Aggressionen
abzubauen und aufgestaute Wut in sportliches Fairplay umzusetzen, aber das
sind weder die Probleme an einem Gymnasium noch die unserer
Partnerschulen. Insofern war eine Annäherung an das Thema äußerst
schwierig, zumal wir es als eine Verlegenheitslösung und leichte Wahl im
„internationalen Jahr des Sports und der Leibeserziehung“ der Vereinten
Nationen ansahen.
Es bestanden zwei weitere Gründe, die Umsetzung des
Themas skeptisch einzuschätzen. Erstens befand sich die Bismarckschule im
Jahr 2005 in der Vorbereitungsphase für ihr 100‑jähriges Jubiläum, das im
September 2006 gefeiert werden sollte, und zweitens war die Bismarckschule
zusammen mit der BBS 3 (Berufsbildende Schule 3) in Hannover auserwählt
worden, die zentrale Veranstaltung zum, Projekttag auszurichten.
Vorbereitungen
Im Rahmen einer Projektwoche im Herbst 2005 zur
Vorbereitung des Jubiläums befasste sich eine Projektgruppe mit
Spielideen, die sowohl den Gedanken des Internationalen Projekttages
berücksichtigen, als auch beim Sportfest während der Jubiläumswoche zur
Anwendung kommen sollten. Die so gesammelten Spiele wurden getestet, und
im April 2006 wurde in einem Wettbewerb zwischen den 5. Und 6. Klassen ein
zehnköpfiges Schulteam ermittelt.
Den Beziehungen einiger Schülerinnen der Bismarckschule
zum Verein Arminia Hannover ist es zu verdanken, dass ein
wesentliches Problem ‑ die Bereitstellung eines ausreichend großen
Sportplatzes – überaus kostengünstig und kooperativ gelöst werden konnte.
An der Bismarckschule wurde eine Arbeitsgruppe
gebildet, die sich aus Schülern und Schülerinnen der UNESCO‑AG, den AG ‑
Leiterinnen Frau Halstenberg und Frau Kolbe und sechs Sportlehrern und ‑lehrerinnen
zusammensetzte. Die BBS 3 wurde eingeladen, sich ebenfalls mit einer
größeren Gruppe an den Vorbereitungen zu beteiligen, was allerdings aus
Zeit‑ und Personalgründen nicht gelang, so dass zu den Arbeitssitzungen
nur jeweils ein bis zwei Teilnehmer erschienen.
Die niedersächsischen und
bremischen UNESCO-Projekt-Schulen waren aufgefordert, sich an der
zentralen Veranstaltung am 23. Mai 2006 in Hannover mit einer ausgewählten
Spielidee zu beteiligen und diese rechtzeitig per e‑Mail einzureichen,
damit die Spielregeln, der Material‑ und Platzbedarf berücksichtigt werden
konnten. Wie man sich denken kann, verlief diese Aktion eher schleppend,
was die Vorbereitungen erheblich erschwerte. Die eingereichten
„Spielkonzepte“ reichten von einer schlechten Kopie aus einem Spielebuch
bis zu einer druckreifen Auflistung nicht nur der Spielregeln, sondern der
Teilnehmerzahl, des Material‑ und Platzbedarfs und der angestrebten
UNESCO‑Lernziele. Die Arbeitsgruppe entschied über die Zulassung der
eingereichten Vorschläge.
Zentrale Veranstaltung
Trotz aller oben aufgeführten Probleme fand am 23. Mai
2006 ein fröhliches Spiel- und Sportfest statt, an dem sich Teams aus 14
niedersächsischen und bremischen UNESCO-Projekt-Schulen beteiligten. Auf
der Tribüne des Stadions von Arminia Hannover saßen alle „Bismärcker“ der
Jahrgänge 5 bis 7 als Zuschauer, wenn sie nicht selbst an einigen
Spielstationen ihre Geschicklichkeit ausprobierten, und die Big Band ' der
Bismarckschule, die unter Leitung von Herrn Koenig für die musikalische
Stimmung sorgte. Für die Zwischenansagen hatten wir unseren durch
die langjährige Leitung des Rudervereins geübten
Kollegen Sielenkämper gewonnen.
Das Gymnasium Lüchow wurde für die beste Spielidee mit
einer Urkunde ausgezeichnet.
Resümee
Es muss zum Schluss nochmals betont werden, dass das
Motto „Lebens(t)raum Sport ‑ fit ‑ fair ‑ friedlich ‑ für eine Weit“ in
der Bismarckschule nicht mit dem UNESCO ‑ Gedanken und den UNESCO‑Zielen
in Verbindung gebracht werden konnte und dass die Erläuterungen dazu als
aufgesetzt erschien und in der Zielsetzung als überzogen beurteilt wurde.
Vor dem Hintergrund weit verbreiteter Gesundheitsprobleme und Krankheiten
wie Unterernährung, Malaria, Tuberkulose, AIDS u.a., die das Thema zu
einem Projekttag hätten liefern können, erschien uns das gewählte Spiel‑
und Sportthema als eher nichts sagend. Eine Nachhaltigkeit wird somit von
diesem Projekttag nicht ausgehen, es sei denn die, dass man zusammen mit
anderen UNESCO‑Projekt‑Schulen einen fröhlichen Tag verlebt hat.
Bestandsaufnahme der UNESCO ‑ Arbeit
(teilweise bereits im Jahresbericht 200412005 enthalten
und aktualisiert)
Schon lange ist die Nachhaltigkeit in Bezug auf die
Umwelt ein wichtiger Aspekt bei der UNESCO‑Arbeit an der Bismarckschule
Hannover. Seit Jahren gibt es ein Energiesparkonzept, und seit drei Jahren
wird endlich auch der Müll getrennt. Bereits seit sechs Jahren werden
Getränke nicht mehr in Dosen verkauft, sondern nur noch in
umweltfreundlicher oder Mehrwegverpackung. Das ökologische Bewusstsein der
Bismarckschüler müsste allerdings noch intensiver geschult werden.
Im Frühjahr 2004 wurde ein erheblicher Teil des
asphaltierten Schulhofes entsiegelt und neu gestaltet, wobei Wert auf
Begrünung mit unterschiedlichen Bäumen und Sträuchern gelegt wurde, und
seit dem Schuljahr 2005 / 06 gibt es eine Garten AG, die sich der Pflege
dieses neuen Schulhofes widmet.
Eine weitere Arbeitsgemeinschaft darf nicht unerwähnt
bleiben, wenn es um
Nachhaltigkeit geht, und zwar hier die
Menschenrechtserziehung und das
Interkultureile Lernen: die MUN AG, wobei MUN für Model
United Nations steht. Bei
internationalen Treffen wie z.B. in Den Haag, Athen,
Dublin oder Berlin werden
Vollversammlung und Teilkonferenzen der UNO von bis zu
2500 Schülern und
Schülerinnen aus aller Welt nachgespielt. Jede
teilnehmende Schule vertritt dabei
ein ihr zugelostes Land. Die Verkehrssprache ist
Englisch.
Msafiri English Medium
School in Tansania
Seit Oktober 2004 hat die Bismarckschule eine
Partnerschule in Tansania, die das Engagement in Bolivien, Peru und
Äthiopien ergänzt. Wir unterstützen die MSAFIRI Medium School in ihrem
Aufbau als Internatsschule mit Englisch als Unterrichtssprache und
sponsern einen Jungen und ein Mädchen für den Zeitraum von sechs Jahren.
Durch unsere stellvertretende Schulleiterin Karin Schibel haben wir von
diesem Projekt Kenntnis erhalten, als ihre Freundin selbst diese Schule
auf ihrem eigenen Grundstück aufbauen wollte. In der UNESCO‑AG waren wir
der Meinung, dass dieses Projekt nicht nur förderungswürdig ist, sondern
durch die persönliche Beziehung, die bereits jetzt auch durch e‑Mail ‑
Kontakt und den Austausch von. Briefen und Bildern besteht, besondere
Aussicht auf Erfolg hat. Besonders die jungen Jahrgänge der 5. und 6.
Klassen hoffen wir für dieses Projekt langfristig begeistern zu können. Es
zeichnet sich ein großes Interesse der Schulöffentlichkeit ab, da die
UNESCO‑AG Fotos, Zeichnungen und andere kleine Geschenke aus Tansania
ausstellt. Somit hat dieses Projekt bereits jetzt einen hohen Stellenwert.
Es wurde bereits ein hoher Bargeldbetrag auf den Weg nach Tansania
gebracht. Ein besonderes Erlebnis im Sinne der Nachhaltigkeit wäre
natürlich ein gegenseitiger Besuch von Schülern und Schülerinnen. Da es
bereits persönliche Kontakte gibt (s.o.), scheint ein solcher Besuch
durchaus möglich zu sein, wenn der Schulbetrieb an der Msafiri Medium
School ohne Komplikationen läuft. Eine solche Begegnung wird zur Zeit auf
beiden Seiten vorbereitet, um die Beziehung langfristig auf eine
partnerschaftliche Basis zu stellen. Es muss sich ein Geben und Nehmen auf
beiden Seiten entwickeln. Wir hoffen, dass neben Frau Schibel, Frau Kolbe
und Frau Halstenberg vier Schüler und Schülerinnen der UNESCO‑AG in den
Osterferien 2007 nach Tansania reisen können. Der Verein der Eltern und
Förderer der Bismarckschule hat eine finanzielle Unterstützung in
Aussicht gestellt.
Hilfestellung bekommen wir u.a. von der Heinrich‑Nordhoff‑Gesamtschule
in Wolfsburg, die unter Leitung von Annette Hunke seit einigen Jahren
einen Austausch mit Tansania hat. Unsere beiden Partnerschulen liegen in
der gleichen Region in Tansania, so dass sogar eine gemeinsame Reise
denkbar wäre.
Prognose
Ein Schwerpunkt für die Zukunft wird der
europäisch‑arabische Dialog sein. Zunehmender Fundamentalismus,
Kopftuchstreit einerseits und wachsende Intoleranz muslimischen Mitbürgern
und Schülern gegenüber andererseits machen diesen Dialog notwendig. Ich
habe vom 28. 6. bis 3.7.04 an dem deutsch ‑arabischen Seminar für
Koordinatorinnen und Lehrkräfte der UNESCO-Projekt-Schulen und
katholischen Schulen in Bonn teilgenommen. Im November 2004 waren zwei
Schüler/innen der Bismarckschule am Workshop während der Regionaltagung in
Göttingen beteiligt. Im Mai 2005 fand ein Seminar der u‑p‑s Koordinatoren
aus Niedersachsen und Bremen in Beirut, Libanon, statt, an dem ich
teilgenommen habe, und im Juli ein weiterer Schüler ‑ Workshop an der
Bismarckschule Hannover. Dieser diente der Vorbereitung des
Schüler‑Workshops, der vom 12. bis 20. November 2005 in Tripoli, Libanon,
mit Schüler/innen aus Libanon, Palästina, Jordanien und eventuell dem Irak
stattfand. Leider haben die politischen Ereignisse im Libanon im Sommer
dieses Jahres diesen Dialog unterbrochen. Die Bismarckschule wird zusammen
mit den niedersächsischen UNESCO-Projekt-Schulen die Bemühungen um diesen
Dialog fortsetzen.
Auch die Schulpartnerschaft mit dem 5. Lyzeum in Posen,
Polen, die seit über 25 Jahren besteht, muss unter der Oberschrift
Nachhaltiges Lernen erwähnt werden. Hier begegnen sich jedes Jahr junge
Menschen vor dem Hintergrund einer schwierigen gemeinsamen Geschichte und
lernen, miteinander die Zukunft zu planen und Vorurteile abzubauen.
All die gewachsenen Projekte und Beziehungen stehen auf
einer soliden Grundlage und werden auch in den nächsten Jahren fortgeführt
werden, sei es in der UNESCO‑AG, sei es während der Projekttage oder
Sonderaktionen. Vieles geschieht auch im Rahmen des Fachunterrichts am
Gymnasium wie z.B. Unterrichtseinheiten zu den großen Weltreligionen mit
Besuchen einer Synagoge und einer Moschee, zum Problem der Straßenkinder
in Lateinamerika oder der Kinderarbeit in Peripherieländern.
Wünschenswert wäre eine verstärkte Umweltarbeit an der
Bismarckschule. Im Projektunterricht der 10. math‑nat‑Klassen werden in
diesem Halbjahr alternative Energieformen untersucht, und meine Hoffnung
als UNESCO‑Koordinatorin der Bismarckschule besteht darin, Kollegen und
Schüler zu einer Präsentation ihrer Ergebnisse in der Schulöffentlichkeit
zu bewegen.
Darin sehe ich nämlich die größte Schwierigkeit: Das
Kollegium arbeitet engagiert an allen UNESCO‑Themen, aber es wird seit
Jahren zu wenig darüber berichtet. Ein neuer Ansatz ist allerdings in der
Arbeit junger Kollegen und Kolleginnen und der jungen Schülerjahrgänge 5
bis 7 erkennbar. Es finden sich häufiger Ausstellungen im Schulgebäude und
spontane Klassenaktionen, die eine Erziehung zur Nachhaltigkeit erkennen
lassen. Auf Anregung einer Schülerin werden demnächst Brillen für Peru
gesammelt werden. Um das Paketporto zu finanzieren, wird es eine
Kuchenaktion geben.
Meine Sorge gilt weniger einem nachlassenden Engagement
als viel mehr den Konsequenzen aus den zunehmenden äußeren Zwängen. Durch
die immer höheren Klassenfrequenzen, die steigenden
Unterrichtsverpflichtungen und erhöhte Anforderungen durch das
Zentralabitur werden eventuell sowohl Kollegen als auch Schüler weniger
Bereitschaft für außercurriculare Aktivitäten aufbringen. Diese Gefahr
sehe ich verstärkt, sollten die kleinen Vergünstigungen, mit denen die
Behörde unsere Arbeit würdigt, wie z.B. Dienstreisen zu Regional‑ und
Jahrestagungen und eine gewisse Entlastung von Unterrichtsverpflichtungen
gestrichen werden. Dieser Entwicklung versuche ich vorzubeugen.
gez. Dörte Kolbe
Ansprechpartner/in für UNESCO‑Angelegenheiten der
Bismarckschule Hannover
(durchgesehen im März 2007 und mit Hinweisen auf den
UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover,
e.V. ergänzt von Gerhard Voigt, Bismarckschule Hannover, zur Verwendung
durch den UNESCO-Club.)