UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V.

 

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Patenschaft der Bismarckschule Hannover
mit dem Hospital San Gabriel
in La Paz / Bolivia

Der UNESCO-Club Hannover betreut seit Jahren ein Patenschaftsprojekt im Rahmen der schulischen Verantwortung für die Eine Welt, der sich die UNESCO-Projektschule Bismarckschule Hannover in besonderem Maße verpflichtet sieht, in Bolivien.

Das Hospital San Gabriel kümmert sich um die ärmsten der armen Kinder in La Paz und wird von uns mit Geldspenden unterstützt, die bei vielfältigen Veranstaltungen in der Schule erlöst oder gespendet worden sind.

Das Thema Dritte Welt gehört im Erdkunde-, Politik- und Geschichtsunterricht zu den regelmäßigen Pflichtthemen, die die Schülerinnen und Schüler während ihrer ganzen Schullaufbahn begleiten. Gerade das Thema Südamerika wird hier auch von den Rahmenrichtlinien besonders betont und findet in dem Engagement für San Gabriel in La Paz vor allem in der achten und neunten Klasse einen besonders intensiven Ausdruck.

Regelmäßig berichtet die Leiterin des Hospitals, Frau Dr. Lieselotte de Barragän über die Situation in ihrer Institution und über die Verwendung der Mittel, die wir ihr zur Verfügung stellen konnten.

Ein anrührender Bericht erreichte uns im Herbst 2004 und soll nachfolgend im Wortlaut wieder gegeben werden.

 

 

 

La Paz, 12. September 2004

 

An die Lehrer und Schüler

Der UNESCO ‑ Schule

Bismarckschule Hannover

z.hd. Herrn Günter Fuchs

An der Bismarckschule 5

30173 Hannover

 

Liebe Lehrer, Eltern und Schüler,

 

Ganz herzlichen Dank möchte wir allen für die Spende von E 1.000.‑ sagen, die wir über Misereor erhalten haben. Es sind nun schon viele Jahre, dass die Bismarckschule unseren Kindern hilft, und wir sind sehr glücklich, dass auf diese Weise bei den Kindern das Bewusstsein, dass anderen Kindern geholfen werden muss, entstehen kann.

 

Dieses Mal haben wir eine ganz andere Aufgabe übernommen, über die ganz sicher noch nie nachgedacht worden ist ‑ wahrscheinlich weiss man auch gar nichts hierüber!

 

Wie in jedem Land haben wir hier auch Gefängnisse. Gefängnisse für Männer und Gefängnisse für Frauen. Was wir nicht haben, sind Anstalten für Jugendliche, und so kommen auch die Jugendlichen in die gleichen Gefängnisse.

 

Nun sind aber nicht alle schlimme Verbrecher, die gibt es natürlich auch. Die meisten aber sind arme Leute, die entweder etwas gestohlen haben ‑ es heisst ja bekanntlich: "Die kleinen fängt man, die grossen lässt man laufen", und das trifft hier dramatisch zu! oder solche, die sich in der Not ihrer Armut dazu hergegeben haben, Drogen zu schmuggeln. In Lateinamerika wird vor allem Kokain hergestellt, was Ihr alle sicherlich schon wisst.

 

Nun ist folgendes geschehen: eine Südafrikanerin, 53 Jahre alt, ist seit drei Monaten im Frauengefängnis ‑ wegen Drogenschmuggel zu mehreren Jahren verurteilt ‑ und bekam Herzprobleme. Da sie kein Spanisch spricht, rief mich der Pater an, der die Gefangenen betreut, ein Belgier, und fragte, ob die Frau bei uns im Krankenhaus untersucht werden könnte; vorher aber müsste ich mit der Gefängnisverwaltung sprechen. So ging ich hin, und was ich da sah, hat mir das Herz umgedreht. Das Gefängnis ist in einem alten Haus untergebracht, welches mal eine schöne Resiedenz gewesen ist, mit einem grossen Garten. In diesen ehemaligen Garten hat man 4 grosse Schlafsäle gebaut, in denen reihenweise 20 Frauen unterkommen sollten; das Gefängnis ist für 80 Frauen geplant

gewesen. Inzwischen sind dort aber 250 Frauen, und dazu 80 kleine Kinder unter 6 Jahren, die bei ihren Müttern sind.

 

Als sie hörten, dass ich die Südafrikanerin zur Untersuchung sehen wollte, kamen sehr viele, weinend, dass sie auch krank seien, aber kein Geld hätten. Auch die Kinder sind zum Teil krank, Notfälle werden ins Allgemeine Krankenhaus gebracht und wieder zurück; aber da gibt es auch keine Medikamente, und vor allem "sind alle sehr schlecht zu uns", beklagte sich eine von ihnen, "weil sie uns für Verbrecher halten"

 

Mir hat sich das Herz umgedreht. Wir haben uns dann mit der Gefängnisverwaltung, für die eine Polizeimajor zuständig ist (Mayor de Policia Roxana Tapia) die eine sehr liebe Frau ist, unterhalten. Die hat mir dann erzählt, dass die meisten aus purer Dummheit dazu überredet worden sind, auf ihren Reisen über Land "ein Päckchen mitzunehmen". Das System ist gemein; der armen Frau wird das Päckchen und Geld gegeben, am anderen Ende der Fahrt steht die Polizei und nimmt sie fest. Was ist in Wirklichkeit geschehen? Solange sich die Polizei mit der Frau abgibt, die natürlich verzweifelt weint und sagt, sie hätte nicht gewusst, was in dem Päckchen drin ist, und schon gar nicht weiss, wer ihr das Paket gegeben hat und wer es hätte abholen sollte ("da wird jemand sein" wird ihr gesagt), wird die grosse Drogensendung durchgeschleust. Und die Frau, mit den kleinen Kindern, die sie bei sich hat, kommt ins Gefängnis. Da sie kein Geld hat, bekommt sie einen Anwalt vom Staat zugewiesen, der manchmal kommt und öfter nicht, und dem die vielen Fälle, die er hat, entweder über den Kopf wachsen oder gleichgültig sind, oder beides. Und dann sitzen sie Monate oder Jahre ohne ein Urteil da. Die Verwandten kommen die erste Zeit, dann nicht mehr.

 

Wir haben ausgemacht, dass wir mit meinen Medizinstudenten eine Untersuchung aller Frauen durchführen werden, und auch aller Kinder, um zu sehen, was an Krankheiten am häufigsten vorkommt. Dazu werden wir etwa zwei Wochen brauchen. Erstmal haben wir aber 27 Kinder, bei denen man sah, dass es ihnen nicht gut ging, in zwei Schüben mit dem Polizeiwagen ins Krankenhaus gebracht und untersucht. Das war ein grosses Weinen, der Mütter, die nicht mitdurften, und der Kleinen. Also haben wir am ersten Laden gehalten und ich habe ein Kilo Bonbons gekauft, das hat den ersten Schrecken etwas gemildert. Im Krankenhaus war wieder grosses Geschrei. Die einen hatten Darrnparasiten, die anderen kaputte Zähne, andere bösen Husten, manche die Krätze, einige Halsentzündungen mit Fieber.

 

Und dann haben wir Eure Spende dazu genommen, für diese Kinder Medikamente zu kaufen. Drei von ihnen haben wir geröntgt, bei einer spindeldürren Fünfjährigen haben wir Tuberkulose gefunden, die haben wir dann im Krankenhaus behalten, wo sie noch liegt. Und isst und isst! Sowas von Hunger! Es hat sich scheinbar bei der Grossmutter angesteckt; die Mutter hat keine TB.

 

Nun wollen wir sehen, dass wir ein besonderes Hilfsprojekt für diese Frauen und deren Kinder aufstellen können. Die Frauen aber haben gesagt: "Gott segne die, die uns hier helfen, Gott segne ihre Kinder, Gott helfe ihnen in jeder Not, wie sie uns jetzt helfen." Dieser Segen kommt Euch allen zu!

 

 

Mit sehr lieben Grüssen, und vielem Dank!

Dr. Lieselotte de Barragän

 

 

Aus dem Brief von Frau Dr. Barragän an Herrn Fuchs (der die Bolivien-Patenschaft an der Bismarckschule im Namen des UNESCO-Clubs betreut):

 

Es ist doch manchmal merkwürdig, wie man jahrelang an einer Situation vorbeigegangen ist, ohne sie zu sehen, bis, ja, wer eigentlich? einen darauf stösst. Im Krankenhaus, vor allem aber meine Kinder (von denen 2 Ärzte sind) sagen Mer Gabrielito", unser Aufregungen liebender Erzengel. Der hat so seine Um‑Wege, uns im Krankenhaus immer von einem Problem zum nächsten zu stossen, oft schon auf ziemlich dramatische Weise.

 

In diesem Fall, Sie haben ja den Brief lesen, sagte die Südafrikanerin: 1 have prayed and prayed and prayed for a miracle"

 

Nicht nur, dass man den Prozess gegen sie ohne einen Übersetzer geführt hat, weil der vom Staat zugewiesene Anwalt sich überhaupt nicht gekümmert hat, auch jede Verbindung zu ihren Verwandten in Johannesburgh war abgeschnitten. So sass sie da vollkommen einsam inmitten der vielen anderen, aus einem anderen Kulturkreis stammend, und mehrere usw. Eine Bibliothek gibt es nicht, also auch nichts zu lesen, die Frauen waschen Wäsche für Familien, die sie da abgeben, meistens schwere Decken, die man selber zu Hause nicht schafft, oder stricken oder häkeln, um sich etwas zu verdienen. Zu essen gibt es morgens einen dünnen Tee und zwei Brote, von denen eins aufbewahrt werden muss für den Tee am Nachmittag, mittags ein Mischmaschgericht, das die Frauen selber zubereiten. Mehr ist nicht. Von diesem verdienten Geld müssen die Frauen die Prozessgebühren zahlen ... Über den belgischen Pater haben wir jetzt einen anderen Rechtsanwalt gebeten, den Fall der Südafrikanerin, eine weisse, grosse und schöne Frau, "für Gottes Lohn" zu übernehmen. Er ist ein guter Freund von mir. "Auich das noch!" hat er gesagt, aber er macht es: vielleicht kann man erreichen, wegen Verletzung ihrer Rechte, dass sie ausser Landes gewiesen wird. Zu Hause hat sie eine Tochter und zwei Enkelkinder, ausser zwei Brüdern mit Familie. Die haben wir auch ausfindig machen können, sodass ‑ über meine Mailadresse, denn anders geht es nicht, das armselige Gefängnis hat keinen Computer und erst recht kein Internet ‑ die Verbindung wieder da ist.

 

Und ‑ Fortsetzung folgt. Nun müssen wir sehen, wie wir für diese Frauen und Kinder einen Gesundheitsdienst einrichten, und wie wir den finanzieren könnten. Der Pater sammelt in seiner Pfarrei Kleidung für die Kinder, zu Weihnachten Spielsachen, die Frauen geben auch für die Insassen mal was her, was sie nicht mehr tragen. Natürlich gibt es keine Gefängniskleidung, jede zieht das an, was sie gerade hat ‑ oder nicht hat. Daher frieren viele im Winter, wo es vor allem nachts sehr kalt werden kann.

 

Nufiez del Prado esq. Pedro Villamil s/n Villa Copacabana

TelUono 2230646/2231816 Fax 2231109

e‑mail lielotthzuper.net

Casilla 4093 La Paz Bolivia

 

 

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http://www.UNESCO-Club-Bismarckschule.de
http://www,UNESCO-Club-Hannover.de
An der Bismarckschule 5. D 30173 Hannover
Verantwortlich: Gerhard Voigt, OStR, bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand: 01.05.2008