UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V.

 

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Schriftenreihe des UNESCO-Club für die
UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V.

ISSN 0945-1536

 

XI

 

Israel

 

XI. Israel

An den Wassern zu Babel

1. Jerusalem

2. Reisetagebuch aus Israel

3. Ein kleiner historischer Einschub

4. Letzte Tage in Israel

5. Leben unter dem Zeichen von Massada?

Impressum des Buches

Zu den übrigen Aufsätzen des Bandes

 

 
 

XI. Israel

 

 
 

 

An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten,

wenn wir an Zion gedachten.

Unsere Harfen hängten wir

an die Weiden dort im Lande

Denn die uns gefangen hielten,

hießen uns dort singen

und in unserem Heulen fröhlich sein: 

„Singt uns ein Lied von Zion!“

Wie könnten wir des HERRN Lied singen

in fremdem Lande?

Vergesse ich dich, Jerusalem, 

so verdorre meine Rechte.

Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, 

wenn ich deiner nicht gedenke,

wenn ich nicht lasse Jerusalem 

meine höchste Freude sein.

HERR, ergieß den Söhnen Edom nicht, 

was sie sagten am Tage Jerusalems:

„Reißt nieder, reißt nieder bis auf den  Grund!“

Tochter Babel, du Verwüsterin, 

wohl dem, der dir vergilt,

was du uns angetan  hast!

Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt 

und sie am Felsen zerschmettert!

(Psalm 137. In der Übersetzung nach M. Luther in der Fassung des Rats der EKD von 1964 (Württembergische Bibelanstalt Stuttgart 1966)

 

 
 

 

1. Jerusalem

Jerusalem, Ort, Stadt – Stätten der Geschichte, Stätten der Menschen, die hier zusammen­kamen, Stätten, die die Hoffnungen der Menschen verkörperten. Es gibt Orte, an denen Jahr­tau­sende der Gedanken und des Gedenkens die Gegenwart überwachsen: symbolische Orte, die über sich hinausweisen, sei es im Gedenken an das Geschehen, das Gegenwart ermöglichte, sei es in der Suche nach dem Heiligen im Diesseits, sei es im verschlüsselnden und somit offenlegenden My­thos, dem Mythos des Opfers Abrahams, dem Mythos des Himmlischen Jerusalems, dem Mythos der zeitentbundenen Himmelfahrt Muhammads. Orte der Verehrung und des Gedenkens allenthalben: Kla­gemauer und Felsendom, Via Dolorosa und die Grabeskirche. Was tut hier die historische Au­thentizität zur Sache? Nichts, denn im tausendfachen Glauben und Gebet formt sich neue, symboli­sche Realität: die Realität der Versammlung der Gläubigen. Diese Stadt des Friedens hat selbst kaum je Frieden ge­kannt und wird so auch zum Menschheitssymbol der Unerfülltheit der Friedenshoff­nung. Drei Reli­gionen des Friedens haben hier blutig um die Seelen der Gläubigen und die materiel­len Vermögen der Glaubensgemeinschaften gekämpft. Und wieder droht der blutige Konflikt; Israeli und Palästinenser, verfeindete Brüder im Glauben an den einen Gott und ihr Recht auf Heimat und auf ihre heiligen Stätten in Jerusalem.

Warum fällt es mir so scher, dieses Kapitel zu schreiben? Ich bin mir meiner Gedanken und Ge­fühle selbst nicht sicher. Ich gehöre nicht zu den Gläubigen, die einen heiligen Ort zur Andacht und zum Gebet suchen. Die überladene Grabeskirche ist zunächst ein lächerlicher Eindruck geballten De­votionalienkitsches. Die Via Dolorosa historisch unverbürgter Weg durch die arabische Altstadt. Aber spüre ich nicht doch die Ernsthaftigkeit des Glaubens, die in bald zwei Jahrtausenden durch un­zählige Pilger über diese Orte gebreitet wurde? Und wenn es nur Einsicht und Respekt vor der Ge­schichte ist, der sich auch hier der Mensch als Spätgeborener nicht entziehen kann: auch die christli­che Heiligkeitsvorstellung hat Menschheitsrealität, mit der wir in Jerusalem konfrontiert werden.

Und dabei ist der kleinliche Streit der konkurrierenden christlichen Konfessionen – historisch völlig unerheblich –, wo denn im Gebiet der Grabeskirche das Kreuz tatsächlich gestanden habe, wo der heilige Leichnam nun bestattet worden sei und wo die Auferstehung stattfand, sowohl für den Außenste­henden anekdotisch-lächerlich, als auch ein Zeichen dafür, wie weit auch heute noch christ­licher Glau­be von der Konzentration auf den rein geistigen Glaubensgehalt entfernt ist. Können wir nicht zu­sammen mit den „abgeschobenen“ abessinischen Christen den Ort des Kreuzes auf dem Dach der Grabeskirche verehren? Vielleicht wäre eine solche absurde Lokalisation als Materialisation von Glaubensvorstellungen ehrlicher als die Scheinauthentizität christlicher Grab-Jesu-Forscher!

Und wieder überschichtet religiöse Disputation das Erlebnis des heutigen Jerusalems, macht es unerträglich scher, die Schichten der Sinngebungen zu durchstoßen und der Stadt die heutige mate­rielle Existenz als nahöstliche Metropole zuzubilligen. Und dabei steht diese Stadt im Brennpunkt der aktuellen politischen Auseinandersetzungen und ist dazu noch ein Musterbeispiel vorbildlicher Kom­munalpolitik unter dem weltweit angesehenen israelischen Bürgermeister Teddy Kollek, der unter fast aussichtslosen Rahmenbedingungen des politischen Antagonismus und des unerbittlichen Hasses der konkurrierenden Bevölkerungsgruppen mehr für Ausgleich und Verständnis getan hat als wohl irgend ein Politiker auf der internationalen Bühne!

Jerusalem heute ist es Wert, als Realität der Gegenwart genommen zu werden, vielleicht sich auch mit neuen – und als „Stadt des Friedens“ doch so alten – Sinngebungen erfüllen zu lassen. Was die politische Zukunft bringen wird, ist nach den dramatischen Ereignissen, die auf unsere Reise folgten – des Aufstandes der Palästinenser, der Intransigenz der israelischen Konservativen, des Ver­zichts Jordani­ens auf die besetzten Westjordangebiete –, offener denn je, und die Hoffnung auf ein „vernünftiges“ Aufeinanderzugehen der Konfliktparteien mehr als fraglich; obwohl doch gerade dazu Jerusalem ebenfalls konstruktive Beispiele entwickelt hat.

Jerusalem: Hauptstadt Israels oder zentraler Ort Palästinas bedeutet heute nicht nur ganz allge­mein, Heilige Stadt der drei großen monotheistischen Religionen zu sein, sondern ist heute ganz kon­kret unvereinbar gegensätzliche staatsrechtliche Forderung. Wie weit das bis in das Alltagsleben hin­ein­reicht, ist auch an den Erfahrungen abzulesen, die unsere Gruppe während ihres Israelaufenthaltes machte. Für Udo Herges wurde ein solches Alltagserlebnis zu einem der ganz tiefen und erschrec­kenden Ereignisse, wovon er in dem nachfolgenden Text berichtet:

„Zehn Monate sind vergangen, seit ich aus dem heißen Nahen Osten in die regenreiche Bundesre­publik zurückgekehrt bin. Viele der wunderbaren Eindrücke und Erlebnisse sind mir schon nicht mehr bewußt; dabei können die vielen Photos aus dem Sommer 1987 auch nicht helfen. An eine Be­geben­heit jedoch erinnere ich mich gut, denn sie hat mir ein großes Problem des Nahen Ostens ein­prägsam sehr nahe gebracht. Es war in der Jerusalemer Altstadt, wo ich, während ich eine Er­fri­schung in Form eines eisgekühlten Orangensaftes zu mir nahm, wie so oft auf dieser Reise von ei­nem Souvenir-Händler angesprochen wurde.

Seltsamerweise führt jedes noch so kleine Souvenirgeschäft im Nahen Osten eine große Aus­wahl an Schachfiguren und -brettern, die mich interessierten; trotzdem haben diese Länder keine weltbekannten Berufsschachspieler; auch habe ich niemanden finden können, der Schach spielen konnte. Mei­stens spielte man eine Art Backgammon. Schnell entwickelte sich ein typisches Ver­kaufsgespräch, in dessen Verlauf mein Gegenüber stetig mit dem Preis herunter ging. Nachdem der Mann erkannt hatte, daß bei mir kein Geld zu verdienen war, driftete unser Wortwechsel in die The­matik „Gott und die Welt“. Dabei verwendete ich, für mich ebenso selbstverständlich, wie wohl für die meisten Leser dieses Berichtes, die Bezeichnung „Israel“ für das Land, in dem ich mich befand. Der vorher so freundli­che Händler wandte sich ab und rief mir sichtlich verärgert zu, daß hier „Pa­­lä­sti­na“ und nicht „Israel“ sei. Er würdigte mich keines Blickes mehr und ging anderen Be­schäftigungen nach. Keiner Schuld bewußt, ging ich wieder zu meinem Getränk.

Seit 1948 existiert dort, wo vorher das Mandatsgebiet Palästina war, der Staat Israel, und seither gibt es bedeutende Schwierigkeiten mit den arabischen Nachbarländern und den Palästinen­sern im Inland. Welche Aggression mußte sich in den ergangenen Jahrzehnten in den Bewohnern des Landes angesammelt haben, die sich ihrer Herkunft entsprechend nicht mit dem Staat Israel identi­fizieren können und nun versuchen, ihn auch von innen heraus zu bekämpfen!

Dabei lassen, wenn man sich nur jeweils einen Bericht über die Levante im west- oder ost-deut­schen Fernsehen ansieht – die beide die gegensätzlichen Perspektiven zeigen –, diese Berichte er­ken­nen, daß hinter der Konfrontation von Juden und Muslimen bzw. Israeli und Arabern weit stär­kere Mächte stehen. Vergangenheit und Gegenwart zeigen, daß eine Lösung der aufgezeigten Pro­bleme noch lange auf sich warten lassen wird. Wie schwierig solche Lösungsperspektiven zu ent­wic­keln sind, kann auch an einem anderen Beispiel, das unsere Reiseroute tangiert, in zeitge­schichtli­chen Di­mensionen aufgezeigt werden, in der Forderung nach einem politisch selbständigen Lebens­raum für die Kurden nämlich – die in der Türkei offiziell nur als „Bergtürken“ bezeichnet werden dürfen –, deren Siedlungsgebiet sich über mehrere Staaten ausbreitet. Seit langem kämpfen sie für ein unab­hängiges Kurdistan, das sie als historisch zu begründende politische Forderung bei den betroffenen Staaten und Völkern einklagen. Einige Wochen nach meiner Begegnung im arabi­schen Teil von Jerusa­lem erkannte ich den Händler in einem Fernsehbericht wieder. Er beschimpfte und bewarf zusammen mit Gleichgesinnten auf einer Jerusalemer Altstadtstraße Juden, weil diese ein Haus in seiner Nach­barschaft bezogen hatten.“

Jerusalem war, wenn auch an das zeitlich schon unter Druck stehende Ende der Reise gedrängt, noch einmal ein wichtiger Erfahrungsbereich unserer nahöstlichen Erlebnisse. Die vielfältigen Eindrücke unserer Mitreisenden sind hier nicht auf einen Nenner zu bringen. So war für mich schon vor dem Reiseantritt die Hoffnung auf das Betreten des Felsendomes ein zentrales Reisemotiv gewesen. Und die Eindrücke auf dem Tempelberg, im Bereich zischen El-Aksa-Moschee und Felsendom enttäu­schen die Erwartungen nicht.

Die großzügige Ruhe und Anmutung der klassischen islamischen Moschee fanden in beiden Bauwerken in völlig unterschiedlicher Ausprägung und Baukonzeption in ihrer Wirkung auf den Be­su­cher ihren Höhepunkt. Wenn es ein nichttheologisches Argument für eine Religion geben würde, für den Islam wäre es die Moschee, die überall in der islamischen Welt zu unübertroffenen Stätten der Mensch­lichkeit und der konzeptionellen Raumästhetik, die wirklich Geistiges ermittelt, entwic­kelt wurde.

Die Fülle flüchtigerer Eindrücke – die nächtliche Fotofahrt auf den Ölberg, um das Lichtermeer der Altstadt jenseits des Kidrontales einzufangen, das Abendessen in einem kleinen koscheren Re­stau­rant mit traditionellen Speisen, das edle Abendmenu am nächsten Abend in einem vornehmen Re­stau­rant an einer der Hauptstraßen des neuen Jerusalems, der Gang durch das neu- und wiederaufge­baute jüdische Viertel der Altstadt mit den Ausgrabungen in die römische Siedlungsschicht hinein und – am anderen Ende der Geschichte – der kleinen, aber umso intensiveren Gedenkstätte an die Opfer des Naziterrors in Mitteleuropa, deren Namen und Andenken von den Angehörigen hier zu­sammen­getra­gen worden sind als Ersatz für das nicht mehr mögliche aber ersehnte Begräbnis in Je­rusalem. Alle diese Eindrücke formen sich noch nicht zu einem abgeschlossenen Ganzen, bleiben eher Frage und Selbstbefragung, Befragung nach eigener Sinngebung von Existenz und Geschichte. Vielleicht ist diese katalytische Wirkung des Besuches in Jerusalem das wichtigste, bleibende Er­gebnis?

Aber, zum Abschluß dieses Kapitels soll es ausgesprochen werden, Jerusalem ist eine schöne, eine eindrucksvolle, eine lebendige, eine heutige Stadt voller aktiver Bewohner, voller Zukunftshoff­nung – und voller Geschichte. Der Blick auf die Altstadt, weltberühmt, verliert auch in ständig erneu­erter Begeg­nung nichts von seiner Eindrücklichkeit, von seiner unverwechselbaren Zeichenhaftigkeit. Doch, auch daran sollten wir nun denken, Jerusalem war für uns eingebettet in eine Rundfahrt durch Israel, die eigenen Wert und eigene Bedeutung gewonnen hat. Alexander Schulze hat hier einen zu­sammenfas­senden, chronologischen Bericht über unseren Reiseabschnitt in Israel zusammengestellt, der einen guten Eindruck von den vielfältigen Erlebnissen ermittelt und der daher als nächstes Kapitel folgen soll.

 

 
  2. Reisetagebuch aus Israel

Samstag, 25. Juli. Ruhetag in Israel nach dem freitäglichen Ruhetag in El Arish. Grenzübertritt und Fahrt zum Campingplatz „Nêwe Yam“ bei Haifa. – Daß Israel ein Land der verschiedensten Gegen­sätze ist, wurde schon am Tag der Ankunft in Israel sichtbar. Hier treffen zahlreiche Einflüsse, Strö­mungen und Unterschiede aufeinander. Dies kommt in Gesellschaft, Politik, Kultur, aber auch in Landschaft und Klima zum Ausdruck.

Nachdem wir uns einige Wochen im islamischen Kulturbereich aufgehalten hatten, machte Israel einen viel vertrauteren Eindruck auf uns. Das wurde schon an der Grenzstation sichtbar. Dies ist in Anbetracht der vielen Einwanderer aus Europa, die das Bild des Landes prägen, verständlich. Ein starker Kontrast zu der so europäisch anmutenden Atmosphäre an der Grenze mit ihren sachlich steri­len Gebäuden bildete eine arabische Stadt im Gazastreifen, durch den wir nach Israel gelangten; hier kamen wir hautnah mit dem Palästinenserproblem in Berührung, über das man sonst nur etwas in den Medien erfährt. In dieser Stadt, einem Vorort von Gaza, wurde die soziale Not in den besetzten Ge­bie­ten und der Gegensatz zischen der jüdischen und der arabischen Bevölkerung deutlich. Die Reise führte uns weiter die Küste entlang nach Norden; daß wir auf einer Autobahn fuhren, ver­stärkte wei­ter das Klischee vom westlichen, europäischen Israel. Auf unserem Weg kamen wir auch an Tel Aviv, der größten Stadt Israels mit 1,5 Mio. Einwohnern im Großraum und Hauptstadt der Wirtschafts- und Finanzwelt Israels, vorbei. Diese Stadt wurde in den Zwanziger Jahren von jüdi­schen Siedlern ge­gründet und ist eine durch und durch moderne Metropole westlicher Prägung. Im Gegensatz dazu steht die viel älte­re arabische Nachbarstadt Jaffa, die inzwischen vollkommen mit Tel Aviv verwach­sen ist. An unse­rem ersten Tag in Israel erreichten wir einen Campingplatz südlich von Haifa, in unmittelbarer Nähe der Kreuzritterfestung Castra Peregrinorum, die 1291 freiwillig von den Kreuzrit­tern geräumt wurde und noch sehr gut erhalten ist.

Am Sonntag, 26. Juli, wurde in Haifa die Rückfahrt mit einer Fähre nach Griechenland gebucht. Am Nachmittag teilte sich die Gruppe auf: Zwei Busse blieben in Haifa, um einen Anlasser- und Brems­schaden an einem der Busse beheben zu lassen; die beiden anderen Busse brachen in Richtung See Genezareth auf. Man wollte sich in zwei Tagen auf einem Campingplatz bei Jerusalem treffen. Die nächste Station auf unserer Route an der Küste entlang war Akko: Die arabische Altstadt wird vor allem durch die Befestigungsanlagen geprägt, die unter Pascha Ahmed Jezzar Ende des 18. Jahrhun­derts errichtet wurden. Weitere sehenswerte Bauwerke sind die Ahmet-Jezzar-Moschee und einige Karawansereien, die zur gleichen Zeit entstanden, und die sogenannte Kreuzfahrerstadt, das Haupt­quartier des Johanniterordens im 12. und 13. Jahrhundert.

Der Weg führte uns ins Landesinnere nach Nazareth, der Stadt, in der Jesus aufgewachsen sein soll. Dieser Tatsache verdankt der arabische Ort, in dem fast nur Christen leben, seine religiöse und vor allem touristische Bedeutung. Viele Sakralbauten erinnern an Stationen im Leben der Heiligen Familie: Es gibt einen Ort, an dem Maria Wasser geschöpft haben soll, die Stätte des letzten Abend­mah­les, die es aber ebenfalls in Jerusalem gibt. Wir besuchen die Verkündigungskirche, einen alles überra­genden Monumentalbau, der von 1960 bis 1969 errichtet wurde: die Einrichtung wurde aus vielen Teilen der Welt gespendet und zeigt sich deshalb auch als sehr farbenprächtiges Gemisch. Das Gebäude soll auf dem Haus von Maria und Josef stehen, hier soll die Geburt Jesu prophezeit worden sein. In der Kirche gibt es noch Fragmente von Kirchen aus byzantinischer und Kreuzfahrerzeit.

Wenig später erreichten wir den See Genezareth bei Tiberias, das wegen seiner armen Heilquel­len schon seit der Antike ein Heilbad ist. Der See, der vom Jordan gespeist wird, liegt etwa zweihun­dert Meter unter dem Meeresspiegel. Die Ruinen des antiken Kapernaum liegen etwas weiter nörd­lich am See. Hier ist wohl die schönste Synagoge der Antike zu sehen; sie wurde im vierten Jahrhun­dert errich­tet. Neben der Synagoge sind noch die Grundmauern von einigen Häusern aus jener Zeit zu besichti­gen. Als wir das Gelände mit den Ruinen erreichten, war es schon erschlossen, da der Abend nahte. Anschließend erlebten wir eine Fahrt über den Jordan auf einer abenteuerlich anmuten­den Brücke, die aus einer Stahlfachwerkkonstruktion mit Holzbohlenbelag als Straßenpflaster be­stand und nur ein­spurig befahrbar war.

Die folgende Nacht erbrachten wir auf einem Campingplatz des Kibbuz „Ha’ On“ am südostli­chen Ufer des Sees, in Sichtweite der Golanhöhen, die seit dem „Sechs-Tage-Krieg“ von Israel be­setzt und seit einigen Jahren offiziell annektiert worden sind, da von ihnen aus militärische Aktionen bis weit in die Kernlande Israels möglich sind.

Montag, 27. Juli. Fahrt nach Jerusalem. Nach dem Aufbruch vom Campingplatz folgten wir zunächst dem Verlauf des Jordantales in südlicher Richtung über Bet She’an mit seinem römischen Theater, das im ersten vorchristlichen Jahrhundert erbaut wurde. Dieses Theater faßte achttausend Besucher und war trotz des geringen Fassungsvermögens sehr komfortabel ausgestattet.

Etwa siebzig Kilometer südlicher liegt die wohl älteste Stadt der Erde, Jericho. Die heutige Oa­senstadt weist eine über neuntausend Jahre alte Geschichte auf. Die ältesten Schichten der Stadt fin­den sich im Tel Jericho, einem eiförmigen Hügel am Nordwestrand der heutigen Stadt. Hier befindet sich der älteste Turm der Menschheit aus dem siebten Jahrtausend v.u.Z. und zahlreiche andere Be­festigungsanlagen aus verschiedenen vorchristlichen Epochen.

Nicht weit von hier liegt der Berg der Versuchung, wo Jesus vierzig Tage fastete und dem Sa­tan begegnete (Mt. 4,1-11; Mk. 1,12-13; Lk. 4,1-13); hier bauten orthodoxe Mönche ein Kloster in der steilen Felswand.

Aus einer späteren Zeit und anderen Kulturepoche stammt der Omayyadenpalast von Khirbet-el-Maffjar, Hishams Palast, etwas außerhalb von Jericho, den wir anschließend besichtigten. Der Bau wurde 742 unter dem Omayyadenkalifen Walid II. begonnen und sollte seinen Verwandten sowie ho­hen Würdenträgern als Winterresidenz dienen, da es dort zu dieser Jahreszeit angenehm mild und trocken ist. Durch ein Erdbeben wurde der Palast jedoch zerstört, bevor er seiner Bestimmung über­geben werden konnte, er verfiel dann im Laufe der Zeit. Die Anlage besteht aus dem eigentlichen Palast, einer daran anschließenden Moschee und einem Bad. Die Gebäude waren von einer weitrei­chenden Gartenanlage umgeben. Heute zeugen nur noch die Grundmauern und einige Bodenmosaike von der einstigen Schönheit der Anlage. Wir erließen nun den Jordangraben und erklommen mit un­se­ren angestrengten Bussen auf endlos erscheinenden Serpentinen das Gebirge, in dem Jerusalem liegt.

 

 
  3. Ein kleiner historischer Einschub

Jerusalem ist die Stadt, die den drei aus dem Nahen Osten stammenden großen monotheistischen Religionen heilig ist. Der Wandel dieser Stadt durch die Zeit spiegelt auch die Geschichte des Lan­des wider, auf dessen Gebiet sich heute der Staat Israel befindet. Die Stadt wird zuerst als Sitz eines von Ägypten abhängigen Fürsten im vierzehnten Jahrhundert vor Christus erwähnt. David erobert die Stadt im Jahre 1003 .Chr. und macht seine Stämme seßhaft. Unter Salomon und seinen Nach­folgern er­lebte Jerusalem trotz einiger Kriege eine Blütezeit, bis die Stadt 586 .Chr. von dem baby­lonischen Herrscher Nebukadnezar erobert und zerstört wurde. Die Bevölkerung wurde nach Baby­lon verschleppt; erst etwa fünfzig Jahre später, nachdem die persische Herrschaft unter Kyros II. das baby­lonische Reich erobert hatte, konnte sie in ihre Heimat zurückkehren, um bis zu den Erobe­rungszü­gen Alexanders des Großen eine relativ friedliche Zeit zu durchleben. Nach seinem Tod wechselten sich Ptolemäer und Seleukiden in der Herrschaft über Palästina ab, bis die Juden durch den Mak­kabäer-Aufstand (169 .Chr.) für einige Zeit wieder unabhängig wurden. 63 .Chr. eroberten die Rö­mer Jerusalem und setzten Herodes als abhängigen Monarchen ein. Beim ersten jüdischen Aufstand gegen die Römer, 66 bis 73 n.Chr., wurde Jerusalem im Jahre 70 vollständig zerstört und die Revolte schließlich niedergeworfen. Nach dem zweiten Aufstand (132 bis 135 n.Chr.) unter Bar Kochba wurden die Juden aus Jerusalem verbannt.

614 erobern die Perser Jerusalem, es fällt aber bald an die Araber, die 1099 von den Kreuzrit­tern verdrängt wurden. 1244 war Jerusalem wieder fest in moslemischem Besitz und fiel 1517 an das türkische Osmanische Reich.

Das Osmanische Reich ging im Ersten Weltkrieg unter, und die Türkei verlor damit die Herr­schaft über den Nahen Osten. 1920 wird Palästina britisches Mandatsgebiet. Das Ende dieser Mandatsherrschaft führte zur kriegerischen Auseinandersetzung um die weitere staatliche Zukunft des Gebietes zischen Juden und Arabern. Die Ausrufung des Staates Israel ist der Beginn des soge­nannten Unabhängigkeitskrieges zischen dem neu gegründeten Staat Israel und seinen arabischen Nachbarn, in dessen Verlauf Israel das heutige Staatsgebiet – noch ohne die im „Sechs-Tage-Krieg“ besetzten Territorien des Gazastreifens und des Westjordanlandes – fixieren konnte. Jerusa­lem war in dieser Zeit in einen jüdischen und einen, von Jordanien beherrschten, arabischen Sektor geteilt, die durch einen Streifen Niemandslandes getrennt waren. Die heiligen Stätten in der Alt­stadt gehörten zum arabischen Teil Jerusalems.

Diese Teilung der Stadt konnte und wollte Israel nicht hinnehmen. In mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen mit seinen arabischen Nachbarn mußte die Existenz des Staates immer aufs Neue verteidigt werden; Israel wurde dadurch zur ersten Militärmacht des Nahen Ostens. Die weit­reichendsten Folgen hatte der sogenannte „Sechs-Tage-Krieg“ 1967, in welchem Israel das West­jordanland („Westbank“), den Gazastreifen und die Golanhöhen besetzte und gleichzeitig ganz Je­rusalem in sein Staatsgebiet einbezog. Völkerrechtlich sind es weiterhin besetzte Gebiete, deren Ok­kupation international nicht anerkannt wird. Israel selbst differenziert hier: während die „Westbank“ und der Gazastreifen unter vorläufiger Militärverwaltung stehen und ggf. bei Frie­densverhandlungen im Rahmen einer großen Nahostlösung zur Disposition gestellt werden können, hat Israel durch nationale Ge­setzgebung Großjerusalem aus grundsätzlichen Erwägungen und die Golanhöhen aus Sicherheitsin­teressen heraus endgültig annektiert und in die zivile Staatsverwal­tung einbezogen. Nach dem Yom-Kippur-Krieg 1973 kommt der Friedensprozeß partiell zwar in Gang, das Sinai-Abkommen mit Ägy­pten mit nachfolgendem Friedensertrag 1979 bereinigt die Si­tuation mit diesem wichtigen arabischen Nachbarn, doch der Ausgleich mit Jordanien und Syrien und damit die endgültige Regelung der territorialen Ansprüche steht noch aus. Jerusalem wird da­bei ein zentraler und vielleicht auch der am schwierigsten lösbare Konfliktgegenstand bleiben.

4. Letzte Tage in Israel

Weiter in unserem Reisetagebuch: wir kamen von Osten in die Stadt, also durch den arabischen Teil. Auf diesem Weg hat man vom Ölberg aus eine einmalig schöne Aussicht über den Westteil der Stadt und die Altstadt, was für die ersten Fotos von einem weiteren Höhepunkt der Reise genutzt wurde. Der weitere Nachmittag wurde mit einem Fototermin, diesmal vor der Knesset, und einem Besuch im Israel-Mu­seum ausgefüllt.

Das Israel-Museum zeigt neben jüdischer Kunst, archäologischen Funden und anderen, kleine­ren Ausstellungen vor allem die berühmten Schriftrollen, die in Höhlen am Toten Meer gefunden wurden und fast zweitausend Jahre alt sind. Es handelt sich dabei, aus den Hinterlassenschaften der jüdischen Sekte der Essener, um Handschriften des Buches Jesaja, Familienurkunden und Briefe Bar Kochbas und um andere handschriftliche Dokumente. Sie werden in einem eigens errichteten Ge­bäude verwahrt und ausgestellt, dem „Schrein des Buches“, dessen äußere Form sowohl den Ton­krü­gen, in denen die Schriften gefunden wurden, als auch den Behältern der heiligen Thora-Rollen nachemp­funden ist.

Auf dem vereinbarten Campingplatz trafen wir dann auch tatsächlich auf die zwei anderen Busse, von denen wir uns in Haifa getrennt hatten.

Der folgende Tag, Dienstag, 28. Juli, diente allein der Besichtigung der Altstadt von Jerusalem. Die Sehenswürdigkeiten sind vor allem die heiligen Stätten der Juden, Christen und Muslime. Die Juden verehren die West- oder auch „Klagemauer“; sie ist der einzige Teil des zweiten Tempels, dem hei­ligsten Ort für die Juden, der von den Römern im Jahre 70 nicht zerstört wurde; deshalb geht die Be­deutung des Tempels von da an auf die Westmauer über: sie ist der Ort der Gegenwart Gottes auf Erden.

Christliche Pilger besuchen die Via Dolorosa, den Leidensweg Christi; er besteht aus vierzehn Statio­nen, denen die Ereignisse aus der Leidensgeschichte in der Bibel zugeordnet werden. Die letz­ten und gleichzeitig wichtigsten Stationen befinden sich in der Grabeskirche; hier soll Christus hinge­richtet, zu Grabe gelegt und auferstanden sein. In der Grabeskirche sind zahlreiche christliche Kon­fessionen vertreten, wodurch die Kirche sehr überladen erscheint, ein Eindruck, der von dem Touri­stenandrang noch unterstützt wird. Die Kirche ist durch viele Nebenräume und -kapellen unüber­sichtlich verschachtelt. Die heutige Form erhielt die Kirche zwar schon im zwölften Jahrhundert; sie mußte aber mehrfach renoviert und auch partiell umgebaut werden.

Bei den Muslimen gilt Jerusalem nach Mekka und Medina als dritte heilige Stadt. Dies begrün­det sich unter anderem aus der Legende, daß Muhammad vom Tempelberg aus auf dem mystischen Pferd al-Borak in einer Nacht alle Himmel durchritten und die Begegnung mit den Heiligen und En­geln gefunden hätte, ehe er, ohne daß irdische Zeit vergangen wäre, wieder in seinem Haus in Medi­na erachte. Der Hufabdruck des himmlischen Pferdes ist noch heute auf dem mächtigen Felsen unter der Kuppel des Felsendomes, der nach einigen Überlieferungen zugleich der Opferstein Abrahams wie des ersten Tempels gewesen sein soll, zu erkennen. Dem Ereignis der Himmelfahrt Muhammads ist der Felsendom ebenso gewidmet wie die Al-Aqsa-Moschee. Der Felsendom, al-Koubba, entstand 687-691 unter Kalif Abd al-Malik und ist trotz einiger Erdbeben fast im ursprünglichen Zustand er­halten. Der achteckige Kuppelbau ist für die stille Andacht an dem vermeintlichen Altar Abrahams und Davids gedacht. Die heutige Aqsa-Moschee stammt aus dem Jahre 1035, die erste Moschee an diesem Ort wurde aber schon 638 gebaut.

 

 
 

Felsendom - El Kubba

 

 
 

Neben dem Bazar und dem neuen jüdischen Viertel der Altstadt ist die Stadtmauer mit ihren zahlreichen Toren sehr interessant. Die heutigen Mauern stammen aus der Türkenzeit; sie wurden von Süleyman II. errichtet, der sie teilweise auf alten Mauerresten bauen ließ. Der Westteil der Stadt lädt mit seiner neu geschaffenen Fußgängerzone zum Bummeln ein; hier wurde von uns auch bevor­zugt zu Abend gegessen.

Der darauf folgende Mittwoch, der 29. Juli, war unser letzter Tag in Jerusalem. Die Gedenkstätte Yad Vashem erinnert an die sechs Millionen Juden, die im Dritten Reich ermordet wurden. Es gibt hierzu eine ständige Ausstellung; außerdem kann man in einem Archiv herausfinden, ob und unter welchen Umständen Angehörige Opfer des Nationalsozialismus geworden sind. Eine „Allee der Ge­rechten“ er­innert an Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden gerettet haben.

Der weitere Verlauf des Tages führt uns nach Süden in die Judäischen Berge und zum Toten Meer. Zunächst treffen wir in Bethlehem ein. Das sehenswerteste Gebäude von Bethlehem ist zwei­fellos die Geburtskirche. Das heutige Gebäude stammt aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert; die Geburtsgrotte bezeichnet den vermuteten Geburtsort Jesu. Das Herodion ist eine in einen erlo­schenen Vulkan hineingebaute Festung, die, wie der Name schon sagt, von Herodes dem Großen er­baut wurde.

Die Burg war von einer runden Mauer mit vier ebenfalls runden Türmen umgeben und soll auch Grabstätte des Herodes sein. Später, in byzantinischer Zeit, diente das Herodion als Kloster, bevor es dann langsam verfiel. Massada, ebenfalls Bergfestung und am Toten Meer gelegen, wurde schon im zweiten Jahrhundert vor Christi Geburt befestigt; aber erst Herodes baute Massada zur größten Fe­stung des Landes aus. Traurigen Ruhm erlangte es erst im zweiten jüdischen Aufstand als letzter Zu­fluchtsort für die Rebellen und ihre Angehörigen. Nach langer Belagerung durch die Römer fiel die Festung schließlich, doch die Eingeschlossenen nahmen sich lieber das Leben, als in Gefangenschaft und Sklaverei zu geraten. Dieses Ereignis wird auch heute noch in Israel als große Heldentat bewun­dert.

Donnerstag, 30. Juli: Nun hieß es Abschied nehmen von einem Land, einer Region, die als Wiege der Zivilisation bezeichnet werden kann. In Haifa hatten wir nur wenig Zeit, von der Stadt, die sich male­risch vom Mittelmeer her das Carmel-Gebirge hinaufzieht, einen Eindruck zu gewinnen. Das ein­prägsamste Bild ist wohl das Bahai-Heiligtum der persischen Sekte; es ist ein Mausoleum für den Gründer der Religion, in der sich europäische und orientalische Glaubenselemente unter der Vorstel­lung einer weltumspannenden Humanität vereinigen; eine weithin sichtbare goldene Kuppel krönt die­sen Bau am Abhang des Carmel.

Am Abend erließen wir mit der MS „Paloma“ den Hafen von Haifa in Richtung Piräus.

Alexander Schulze

 

 
 

5. Leben unter dem Zeichen von Massada?

Leben unter dem Zeichen von Massada: Diesem Motiv begegneten wir in Israel mehrfach. Auf dem Campingplatz des Kibbuz Ha’ On am See Genezareth nahmen wir an einem Tanz- und Musikabend teil. Auf der Terrasse des Haupthauses, in dem die Restauration untergebracht war, versammelten sich die jüngeren Kibbuzbewohner zusammen mit Gästen des Campingplatzes. Zunächst wurden Lieder ge­spielt, deren Texte, mit Illustrationen anschaulich gemacht, durch Dias auf eine Leinwand projiziert wurden. Es waren nationalistische Lieder, doch meist getragen, traurig, von Kampf und Tod und Verlassenheit handelnd – die Illustrationen gaben einen Einblick in die Bedeutung der He­bräi­schen Texte.

Und dann der Tanz, zu dem alle aufgefordert, in den auch die Gäste einbezogen wur­den. Auf dem T-shirt des Vortänzers aus dem Kibbuz: „MASADA“. Massada als Stimmung? Ist es die Dro­hung einer feindlichen Umgebung, die als Parallele zur historischen Situation in Massada empfunden wird? Ist es die Todesverachtung der Helden von Massada, die hier in der Gegenwart demonstriert werden soll? Ein merkwürdiges Gefühl: Leben im Zeichen der Verlierer, die lieber den Freitod als die Niederlage erleben wollten. Was bedeutet das für die politische Stimmung im heutigen Israel?

Die Erlebnisse in Israel sind nur schwer auf einen Nenner zu bringen, zu vielfältig waren die Eindrücke, zu kurz war die Zeit, die Bedeutung der Erscheinungen unter der Oberfläche erfahren zu können, ihre historische Tiefe aufzudecken, ihre heutige Bedeutung ermessen zu können. Doch war der Besuch in Israel wichtig, fügt er doch dem Mosaik nahöstlicher Reiseerfahrungen eine wesentli­che neue Facette hinzu, die zum Verständnis des bereisten Raumes wichtig ist. Doch kann unser Be­such in Israel nur ein erster Kontakt sein, dem hoffentlich weitere, tiefere Begegnungen folgen wer­den. Den Abschluß unserer Reise bilden so vor allem Fragen, ungelöste Probleme – und die Auf­merksam­keit, mit der wir, nach Hause zurückgekehrt, die weitere politische Entwicklung in diesem Raum beobach­ten.

Schon während der Schlußredaktion dieses Reiseberichtes drängen sich neue Entwicklungen in die Beschreibung der selbst erlebten Situation. Die Intifada, der Aufstand der Palästinenser in den be­setz­ten Gebieten, die Proklamation eines Palästinenserstaates, der staatsrechtliche Verzicht Jordani­ens auf das Westjordanland zugunsten eines Palästinenserstaates, die zunehmend härter und verzwei­felter erdende Besatzungspolitik Israels im Westjordanland und im Gazastreifen – das alles sind Ent­wicklungen, deren Ende noch nicht abzusehen ist, die aber die politische Landschaft des Nahen Ostens tiefgreifend Ver­ändern können.

Und wie wirkt sich das Ende des Golfkrieges auf die Nach­barstaaten aus? wie wird sich der Li­banonkonflikt und damit auch die Beziehung Syriens zu seinen Nachbarn wie zu den Großmächten entwickeln? Fragen über Fragen, auf die wir noch keine Antwort gefunden haben. Doch glaube ich, daß wir nun, nach dieser Reise, die Entwicklungen mit größerem Verständnis und mit wacherer Auf­merksamkeit erfolgen können.

 

 
 

Gerhard Voigt: Tradition oder Umbruch? Erlebnisse im Nahen Osten. Bericht über eine Studienreise in die Türkei, nach Syrien, Jordanien, Ägypten und Israel im Sommer 1987 mit Schülern der Bismarckschule Han­nover im Rahmen der Arbeit einer UNESCO-Projekt-Schule. – Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. [An der Bismarckschule 5 D 30173 Hannover] / Gerhard Voigt. Mit Textbei­trägen von Dirk Fuhlbohm, Hartmut Grote, Hans A. Gütte, Udo Herges, Gerhard Stünkel und Alexander Schulze. – Hannover: UNESCO-Club, 1997. Druck der Erstauflage 1988: ISBN 3-930307-00-6

Wir bitten um Verständnis dafür, dass die begrenzten Codierungsmöglichkeiten des Internet-Zeichensatzes die korrekte Darstellung ausländischer Schriftzeichen im Gegensatz zu unseren Buchpublikationen in der Druckausgabe nicht immer zulässt. Das betrifft vor allem osteuropäische und türkische Zeichensätze, die durch einfache ASCII-Zeichen ersetzt werden müssen.

 

 
 

Zu den übrigen Aufsätzen des Bandes:

I. Vorwort

II. Einleitung

III. Vorbereitungen

IV. Résumé

V. Der Aufbruch

VI. Türkei

VII. „Beim Hören die Finger in die Ohren gesteckt“

VIII. Syrien

IX. Jordanien

X. Ägypten

XI. Israel

XII. Verwendete Literatur

XIII. Anhang

1. Ein kurzes Reisetagebuch

2. Teilnehmerliste der Orientfahrt  

 

 

 
     

 

 

Jerusalem:

Felsendom

 

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UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V.
http://www.UNESCO-Club-Bismarckschule.de
http://www,UNESCO-Club-Hannover.de
An der Bismarckschule 5. D 30173 Hannover
Verantwortlich: Gerhard Voigt, OStR, bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand: 01.05.2008